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DGB-Chef: Sommer attackiert ostdeutsche Arbeitgeber

Der Brutalkapitalismus ist auf dem Vormarsch - sagt zumindest der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Michael Sommer. Insbesondere viele ostdeutsche Arbeitgeber gehen seiner Ansicht nach radikal gegen jede gewerkschaftliche Betätigung vor. Sommer spricht gar von "einer Krise der Gewerkschafts-Bewegung".

Der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, hat ostdeutsche Arbeitgeber scharf angegriffen. Viele bekämpften gewerkschaftliche Betätigung massiv und agierten dabei ausgesprochen radikal, sagte Sommer der in Chemnitz erscheinenden "Freien Presse". "Man könnte oft meinen, dass sie den Standpunkt vertreten, nach dem Realsozialismus sei jetzt der Brutalkapitalismus an der Reihe und nicht die soziale Marktwirtschaft."

"Es gibt ein Sorgenkind: Ostdeutschland"

Als Folge sieht Sommer eine Krise seiner Organisation insbesondere in den neuen Ländern. Es gebe Schwierigkeiten, die Attraktivität der Gewerkschaften zu sichern, erklärte er. Dies gelte vor allem für Regionen mit starker demografischer Veränderung und hoher Arbeitslosigkeit. "Und es gibt ein Sorgenkind: Ostdeutschland", fügte er hinzu.

Der DGB-Chef sagte, er mache sich große Sorgen um die dortige Organisationsentwicklung. "Dort haben wir auch eine Krise der Gewerkschaftsbewegung." Die Annahme, Menschen würden sich in schwierigen Situationen Gewerkschaften zuwenden, stimme nicht. Vielmehr wendeten sich nicht wenige von demokratischen Organisationen ab und Rattenfängern zu.

Angesichts der schwachen Gewerkschaftsbindung im Osten und des ebenfalls niedrigen Organisationsgrades von Unternehmen in Arbeitgeberverbänden versage die Tarifautonomie zunehmend. Von diesem Problem sei der gesamte dienstleistungsorientierte Sektor in Deutschland betroffen. Dadurch komme es "verstärkt zu prekären Arbeitsverhältnissen und damit zu Armutslöhnen".

Der DGB-Vorsitzende bekräftigte die Forderung nach einem Mindestlohn von 7,50 Euro. Dies sei nicht verhandelbar. "Das ist die absolut untere Grenze", sagte Sommer. Flächendeckende Mindestlöhne erwartet er spätestens 2011, wenn die volle Freizügigkeit der Arbeitnehmer aus Osteuropa kommt. Bundeskanzlerin Angela Merkel warf er vor, der Zahlung von geringen Löhnen Vorschub zu leisten, "weil wir faktisch einen Kombilohn haben". Dies sei für ihn ein "Merkel-Lohn", weil sie sich weigere, über den Mindestlohn nachzudenken und stattdessen einen Kombilohn aus Armutslöhnen plus Sozialhilfe propagiere.

AP / AP
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