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Arbeitslosenzahl: "Eine kleine Sensation"

Im Juli nimmt die Zahl der Erwerbslosen in Deutschland üblicherweise zu, doch in diesem Sommer ist sie gesunken. Bei den Arbeitsämtern sind etwa 12.000 Arbeitslose weniger gemeldet.

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Juli überraschend um 12.000 auf 4.386.000 gesunken. Das waren 451.000 weniger als vor einem Jahr, berichtete die Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg. Die Arbeitslosenquote blieb unverändert bei 10,5 Prozent. Vor einem Jahr hatte sie bei 11,5 Prozent gelegen.

"Die aktuellen Arbeitsmarktdaten bestätigen, dass die konjunkturelle Erholung den Arbeitsmarkt wohl erreicht hat", erklärte BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise. In der Vergangenheit war die registrierte Arbeitslosigkeit im Urlaubsmonat Juli immer gestiegen, weil sich in dem Monat vor allem viele Jugendliche nach Abschluss der Schule oder einer Lehre arbeitslos meldeten. In der Urlaubszeit werden Neueinstellungen zudem häufig bis nach den Ferien verschoben. Beigetragen zur überraschend positiven Entwicklung hätten auch eine intensivere Betreuung von Arbeitslosen und der Einsatz von mehr gemeinnützigen Ein-Euro-Jobs.

Auch unter Herausrechnung der jahreszeitlichen Schwankungen ging die Arbeitslosigkeit unerwartet deutlich zurück. Saisonbereinigt sank die Arbeitslosigkeit um 84.000 auf 4,44 Millionen Erwerbslose bei einer Quote von 10,6 Prozent.

"Die Frage ist, was dahinter steckt"

Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Banken-Volkswirte sprachen in ersten Reaktionen von äußerst guten Zahlen. "Man sollte mit dem Wort vorsichtig sein, aber das ist schon eine kleine Sensation", sagte Andreas Rees von der Hypovereinsbank. Seit der Wiedervereinigung habe es noch nie einen Rückgang der unbereinigten Arbeitslosigkeit im Juli gegeben. Selbst in der alten Bundesrepublik seien die Arbeitslosenzahlen seit mindestens 1970 im Juli noch nie gesunken.

Ralph Solveen von der Commerzbank sprach von einer positiven Überraschung. "Die Frage ist, was dahinter steckt, das heißt, ob es tatsächlich ein Beschäftigungsaufbau ist oder lediglich statistische Gründe hat", gab der Volkswirt zu bedenken. Entscheidend sei die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Jürgen Michels von der Citigroup sagte, er sei insgesamt noch vorsichtig, was die Aussichten angehe und ob es bei den positiven Zahlen bleibe: "Wenn es dabei bleibt, dürften sich die Perspektiven für den privaten Konsum bessern und die Wirtschaft würde kräftiger ins Jahr 2007 starten."

Reuters/DPA / DPA / Reuters