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Konsum: Geizen für die Rente

Leidet die Wirtschaft, weil Verbraucher zu viel sparen? Nein, es müsste sogar mehr zurückgelegt werden.

Deutschland spart. Die Verbraucher halten ihre Geldbörsen fest verschlossen. Und das, obwohl fast alle Politiker, viele Firmenbosse und einige Ökonomen predigen, dass Sparen der Volkswirtschaft schade. Denn wer mehr auf die hohe Kante legt, kann - zumindest aktuell - weniger ausgeben, also momentan die Wirtschaft weniger ankurbeln. Das Ergebnis: Stillstand.

Sparen wir uns also zu Tode? Sind die Deutschen selber schuld an der Misere, weil sie zu geizig sind? Und wie viel soll man sparen?

Ein Blick auf die Zahlen rechtfertigt die Aufregung nicht. Die Sparquote der Haushalte, also der gesparte Teil des verfügbaren Einkommens, pendelt seit Jahren mehr oder weniger konstant zwischen zehn und elf Prozent (siehe Grafik). Von 1000 netto verdienten Euro legen die Bundesbürger im Schnitt etwas mehr als einen Hunderter auf die hohe Kante. Das Lamento, es werde derzeit zu viel gespart, ist demnach haltlos. Im Gegenteil: Verglichen mit den Zeiten vor der Wiedervereinigung wird heute sogar etwas weniger beiseite gelegt.

Die deutschen Sparschweine wurden über die Jahre trotzdem immer fetter. In den vergangenen 15 Jahren hat sich ihr Inhalt glatt verdoppelt - auf rund vier Billionen Euro. Etwa dieselbe Summe steckt zusätzlich in Immobilien. Insgesamt sind rund 70 bis 80 Prozent des Vermögens der Deutschen vergleichsweise sicher angelegt (Immobilien, Bankkonten, Lebensversicherungen, Zinspapiere). Die restlichen 20 bis 30 Prozent sind spekulativer, überwiegend in Aktien und Investmentzertifikaten, investiert.

Diese durchschnittliche Mischung der Vermögensarten mit unterschiedlichen Anlagedauern und verschiedenen Renditechancen und -risiken ist generell richtig. Und auch die durchschnittliche Höhe des Sparens, also gut zehn Prozent vom Netto, ist für den einzelnen Verbraucher eine vernünftige Orientierungsmarke.

Das derzeitige Problem ist denn auch nicht, wie viel, sondern wofür gespart wird. Repräsentative Emnid-Umfragen im Auftrag des Verbandes der Privaten Bausparkassen zeigen, dass die Deutschen als Sparziel zunehmend die Altersvorsorge nennen. Es deutet sich an, dass ein immer größerer Teil des Spar-Hunderters als Vorsorge fürs Alter draufgeht. Zu Recht: Je magerer die staatliche Rente ausfällt, desto mehr müssen die Bürger privat vorsorgen. Damit aber bleibt weniger übrig für Großanschaffungen wie Autos, Möbel, Hausrat oder Terrassendächer. Folgerichtig klagen die Hersteller von Konsumgütern, das Handwerk und der Einzelhandel über die Konsumflaute, weit weniger die Versicherungen und Finanzdienstleister.

Damit genauso viel Gespartes wie früher in den Konsum fließen kann, müsste also streng genommen nicht weniger, sondern mehr gespart werden. Doch das ist für viele angesichts von Nullrunden oder gar Senkungen bei den Löhnen leichter gesagt als getan.

Frank Donovitz / print
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