Wirtschaftsweiser Bofinger fordert Steuererklärung vom Staat


Weniger Belastungen der Arbeitnehmer und ein Zukunftsprogramm für Forschung, Bildung und Ökologie: Das fordert der Wirtschaftsweise Peter Bofinger im stern. Der Staat soll den Menschen durch eine "Bürgerabrechnung" wieder näher kommen.

Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger fordert vom Staat, den Deutschen in einer "Bürgerabrechnung" offen zu legen, wie Steuereinnahmen verwendet werden. Wenn er eine Institution werden wolle, mit der sich der Bürger uneingeschränkt identifizieren könne, sei es ein wichtiger Schritt, "dass der Staat jedes Jahr eine einfach nachzuvollziehende Bürgerabrechnung veröffentlicht, in der man ablesen kann, wofür die öffentlichen Mittel ausgegeben werden", schrieb Bofinger in einem Gastbeitrag für die neue, am Donnerstag erscheinende Ausgabe des stern. So würde deutlich, "dass Steuern und Abgaben nicht im Rachen eines gefräßigen Monsters landen, sondern für alte und kranke Menschen eingesetzt werden, für unsere Kinder und allgemein für die Zukunft des Landes".

Bofinger gehört dem Sachverständigenrat der Bundesregierung an, den sogenannten Fünf Wirtschaftsweisen, und lehrt Volkswirtschaft an der Universität Würzburg. In dieser Woche erscheint sein neues Buch "Ist der Markt noch zu retten?". In dem Beitrag für den stern plädiert der Wissenschaftler auch dafür, die Besteuerung stärker an der Leistungsfähigkeit der Bürger auszurichten. "In Deutschland werden die Arbeitnehmer stärker mit Abgaben belastet als in anderen Ländern, während Vermögensbesitzer und Unternehmer nur unterdurchschnittlich belastet werden. Wenn sich daran etwas ändern soll, muss die Belastung der Arbeitnehmer durch Sozialabgaben reduziert werden", schreibt Bofinger und warnt: "Völlig falsch wäre es, die Einkommensteuer zu senken."

Der Ökonom tritt im stern zudem für ein "staatliches Zukunftsprogramm" ein. Sein Vorschlag: Deutschland solle in den kommenden fünf Jahren jährlich 35 Milliarden Euro in Bildung, Infrastruktur, Forschung und Entwicklung sowie Umweltschutz stecken. Dies, so Bofinger, wäre auch ein Beitrag für "mehr Chancengleichheit und damit eine breitere Akzeptanz der Marktwirtschaft".


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