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Manager-Bezahlung: Millionengehälter sorgen weiter für Zündstoff

Die Millionengehälter vieler deutscher Wirtschaftsbosse sorgen weiter für Zündstoff: Aus Sicht der DSW schadet es dem sozialen Frieden, wenn einzelne Manager exorbitante Gehälter ohne persönliches Risiko beanspruchen.

Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker von der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sagte dazu der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung": "Unsere Manager wollen amerikanische Gehälter bei deutscher Haftung." Hier zu Lande werde aber im Gegensatz zu den USA kaum jemand für Fehler zur Verantwortung gezogen. Zugleich erteilte er der Idee einer Obergrenze für Managergehälter eine Absage. "Wir leben in einer Marktwirtschaft, Manager sind keine Beamten."

Die 'großen Drei' sind Schuld

Der Eindruck überzogener Bezüge entsteht nach Hockers Einschätzung hauptsächlich durch drei Firmen: die Deutsche Bank, DaimlerChrysler und Mannesmann mit seiner Abfindungsaffäre. Vor allem bei Daimler seien die Millionengehälter "in Anbetracht der unternehmerischen Flops, etwa bei Mitsubishi, wirklich unangemessen". Diese Schieflage habe mit der Schwäche des Aufsichtsrats zu tun. Den Beschäftigten müsse man sagen, "dass die Gewerkschaften bei der Entscheidung über Vorstandsbezüge mit am Tisch sitzen. Da kommt es schon mal zu unheiligen Allianzen". Der Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft, Hermann-Josef Arentz, forderte deutsche Top-Manager zum Verzicht auf. "Wenn Manager von den Arbeitnehmern Opfer verlangen, müssen sie mit gutem Beispiel vorangehen", sagte Arentz den in Münster erscheinenden "Westfälischen Nachrichten". "Wer Wein trinkt, kann anderen doch nicht Wasser predigen." Der CDU-Politiker forderte von Unternehmensvorständen "vorbildliches und ethisches" Verhalten. "Davon konnte in den letzten Jahren beim besten Willen nicht immer die Rede sein."

Auch Manager müssen Opfer bringen

Unternehmensberater Roland Berger sprach sich ebenfalls für eine Senkung von Managergehältern aus. "Es ist klug und moralisch richtig, wenn Manager, die von ihren Arbeitnehmern Opfer verlangen, selbst mit gutem Beispiel vorangehen", sagte Berger dem "Handelsblatt". Berger forderte zugleich, die Bezüge der Führungskräfte stärker als bisher an deren Erfolg zu koppeln. Der SPD-Wirtschaftspolitiker Rainer Wend sagte dem "Tagesspiegel", Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, einer der Angeklagten im Mannesmann-Prozess, habe dem Land einen schlechten Dienst erwiesen, indem er "mit Arroganz und Anmaßung" vor Gericht aufgetreten sei. Wend regt an, Manager zivilrechtlich stärker für fehlerhaftes Verhalten in Verantwortung zu ziehen. "Wir müssen bei Managern die Hemmschwelle erhöhen, Schadenersatzpflicht auszulösen", sagte er. "Da können wir die Schrauben noch etwas anziehen."

Maßstäbe sind verrückt

SPD-Fraktionsvize Poß beklagte, dass viele Menschen nicht mehr nachvollziehen könnten, was in den Konzernen passiert. "Die Maßstäbe sind verrückt", sagte er. Nach seiner Ansicht muss es auch in Aufsichtsgremien der Unternehmen mehr Transparenz geben. Er verwies auf die laufende Gesetzgebung zur "guten Unternehmensführung". Der SPD-Politiker mahnte die Arbeitnehmervertreter in den Gremien, "ihre besondere Verantwortung wahrzunehmen". Auch die Manager des Pharmakonzerns Schering kommen unterdessen unter Druck: Norbert Deutschmann, Betriebsratschef in der Berliner Konzernzentrale, forderte den Vorstand im Gespräch mit dem "Tagesspiegel" auf, auf Geld zu verzichten. "Wenn der Vorstand von den Mitarbeitern Opfer verlangt, sollte er selbst mit gutem Beispiel vorangehen und auf einen Teil seiner Bezüge verzichten." Schering-Chef Hubertus Erlen hatte im Juni angekündigt, 900 Stellen abbauen und zwölf der 24 Standorte des Unternehmens schließen zu wollen. (AP)

DPA