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KarstadtQuelle: Rettung in letzter Minute

Die Zitterpartie bei KarstadtQuelle ist beendet: Management und Arbeitnehmerseite einigten sich nach einem zähen Verhandlungsmarathon auf ein Sparprogramm von 760 Millionen Euro. Im Gegenzug soll es keine betriebsbedingten Kündigungen geben.

Nach einem 29-stündigen Verhandlungsmarathon haben sich Konzernspitze und Arbeitnehmer am Donnerstagnachmittag auf einen Sanierungsplan für Europas größten Warenhaus- und Versandhandelskonzern geeinigt. Insgesamt 5.500 Stellen bei dem Essener Handelsriesen und seinen Versandtöchtern sollen sozialverträglich abgebaut werden. Die Personalkosten sollen durch eine Stundung der kommenden Lohnerhöhungen und starke Einschnitte in die übertariflichen Leistungen um 760 Millionen Euro gesenkt werden.

Im Gegenzug erhalten die 100.000 KarstadtQuelle-Beschäftigen für die kommenden drei Jahre einen weitgehenden Kündigungsschutz. Für 156 der bestehenden 166 Karstadt-Warenhäuser gibt der Konzern eine Standortgarantie.

"Das ist ein Sieben-Meilen-Schritt im Sanierungsprozess", zeigte sich Konzernchef Christoph Achenbach nach der Einigung zufrieden. Nun könnten die Ärmel hochgekrempelt werden, um den angeschlagenen Konzern wieder auf gesunde Beine zu stellen. Ver.di-Verhandlungsführerin Franziska Wiethold räumte ein, dass die Arbeitnehmer "sehr schmerzhafte Einschnitte" hätten hinnehmen müssen. Doch sei durch die Einigung 100.000 Beschäftigten und ihren Familien die Angst um den Arbeitsplatz genommen worden.

5500 Karstadt-Mitarbeiter müssen gehen

Tariferhöhungen werden "gestundet"

Kernpunkt der Einigung ist nach Angaben von Wiethold "eine Art Stundung" der kommenden drei Tariferhöhungen. Diese Gelder sollen erst ausgezahlt werden, wenn es dem Konzern wieder besser geht. Die Rückzahlung sei an die Dividendenausschüttung gekoppelt, sagte Wiethold. Außerdem werden übertarifliche Leistungen abgebaut. So müssen die Beschäftigen Kürzungen bei Urlaubs- und Weihnachtsgeld hinnehmen. Doch gebe es keine Arbeitszeitverlängerung und auch nur geringe Einschnitte in tarifliche Leistungen, sagte Frau Wiethold.

Der Karstadt-Konzern hält allerdings an seinen Plänen fest, 77 kleinere Häuser in den nächsten drei Jahren zu verkaufen. Für 10 dieser Häuser lehnte die Konzernspitze eine Standortgarantie ab. Bei einer Schließung sollen den Beschäftigen aber zumutbare Arbeitsplätze im Konzern, ein Outplacement oder eine Stelle in einer Transfergesellschaft angeboten werden. Nur als allerletzte Möglichkeit sei in diesen Fällen eine Kündigung denkbar, hieß es.

Verhandlungen "extrem schwierig"

Wiethold betonte, sie habe "noch nie so schwierige Verhandlungen erlebt". Auch Achenbach bezeichnete die Verhandlungen als "extrem schwierig". Gesamtbetriebsratsvorsitzender Wolfgang Pokriefke betonte: "In der Lage, in der die Firma war, war das das optimale Ergebnis. Ich denke wir sind auf gutem Kurs. Wir werden die Arbeitsplätze erhalten."

Konzernspitze und Arbeitnehmervertreter hatten seit Mittwochmorgen insgesamt gut 29 Stunden lang praktisch ohne Unterbrechung über den Sanierungsplan verhandelt. Die Konzernspitze hatte ultimativ eine Einigung bis zum Donnerstagmittag gefordert. Zeitweise schien auch ein Scheitern der Gespräche nicht ausgeschlossen.

Als nächster Sanierungsschritt muss nun eine außerordentliche Hauptversammlung Ende November eine Kapitalerhöhung um 500 Millionen Euro beschließen. Die Einladung zu dem Gesellschaftertreffen erfolgte direkt nach der Einigung. Dies gilt als Voraussetzung dafür, dass die Banken die milliardenschweren Kreditlinien des Handelsriesen verlängern.

AP / DPA / Reuters / AP / DPA / Reuters