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Rücktritt EZB-Chefvolkswirt Stark: US-Börsen tief ins Minus gedrückt

Nach dem Rücktritt von "Stabilitätsgarant" Jürgen Stark fällt der Dow Jones um 2,69 Prozent. Auch der Euro schwächelt. Mit einem Kurs von 1,3651 Dollar notierte er so tief wie seit Februar nicht mehr.

Die unerwartete Rücktrittsankündigung von EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark hat die US-Börsen am gestrigen Freitag tief ins Minus gedrückt. Der Leitindex Dow Jones Industrial fiel um 2,69 Prozent oder 303,68 Punkte auf 10992,13 Punkte und weitete damit seine Vortagsverluste deutlich aus. Aktuell ist er noch knapp 400 Punkte von seinem Anfang August erreichten Jahrestief entfernt.

Stark galt, wie der im Februar zurückgetretene Bundesbank-Präsident Axel Weber, als Stabilitätsgarant und Kritiker der milliardenschweren Anleihekäufe, mit der die Europäische Zentralbank (EZB) kriselnde Euro-Staaten stützt.

Beobachter werteten deshalb den jüngsten Abgang als schlechtes Omen: Die künftige Strategie der Notenbank sei unsicherer denn je. Zu diesem düsteren Aussichten gesellten sich Händlern zufolge verstärkte Sorgen um einen möglicherweise drohenden Zahlungsausfall Griechenlands und die Befürchtung, dass das hunderte Milliarden Dollar schwere Jobprogramm des US-Präsidenten im Kongress scheitern könnte.

Auf Wochensicht stand beim Dow Jones ein Minus von 2,21 Prozent zu Buche. Der breiter gefasste S&P 500 gab am Freitag um 2,67 Prozent nach auf 1154,23 Punkte. An der Technologiebörse Nasdaq sank der Composite-Index um 2,42 Prozent auf 2467,99 Punkte und der Auswahlindex Nasdaq 100 büßte 2,29 Prozent auf 2163,66 Punkte ein.

Die wieder aufgeflammten Spekulationen um Griechenland brachten Händler mit einer Kreisemeldung in Verbindung, wonach die Bundesregierung im Fall einer Staatspleite Griechenlands eine Abschirmung für deutsche Banken plant. Diese Perspektive belastete die Finanzwerte an der Wall Street zusätzlich. So fielen JPMorgan um 4,27 Prozent auf 32,08 Dollar. Für die Titel des Kreditkartenunternehmens American Express ging es um 4,54 Prozent auf 47,28 Dollar nach unten.

Die Anteilsscheine der Bank of America sanken um 3,06 Prozent auf 6,98 Dollar. Die Beschäftigten des größten US-Kreditinstituts müssen zittern: Wenn sich bewahrheitet, was örtliche Medien berichten, dann verlieren bis zu 40.000 in nächster Zeit ihren Job. Die einst so stolze Bank muss sich mit säumigen Schuldnern und Milliardenklagen wegen angeblicher Hypotheken-Betrügereien herumschlagen.

Die Aktien von McDonald's fielen um 4,05 Prozent auf 85,02 US-Dollar. Die Umsätze in den Filialen, die seit mindestens 13 Monaten geöffnet sind, hatten im August weniger deutlich zugelegt als von Analysten prognostiziert. Auch alle anderen Dow-Werte schlossen im Minus.

Für die Titel von Texas Instruments aber ging es um 1,09 Prozent nach oben, obwohl der Chiphersteller wegen einer deutlich gesunkenen Nachfrage die Prognosen für das bis Ende September laufende dritte Quartal gesenkt hatte. Analyst Kai Korschelt von der Deutschen Bank meint aber dennoch, dass sich das Umsatz- und Margenprofil mit der Abhängigkeit vom Autosektor und anderen industriellen Sparten in Zukunft als relativ widerstandsfähig erweisen werde.

Die Titel von Apple gaben nur um unterdurchschnittliche 1,79 Prozent nach. Der iPad-Hersteller errang in Deutschland seinen bisher größten Erfolg im Streit um Nachahmer seiner mobilen Geräte. Erstmals gelang es dem Konzern, einen Konkurrenten seines populären iPad-Tablets vor Gericht zu stoppen. Zudem lässt die Einstweilige Verfügung des Düsseldorfer Landgerichts gegen das neue Galaxy Tab von Samsung auch ein scharfes Damoklesschwert über den Köpfen anderer Rivalen schweben.

Abseits des üblichen Treibens aber stand die Wall Street an diesem Tag für einen Moment still: Die Börsianer gedachten mit einer Schweigeminute der Opfer des 11. September 2001. Manchem hartgesottenen Händler standen Tränen in den Augen. Viele hatten Familienmitglieder, Freunde oder Bekannte verloren, als die Zwillingstürme des World Trade Centers vor zehn Jahren einstürzten. Große Teile der Büros waren an Finanzfirmen vermietet.

Der Kurs des Euro fiel in Reaktion auf den Rücktritt Starks auf 1,3651 US-Dollar. Damit notierte er so tief wie seit Februar nicht mehr. Richtungsweisende zehnjährige Anleihen gewannen angesichts der gestiegenen Unsicherheit am Aktienmarkt 18/32 Punkte auf 101 27/32 Punkte und rentierten mit 1,919 Prozent. Zwischenzeitlich war die Rendite sogar auf ein Rekordtief gefallen

kgi, DPA / DPA