Kreditkrise Worauf Kleinanleger achten müssen


Die US-Regierung versucht verzweifelt, die Finanzkrise in den Griff zu bekommen. Milliarden werden in den Markt gepumpt, der angeschlagene AIG-Konzern wird verstaatlicht. Ist das Ersparte der Kleinanleger noch sicher? stern.de beantwortet die wichtigsten Fragen rund um die Krise.

Die Finanzkrise hat zu Wochenbeginn einen neuen Höhepunkt erreicht. Als Folge der Immobilienkrise scheiterten zwei der größten und traditionsreichsten US-Investmentbanken: Nach vergeblichen Rettungsversuchen musste die über 150 Jahre alte Bank Lehman Brothers Gläubigerschutz beantragen. Die drittgrößte Investmentbank Merrill Lynch wurde von der Bank of America aufgekauft. Die Hiobsbotschaften lösten weltweit Schockwellen an den Börsen aus.

Der Deutsche Aktienindex Dax schloss am Montag auf dem tiefsten Stand seit Oktober 2006, und auch am Dienstag ging es weiter bergab. Noch vor gut einem Jahr hatte er bei knapp über 8150 Punkten einen Rekordstand erreicht. Besonders Banken- und Versicherungstitel verbuchten hohe Verluste.

Müssen Sparer hierzulande aufgrund der Krise um ihr Geld fürchten? Sollten Fonds, Aktien und Versicherungen verkauft und das Geld nur noch in den Sparstrumpf gesteckt werden? Nein, meinen Experten. stern.de beantwortet die wichtigsten Fragen für Kleinanleger in Zeiten der Hypothekenkrise.

Muss ich grundsätzlich um mein Erspartes bangen?

Nein. Seit 1998 sind alle Kreditinstitute in der EU Mitglied in der gesetzlichen Entschädigungseinrichtung und müssen Beiträge in einen Topf einzahlen. Im Pleitefall erhalten die Kunden daraus 90 Prozent ihrer Einlagen zurück, maximal 20.000 Euro. Bei den deutschen Privatbanken gibt es zusätzlich den Einlagensicherungsfonds, der 1976 nach der Pleite der Herstatt-Bank gegründet wurde. Der Fonds sichert die Kundeneinlagen faktisch zu 100 Prozent ab.

Achtung: Die Teilnahme ist freiwillig, rund 220 Institute machen mit. Einige wenige kleine Banken sind nicht Mitglied. Auskunft darüber gibt es am Bankschalter oder im Internet unter www.bankenverband.de/einlagensicherung. Die Sparkassen sowie Genossenschaftsbanken haben ihre eigenen Sicherungseinrichtungen und stehen zudem in Krisenfällen füreinander ein. Auch hier sind die Kundengelder zu 100 Prozent geschützt. "In Panik auszubrechen ist falsch", sagt Christian Lienke, Pressesprecher bei Union Investment. "Banken sind in Deutschland so weit gefestigt, dass sie die Krise durchstehen können." Geld unter der Matratze habe gar keinen Sinn: Dort bringe es keine Rendite, verliere sogar noch an Wert durch die allgemeine Preissteigerung. Außerdem sei es vor Einbrechern nicht geschützt.

Was passiert mit meiner Lebensversicherung?

"Von einer grundsätzlichen Gefahr können wir nicht sprechen", meint Carsten Klude, Chefvolkswirt beim Privatbankhaus MM Warburg. Gefährlich für das Geld werde es nur, wenn die Versicherungen Konkurs machten. Eine Pleitewelle sei aber zum jetzigen Zeitpunkt keinesfalls abzusehen.

Außerdem hätten die meisten Lebensversicherungen einen aufsichtsrechtlichen Rahmen, wie das Geld angelegt werden soll. Meistens liege die Aktienquote bei Lebensversicherungen nur zwischen sechs und zehn Prozent, so der Volkswirt. Deswegen sei zwar die Rendite nicht sehr hoch, in Zeiten des Kursabsturzes seien Lebensversicherungen dafür aber wenig betroffen. "Der Großteil des Geldes ist normalerweise in festverzinslichen Wertpapieren angelegt, und gerade die haben in den vergangenen Tagen eine positive Entwicklung durchlaufen", erläutert Klude.

Ist das Geld, das ich in einen Investmentfonds investiert habe, gefährdet?

Das hängt davon ab, woraus sich der Fonds zusammensetzt. "Je mehr ich in Aktien investiere, desto größer ist mein Verlustrisiko", kommentiert Anlagespezialist Klude. Es sei jedoch nicht zu erwarten, dass Anleger ihr Geld gar nicht mehr wiedersähen. Bei einem guten Management könnten Verluste außerdem niedriger als befürchtet ausfallen. Und zwar dann, wenn das Geld frühzeitig aus dem Aktienmarkt herausgezogen und so die Kassequote (also der Teil der Anlage, der auf dem Geldmarkt investiert wird) erhöht worden sei.

Inwiefern sind Rentenfonds besonders gefährdet?

Auch hier kommt es darauf an, um welche Art von Investition es sich handelt – die Zusammensetzung variiert von Fonds zu Fonds: Staatsanleihen seien die sicherste Anlageform mit geringem Ausfallsrisiko, erläutert Investitionsexperte Klude. So hätten sie von der Entwicklung an den Aktienmärkten sogar profitiert. Viele Anleger hätten Geld aus ihren Aktien herausgeholt und in dem sicheren Hafen Staatsanleihen investiert. Dadurch seien deren Kurse gestiegen. So könnten Anleger nun nicht nur Zinsgewinne, sondern auch Kursgewinne verbuchen. Staatsanleihen seien die Gewinner dieser Krise.

Richtig problematisch werde es allerdings, wenn die Rentenfonds auch aus strukturierten Produkten bestünden wie zum Beispiel ABS, also "Asset Backed Securities". Diese hätten durch die Immobilienkrise hohe Verluste erlitten. Unternehmensanleihen stünden, was das Risiko angeht, dazwischen: Sie verzeichneten eine nicht ganz so gute Wertentwicklung wie Staatsanleihen. Außerdem stünden Anleihen unter Druck, da die Furcht bestehe, bei einer Konjunkturabschwächung werde der Ertrag sinken. Und dies hat oft negative Auswirkungen auf die Kurse von Unternehmen.

Ist meine Riester-Rente in Gefahr?

Auch hier kommt es wieder darauf an, wo einzelne Institute investiert haben. Jedoch besteht bei der Riester-Rente ein Kapitalschutz: Am Ende der Periode bekomme der Anleger in jedem Fall sein investiertes Geld zurück. Das Risiko ist also begrenzt.

Sollte ich mein Geld aus Geldmarktfonds herausziehen?

Nein, meint Kapitalexperte Klude. Bei Geldmarktfonds bestehe keine Gefahr: Der Anleger bekomme schließlich einen Zins ausgezahlt, der sich am Leitzins der Notenbank orientiere. Ein Kursrisiko bestehe nicht. "Dies ist zwar ein unspektakuläres Produkt, aber in Krisenzeiten sehr gefragt", sagt Klude. Allerdings müsse der Sparer aufpassen: Geldmarktfonds hätten manchmal das Recht, in strukturierte Produkte zu investieren. Strukturierte Produkte hätten durch die Krise massiv an Wert verloren. Handele es sich jedoch um einen reinen Geldmarktfonds, trage er kein Risiko.

Sind alle Aktienfonds durch die Kurseinbrüche gefährdet?

Generell hoffen Anleger, durch Aktien eine höhere Rendite zu erzielen – selbst wenn deren Verlustrisiko höher sei. Aber sind alle Aktienfonds gleich stark von den Kurseinbrüchen bedroht? Nein, meint Volkswirt Klude. Zentral sei die Dauer der Anlage: Braucht der Anleger sein Geld in drei oder sechs Monaten, sei der Ausblick unsicher. Klude geht davon aus, dass in dieser Zeitspanne die Kurse noch weiter sinken könnten. "Dann ist es ratsam, sein Geld schnell aus den Aktien herauszuziehen und in den Geldmarkt zu investieren", sagt er. Wenn ein Aktienfonds dagegen langfristig angelegt sei, also über fünf oder zehn Jahre, brauche der Anleger nicht in Panik zu verfallen. Genaue Prognosen könne zwar keiner machen, aber die grundsätzliche Erfahrung sei: Egal wie sich Märkte entwickeln, langfristig würden die Kurse wieder hochgehen, und Aktien seien so die renditestärkste Anlageform, erläutert Klude.

Ist mein Bausparvertrag in Gefahr?

Hierbei handele es sich um relativ niedrig verzinste Verträge. In Gefahr seien die nur, wenn Bausparkassen pleitegingen. Anlageexperte Klude hält dies für unwahrscheinlich. Auch angesichts der Hypothekenkrise.


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