Transaktionsbanken Die unsichtbaren Strippenzieher


Eine Schalterhalle hat die dwpbank nicht. Auch keinen Wolkenkratzer wie andere Banken am Finanzplatz Frankfurt. Trotzdem ist sie für andere Banken so wichtig wie ein Zulieferer von Bremsbelägen für einen Autobauer.

Eher unscheinbar residiert die Bank im Multikulti-Stadtteil Bockenheim, wo 600 der insgesamt 1250 Mitarbeiter beschäftigt sind. Die Zurückhaltung ist beabsichtigt: Die Deutsche WertpapierService Bank AG (dwpbank) ist eine Transaktionsbank. Ihre Kunden sind ausschließlich andere Geldinstitute, für die sie auf Wunsch die komplette Wertpapierabwicklung übernimmt. Die Auslagerung solcher Prozesse, die nicht zum eigentlichen Kerngeschäft von Geschäftsbanken gehören, ist ein relativ neuer Trend in der Branche.

Von anderen Branchen lernen

In der Fahrzeugindustrie ist es seit Jahrzehnten üblich, dass spezialisierte Zulieferer den Autoherstellern Arbeit abnehmen und für sie Türschlösser, Anti-Blockier-Systeme oder Getriebe produzieren. Die Banken hielten solche Arbeitsteilung lange für unnötig oder gar gefährlich. "Der Branche ging's zu gut, man konnte sich Experten für alles leisten", erläutert Wolfgang König, Professor für Wirtschaftsinformatik und Sprecher des "E-Finance-Labs" an der Universität Frankfurt. Doch die Krise der vergangenen Jahre machte den Banken schmerzhaft klar, dass die Abkehr vom Prinzip, jede Transaktion selbst zu betreuen, die Kosten drastisch senken kann.

Hinter den Kulissen werden nun sogar die Grenzen der ansonsten strikt getrennt auftretenden drei "Säulen" der deutschen Bankenlandschaft überwunden. Die vor gut einem Jahr gegründete dwpbank zählt zum Beispiel neben Sparkassen und Genossenschaftsbanken seit kurzem mit der Dresdner Bank auch die zweitgrößte private Großbank zu ihren Kunden. Eine andere wichtige Transaktionsbank ist die Postbank: Sie wickelt in so genannten Bankfabriken den Zahlungsverkehr anderer Geldhäuser wie der Deutschen Bank und der Dresdner Bank ab, ohne dass deren Kunden davon etwas bemerken.

Folge: Verlust von Bankarbeitsplätzen

Der Grundgedanke dahinter ist einfach. "Die Banken wandeln ihre Fixkosten in variable Kosten um", betont Hilmar Schwarz, bei der dwpbank zuständig für Kundenprojekte. Wenn die Finanzhäuser weniger Wertpapieraufträge bekommen, zahlen sie für die Ausführung auch weniger, da sie kein eigenes Personal und keine eigene Technik mehr vorhalten müssen. Das Risiko trägt nicht mehr die Bank selbst, sondern die Transaktionsbank, die wiederum durch die Bündelung von Aufträgen verschiedener Institute kostengünstiger arbeitet. Einen Haken hat das Verfahren allerdings: Gibt die Bank ihren bislang internen Bereich an einen externen Dienstleister ab, gehen fast unweigerlich Arbeitsplätze verloren.

Wenn der Kunde einer Bank seinem Berater in der Filiale den Auftrag erteilt, eine Aktie zu kaufen, kann schon die Weiterleitung der Order an die Börse über die dwpbank laufen. Die Transaktionsbank übernimmt in ihrem internen System die Abrechnung des Geschäfts und bedient sich für die Verwahrung der Wertpapiere eines weltweiten Netzwerkes von Lagerstellen. Auch die Einladung zur Hauptversammlung fällt ihren Aufgabenbereich: Auf dem Brief, den der stolze Aktionär erhält, steht zwar das Logo seiner Bank, der eigentliche Absender aber ist die dwpbank.

Gesamtverantwortung trägt immer die Hausbank

Fast alles läuft inzwischen automatisch. Die in riesigen Depots verwahrten Aktien werden einfach auf ihren neuen Besitzer umgebucht, bleiben aber an Ort und Stelle. Ausnahmen sind "exotische" Aufträge von Sammlern, die zum Beispiel eine Aktie des immer noch börsennotierten Zoologischen Gartens Berlin erwerben und dann in Händen halten möchten. Auch solche Sonderwünsche erfüllen die Mitarbeiter der dwpbank. Die Gesamtverantwortung für das Wertpapiergeschäft gegenüber dem Kunden trägt allerdings nach wie vor die Hausbank.

Alexander Missal, dpa DPA

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