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Homeoffice: Arbeiten, Kinder bespaßen und Corona erklären? 6 Fragen an die Erzieherin

Die Corona-Pandemie bringt Familien in eine neue Situation: Wie bringe ich Homeoffice und Kinder unter einen Hut? Eine Erzieherin gibt Rat – und verrät, wieso Kindern das Coronavirus nicht verheimlicht werden sollte.

Mareike Dudwiesus

Corona aktuell: Arbeiten aus dem Homeoffice

Kinder und Homeoffice zu vereinen, kann eine Herausforderung sein

Picture Alliance

Dieser Beitrag wurde zuerst auf brigitte.de veröffentlicht.

Die Coronavirus-Pandemie stellt unsere Gesellschaft vor eine Herausforderung. Die Politik ruft zu sozialer Isolation auf, alle Weichen werden gestellt, um die Ausbreitung des Virus soweit wie möglich zu verlangsamen. Dazu zählt auch, dass seit Anfang der Woche sämtliche Schulen und Kindertagesstätten geschlossen sind.

Das wiederum bringt eine ganz neue Situation für viele Eltern mit sich. Wie bekomme ich Homeoffice und Familie unter einen Hut? Und wie erkläre ich meinen Kindern die Corona-Pandemie? Mit diesen Fragen beschäftigt sich auch Luisa. Sie ist Erzieherin und arbeitet gerade in der Notfallbetreuung einer Kindertagesstätte. Mit BRIGITTE.de spricht sie darüber, wie Kinder in dieser Ausnahmesituation beschäftigt werden können – und wieso sie oft unterschätzt werden.

Corona-Herausforderung mit Kindern: 6 Fragen an die Erzieherin

Was würdest du empfehlen, wenn man jetzt mit Kind zu Hause sitzt – und eigentlich arbeiten muss?

"Was glaube ich, am wichtigsten ist, weil es ein Ruheanker für Kinder darstellt: Struktur und Sicherheit geben. Also dass man eine Art Tagesplan erschafft, zum Beispiel mit kleinen Bildchen: Als erstes frühstücken wir, dann kannst du malen, dann sind zwei Stunden Spielzeit, dann haben wir Mittagspause und noch einen Block. Damit die Kinder wissen, was als Nächstes passiert. So ein Tag ist für uns nicht besonders lang, für das Kind aber ewig. Da hilft es schon, dass sie wissen, was generell ansteht."

Und wenn man aktuell nicht richtig planen kann?

"Das ist ja kein Drama, es kann sich ja während des Tages etwas verändern. Aber es sollte transparent sein. Solange man mit dem Kind spricht, damit es sich nicht abgestellt fühlt und sich der Tag dadurch so in die Länge zieht."

Wie können die Strukturpunkte aussehen? Wie kann ich meine Kinder beschäftigen?

"Man kann Kinder je nach Alter in den Haushalt einbeziehen. Auch wenn das Ergebnis nicht perfekt wird. Wenn man sagt, 'guck mal, wenn du mir helfen möchtest, dann … fege zum Beispiel.' Oder man sagt nach dem Frühstück, man muss arbeiten, man lässt den Tisch jetzt so stehen. Dann kann ein siebenjähriges Kind ruhig schon mal abräumen. Das sind alles so kleine Aufgaben, die man überträgt. Genauso wie kleine Challenges oder Lernspiele, sei es das Schnürsenkel binden.

Dann kann man – auch mit den Kindern zusammen – durchaus mal im Internet recherchieren, was gebastelt oder gemalt werden soll. Activity Boards zum Beispiel. Man schnappt sich eine Pappe und Flaschen und baut einfach selber etwas. Fragt Kinder ruhig abends: Worauf habt ihr morgen Lust?"

Darf ich Kinder auch vor dem Fernseher parken?

"Auch da würde ich Kindern klar sagen: Das ist jetzt eine Ausnahme und wird nicht zur Regel. Aber klar. Das Gehirn schrumpft nicht von zwei Wochen fernsehen. Man kann ja gucken, ob man Videotheken mit ein bisschen Bildung zwischendurch findet – zum Beispiel mit Dokus für Kinder. Oder man verbindet Filme mit einer spielerischen Aufgabe und sagt: Am Ende stelle ich dir fünf Fragen. Sodass die Kinder sich nicht nur berieseln lassen. Das verhindert die Langeweile, wenn sie aufpassen müssen und dabei Spaß haben."

Und wenn mein Kind nicht versteht, dass ich arbeiten muss?

"Wenn sie fragen, was man macht, sollte man nicht sagen: 'Das ist egal, das ist nichts für dich‘. Ich würde überhaupt die ganze Situation erklären: Warum man jetzt zu Hause arbeiten muss, dass man nicht einfach frei hat, wieso die Kita oder Schule zu hat. Damit beunruhigt man Kinder nicht, sondern beruhigt sie eher, weil man ganz offen und ehrlich ist, und es erklärt: Es ist gerade alles anders. Sicherheit gibt dann wieder die Tagesstruktur. Ich habe eine Aufgabe und du auch."

Darf ich mit Kindern also durchaus über das Corona-Virus sprechen? Oder mache ich ihnen Angst?

"Kommunikation ist wichtig. Man kann erklären, dass das alles gerade eine Maßnahme ist – wir müssten Angst haben, wenn wir jetzt so weitermachen würden wie bisher. Aber wir machen ja etwas. Das ist wichtig.

Und anstecken ist generell schlecht – man sollte sich also immer gut die Hände waschen. Ich finde das eigentlich eine gute Chance, wenn Gesundheit und Hygiene gerade ein großes Thema sind, dass Kinder das mit auf den Weg nehmen: Hände waschen ist eben wichtig.

Also wenn man selbst nicht in Panik verfällt, tun es die Kinder auch nicht. Ich glaube eher, wenn man ihnen alles verheimlicht, sie aber merken, irgendwas ist anders. Dann kriegen sie Angst."

Vielen Dank für das Gespräch!

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