Arbeitsunfall Kein Versicherungsschutz bei Alkoholkonsum


Ist Alkohol im Spiel, ist für die Anerkennung eines Berufsunfalls entscheidend, ob ein Vollrausch oder nur alkoholbedingter Leistungsabfall vorlag.

Die Arbeitskraft ist das Kapital des Arbeitnehmers. Verliert er sie zeitweise oder langfristig durch einen Unfall oder eine berufsbedingte Krankheit, gefährdet das seine wirtschaftliche Existenz. Was sogar seinen sozialen Abstieg bedeuten kann.

Aus diesem Grunde gibt es für Unfälle bei der Arbeit oder auf dem Arbeitsweg ebenso wie für berufsbedingte Krankheiten eine gesetzliche Unfallversicherung. Alle unselbstständig Beschäftigten und Azubis in Betrieben haben automatisch Versicherungsschutz. Ihr Träger sind die Berufsgenossenschaften, deren Beiträge allein der Arbeitgeber trägt.

Von einem Arbeitsunfall spricht man, wenn ein Versicherter während seiner versicherten Tätigkeit einen Unfall erleidet, der zu einem Gesundheitsschaden oder gar zum Tod führt. Hier tritt die gesetzliche Unfallversicherung in Kraft, die im Zweifel ein Gutachten fordern kann. Alle potenziellen Berufskrankheiten stehen dagegen in der Liste der Berufskrankheitenverordnung. Für ihre Anerkennung muss ein Zusammenhang zwischen der Krankheit und Tätigkeit, die Ursache der Erkrankung ist, stehen.

Hoher Alkoholkonsum lässt Versicherungsschutz entfallen

Auch für die Anerkennung eines Arbeitsunfalls muss es einen Zusammenhang zwischen der Tätigkeit und dem Unfall geben. Dabei ist es unwichtig, ob der Arbeitnehmer unachtsam war. Unfälle beim Betriebssport und auf Betriebsversammlungen werden meist von der Versicherung gedeckt, ebenso wie auf Betriebswegen, Dienst- und Geschäftsreisen und bei beruflichen Fortbildungen.

War jedoch Alkohol im Spiel ist für die Anerkennung eines Berufsunfalls entscheidend, ob ein Vollrausch oder nur alkoholbedingter Leistungsabfall vorlag. Nicht versichert sind Unfälle während des Essens in der Kantine oder Unglücksfälle, wie der Stich einer Wespe. Kurios ist, dass Raufereien auf dem Betriebsgelände als Arbeitsunfall gelten, wenn ihre Ursache im Zusammenhang zur betrieblichen Tätigkeit steht.

Meldefrist beachten

Als Wegeunfälle werden Unfälle bezeichnet, die sich auf dem Weg von und zur Arbeit ereignen. Wichtig ist hierbei ihr zeitlicher und räumlicher Bezug. Nicht entscheidend ist die kürzeste Wegstrecke. Auch Unfälle an anderen Orten statt des Wohnortes sind versichert, wenn der Aufenthalt dort zwei Stunden währte und der Weg im angemessenen Verhältnis zum normalen Arbeitsweg stand. Auch Familienheimfahrten sind meist versichert. Bei Alkohol am Steuer geht der Versicherungsschutz jedoch verloren, wenn die hervorgerufene Fahruntüchtigkeit die wesentliche Unfallursache war.

Der Arbeitgeber muss einen Unfall mit nachfolgender Arbeitsunfähigkeit von mehr als drei Tagen oder gar tödlichem Ausgang spätestens nach drei Tagen bei der Berufsgenossenschaft anzeigen. Der Arbeitnehmer kann von ihr nach Anerkennung des Schadens sowohl Sach- als auch Geldleistungen erhalten. Zu den Sachleistungen zählen Heilbehandlung, berufsfördernde Leistungen zur Rehabilitation, Leistungen zur sozialen Rehabilitation wie Wohnungshilfen sowie Leistungen bei Pflegebedürftigkeit. Geldleistungen umfassen ein Verletzten- und Übergangsgeld sowie eine Verletztenrente. Im Todesfall werden Sterbegeld und Überführungskosten, Beihilfen und Hinterbliebenenrenten gewährt.

Ulf Weigelt ist Fachanwalt für Arbeitsrecht in der Kanzlei Weigelt & Ziegler in Berlin-Prenzlauer Berg.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker