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Hauptversammlung: "Heißer Tag" für Karstadt

Turbulenter Tag für den Konzern: Heute entscheidet die Hauptversammlung über den weiteren Sanierungsweg der Warenhäuser und des Versandhandels.

Ver.di-Vorstandsmitglied Franziska Wiethold hat die Leitung des angeschlagenen Karstadt-Konzerns aufgefordert, endlich mit der notwendigen Neuausrichtung zu beginnen. Wiethold, die auch im Aufsichtsrat des Konzerns ist, wandte sich am Sonntag in einem AP-Interview gegen Vorwürfe, die Arbeitnehmervertreter hätten nicht frühzeitig auf Fehlentwicklungen bei KarstadtQuelle aufmerksam gemacht. Heute entscheidet die Hauptversammlung über den weiteren Sanierungsweg der Warenhäuser und des Versandhandels.

Wiethold verwies darauf, dass die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat nicht die Mehrheit haben und sich deshalb oft nicht hätten durchsetzen können. "Wir haben unsere Verantwortung immer sehr ernst genommen und früh auf Dinge hingewiesen, die aus unserer Sicht nicht richtig gelaufen sind", sagte sie. Beispielsweise habe sie kritisiert, dass nur mit kurzfristigen Kostensparprogrammen reagiert worden sei und der Konzern sein Heil in Investitionen in neuen Geschäftsfelder gesucht habe. "Er hätte stärker am Kerngeschäft arbeiten müssen", sagte die ver.di-Vertreterin.

"Fehlentwicklungen rechtzeitig korrigieren"

Aus den Erfahrungen der Karstadt-Krise soll nach Auffassung von Wiethold darüber nachgedacht werden, "ob eine echte Parität, also Stimmengleichheit für Arbeitnehmer- und Eignervertreter, helfen könnte, Fehlentwicklungen rechtzeitig zu korrigieren". Im Übrigen habe gerade das Beispiel KarstadtQuelle gezeigt, dass die Arbeitnehmerseite bereit sei, in schwierigen Zeiten in die Verantwortung zu gehen und gemeinsam mit der Unternehmensleitung tragfähige Lösungen zu entwickeln. "So etwas geht immer nur mit, nicht ohne oder gar gegen die Beschäftigten."

Wiethold wandte sich entschieden gegen Positionen der Arbeitnehmerseite, die Mitbestimmung in Deutschland sei im internationalen Wettbewerb ein Standortnachteil. In Betrieben, in denen die Arbeitnehmerinteressen von gewählten Betriebsräten vertreten würden, herrsche meist ein produktives Miteinander, sagte sie. "Im Übrigen haben die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den letzten Jahrzehnten wesentlich dazu beigetragen, dass sich die deutsche Wirtschaft so ausgezeichnet entwickelt hat: durch ihre Arbeit, aber auch durch ihre Bereitschaft, im Rahmen der Mitbestimmung Verantwortung zu übernehmen", betonte Wiethold.

AP / AP