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KONSUMENTEN: Tipps für den Stromversorgerwechsel

Viele würden gerne, aber die meisten trauen sich nicht den Stromversorger zu wechseln. Gut ist, dass bei Wechselproblemen niemand einfach den Strom abschalten darf.

Die Strompreise ziehen wieder an. Wer die Energiekosten für seinen Haushalt im Griff behalten will, kann zwei Wege gehen: Konsequent den Verbrauch drosseln. Und zusätzlich den Versorger wechseln, was sich die meisten Bundesbürger aber nicht trauen. Auch wenn fast jeder zweite Deutsche nach Angaben von Stiftung Warentest gern Strom von einem billigeren Anbieter beziehen würde. Die Mehrzahl der Verbraucher schreckt vor den Problemen zurück, die beim Umstieg auftauchen können.

Geduld ist immer notwendig

Der Ärger kann tatsächlich nervenaufreibend werden, wie Stiftung Warentest bei Stichproben herausfand. Doch in vielen Fällen lief es auch reibungslos. »Wechseln Sie ruhig«, so das aufmunternde Fazit der kritischen Berliner im neuen »test«-Heft. Auf kundenfreundlichen Service kann man vor allem bei Ökostromversorgern bauen. Geduld ist allerdings immer notwendig. So leicht und schnell wie beim Telefonieren ist ein Anbieterwechsel im Strommarkt nicht zu haben. Lange Wartezeiten von zwei bis drei Monaten sind an der Tagesordnung. Verbindliche Regeln für den Wechsel gibt es nicht, eine staatliche Regulierung auch nicht. Deshalb muss sich der Kunde im harten Konkurrenzkampf der Versorger schlimmstenfalls auf eigene Faust durchbeißen, nachhaken, herumtelefonieren.

Keine Angst vor Schikanen

»Man sollte es auf jeden Fall probieren«, ermuntert auch Klaus Fey von der Verbraucherzentrale Hessen alle wechselwilligen Verbraucher. Angst davor, am Ende im Dunkeln zu sitzen, braucht niemand in Deutschland zu haben. Nach dem Energiewirtschaftsgesetz (Paragraf 10) ist der ansässige Gebietsversorger gezwungen, in solchen Problemfällen Strom zu liefern. »Je mehr Leute sich trauen, desto größer wird der Druck auf die Versorgungsunternehmen, keine Hürden mehr aufzustellen«, betont Fey.

Ab 200 Mark Einsparung lohnt ein Wechsel

Wer aus seinem alten Vertrag heraus will, sollte sich zuerst immer ausrechnen, wie viel bei einem Wechsel wirklich einzusparen ist. Ein gründlicher Preisvergleich zwischen alter Stromrechnung und neuen Angeboten ist ein Muss. Ab 200 Mark (102 Euro) im Jahr kann sich der Umstieg vor allem für größere Haushalte lohnen, wie Verbraucherschützer meinen. Wichtig ist, dass man von dem »Neuen« immer den tatsächlichen Endpreis in Erfahrung bringt. Nur dann macht ein Vergleich Sinn. Neben dem festen monatlichen Grundpreis und dem Verbrauchspreis in Pfennig pro Kilowattstunden müssen auch Mehrwertsteuer und Ökosteuer inbegriffen sein. Auch die Abgabe, die für die Stromleitung durch das Gebiet der Kommune verlangt wird, muss enthalten sein.

Achtung bei Vertragslaufzeit

Die Vertragslaufzeiten sollten nicht allzu lang ausfallen. Eine Kündigungsfrist zum Monatsende gilt als optimal. Wer darauf achtet, dass während des laufenden Vertrags die Strompreise nicht erhöht werden dürfen, handelt goldrichtig. Einige einst billige Angebote sind nach den Erfahrungen von Stiftung Warentest ohne Preisgarantie schon teurer geworden. Vor Beginn der Stromlieferung sollten Neukunden generell keine Zahlungen leisten.

Billig aber nervig?

Wichtig ist auch, dass der neue Anbieter alle Formalitäten wie die Kündigung des alten Versorgers übernimmt. Was einen Wechsel immer wieder problematisch macht und viel Zeit kosten kann, sind die Verhandlungen über die Durchleitung des Stroms zwischen altem und neuem Unternehmen. »Da wird oft blockiert und gemauert«, meint Fey. Wechselwillige sollten darauf gefasst sein, notfalls hinterherzufaxen oder zu schreiben, bis alles klappt und sie von der neuen Stromfirma beliefert werden. Vor allem viele supergünstige Anbieter sind wenig kundenorientiert, kritisiert Stiftung Warentest. Ihr Urteil: »Billig, aber nervig«.

Öko-Strom muss nicht teurer sein

Wer ein umweltschonendes Angebot wählt, bekommt in jedem Fall den besseren Service, betonen die Berliner Verbraucherschützer. Außerdem muss Ökostrom nicht immer teurer als der herkömmliche Strom sein, wie ein Preisvergleich zeigt.

Informationen:

* Eine Übersicht über bundesweite Stromangebote inklusive Servicequalität des Wechsels bietet das August-Heft von »test«.

* Grundsätzliche Orientierung finden Wechselwillige im Kurzratgeber »Der neue Strommarkt« der Verbraucherzentralen. Er ist für fünf Mark in allen Beratungsstellen abholbar oder zu bestellen über 069 - 97 20 10-30, Fax: 069/ 97 20 10-40.

* Nutzen Sie auch den Preisvergleich der Stromanbieter bei stern.de