Ärztestreik D-Day rückt näher


Nach stundenlanger Verzögerung sind die Verhandlungen im Tarifkonflikt der Ärzte an Universitätskliniken nun doch fortgesetzt worden. Unterdessen traten am Dienstag erneut rund 12.000 Mediziner in den Ausstand.

Im monatelangen Tarifkonflikt der Ärzte an Universitätskliniken soll jetzt ein Spitzengespräch noch in dieser Woche den Durchbruch bringen. Der Vorsitzende der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), Hartmut Möllring, dämpfte überraschend die Erwartung auf eine Einigung bei den Verhandlungen am Dienstagabend in Köln und schlug ein Treffen mit dem Chef des Marburger Bundes (MB), Frank Ulrich Montgomery, vor. "Jetzt müssen wir uns mal vernünftig zusammen setzen, damit wir eine Einigung auch in dieser Woche noch hinbekommen", sagte der niedersächsische CDU-Finanzminister in Hannover. Bei den Gesprächen der Unterhändler in Köln werde es deshalb noch keine Lösung geben, ergänzte eine Sprecherin.

Zuvor hatte es Spekulationen gegeben, ob es bei dem Treffen, das nach stundenlanger Verzögerung begann, am Dienstagabend doch noch eine Einigung geben könnte. Der Sprecher der Ärztegewerkschaft, Athanasios Drougias, sagte der dpa: "Es wird ernsthaft verhandelt." Weiter erklärte er: "Herr Möllring scheint zurückgerufen worden zu sein". Es gebe einen guten Willen, für beide Seiten ein zufrieden stellendes Ergebnis zu erreichen. Möllring hatte jedoch zuvor erklärt, die Forderungen der Ärzte seien nicht zu finanzieren. Deshalb müsse es erneut ein Spitzentreffen geben.

Vorgehen der Arbeitgeber eine "Posse"

Unterdessen streikten am Dienstag nach weiteren Angaben des Marburger Bundes erneut bundesweit rund 12.000 Ärzte. Allein bei einer Kundgebung in Würzburg gingen nach Angaben der Ärztegewerkschaft 6.000 Mediziner von Universitätskliniken und psychiatrischen Landeskrankenhäusern aus ganz Deutschland auf die Straße.

Montgomery zeigte sich enttäuscht über den Ablauf der Gespräche. "Man ist mittlerweile auf alles gefasst bei dem Stil der Tarifverhandlungen", sagte er der dpa. Das Vorgehen der Arbeitgeber bezeichnete er als eine "Posse" und die Verhandlungen als "unprofessionell". Zugleich kündigte er an, dass die Streiks der Ärzte weiter gehen werden.

Appell an die Ärzte

Am vergangenen Wochenende hatten sich die Tarifpartner nach fast acht Wochen andauernden Streiks in einem Verhandlungsmarathon wesentlich angenähert, aber noch keinen Durchbruch erzielt. In den Tarifverhandlungen geht es um die Gehälter von 22.000 Ärzten. Ursprüngliche hatte der Marburger Bund 30 Prozent mehr Gehalt sowie bessere Arbeitsbedingungen für die Ärzte an Unikliniken und psychiatrischen Krankenhäusern gefordert. Die öffentlichen Arbeitgeber appellierten an die Ärzte, an ihre Verantwortung für die Patienten zu denken. Es sei ein positives Signal, dass gemeinsam Kompromissmöglichkeiten gefunden und skizziert wurden.

DPA/AP


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