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Ebay rückwärts: Der Günstigste gewinnt

Ist die Auftragslage dünn, kommen gerade kleine Unternehmen schnell in die Bredouille. Bei Undertool haben Firmen die Chance, Aufträge zu ersteigern.

Der Auftrag ist anscheinend ein Knüller: Auf einem Grünstreifen neben einer Werkhalle am Niederrhein müssen rund 85 Bäume entfernt werden, anschließend soll die Fläche planiert werden. 7700 Euro hätte der Auftraggeber dafür gezahlt. Doch weil gleich sieben verschiedene Landschaftsgärtner den Job wollten, hat er Glück: Nur noch 3130 Euro forderte der Bieter "Ihr Gärtner". Das Ganze funktioniert ähnlich wie Ebay, nur umgekehrt: Wer beim Internet-Auktionshaus Undertool den niedrigsten Preis für seine Arbeit verlangt, bekommt den Auftrag.

Für Kunden tun sich da wahre Wunderwelten auf. Wer seine Wohnung tapezieren lassen will, ist bei der Suche nach einem Handwerker normalerweise auf die "Gelben Seiten" oder auf Empfehlungen von Bekannten angewiesen. Vor bösen Überraschungen in der Rechnung schützt das nicht. Wieviel praktischer erscheint es da, sich nach der Beschreibung seines Auftrags - von "Terrassentür einbauen" über "Erstellung eines Firmenlogos" bis "DJ mit Musikanlage gesucht" - und der Festlegung eines Höchstpreises in Ruhe zurückzulehnen und zuzusehen, wie sich Dienstleister und Handwerker gegenseitig unterbieten.

Die Unternehmen sehen das Angebot durchaus zwiespältig

Undertool ist längst nicht mehr das einzige Handwerks- und Dienstleistungs-Auktionshaus; rund 20 mehr oder weniger erfolgreiche Nachahmer tummeln sich mittlerweile im Netz. Undertool-Chef Thomas Grochowalski hatte nach eigenen Angaben im Herbst 2003 die Idee zu den Rückwärts-Auktionen mit dem simplen Prinzip: "Einer sagt, was er maximal gibt, der andere, was er minimal verdienen will." Auf diese Weise konnte Undertool seit Anfang April 5500 Aufträge vermitteln.

Die Dienstleister sehen die Internet-Auktionen durchaus zwiespältig. So wie der Krefelder Kleinunternehmer Stefan Bienefeld, der unter anderem Hausmeister- und Transportdienste anbietet. Zwar habe er schon zehn bis 15 Mal Aufträge über Undertool bekommen. Finanziell lohne sich das meist aber nicht: "Das sind schon ungewöhnlich kleine Summen", erklärt Bienefeld. Unter dem Strich bleibe kaum etwas übrig. Trotzdem schaut er immer wieder bei den Auktionen rein, und sei es nur, um an gute Bewertungen, Folgeaufträge oder Kontakte zu bekommen. "Da hat sich im Nachhinein oft etwas ergeben", erzählt er.

Schwarzarbeiter haben kaum eine Chance

Alles andere als begeistert ist man bei den Handwerkskammern: "Besonders für die etablierten Betriebe ist das eine schwierige Situation, weil Aufträge weit unter Preis vergeben werden", meint Rechtsberater Manfred Steinritz von der Düsseldorfer Handwerkskammer. Trotzdem kann er es jungen Unternehmern nicht verdenken, wenn sie so einen Fuß in die Tür bekommen wollen: "Natürlich ist das auch eine Chance." Außerdem müsse jeder selbst wissen, ob er zum Selbstkostenpreis arbeiten wolle.

Zwar haben Undertool und Konkurrenten wie Cityauftrag.de oder Bauauktionen.de längst auch Dienstleistungen aller Art im Angebot, doch die Kategorien "Bauarbeiten", "Garten- und Landschaftsbau" und "Maler und Lackierer" machen meist den größten Batzen aus. Das klingt wie ein gefundenes Fressen für Schwarzarbeiter. Denen machen die Auktionshäuser es aber nicht leicht: "Wir verlangen Gewerbeanmeldung, Handelsregisterauszüge, Unbedenklichkeitsbescheinigung und so weiter", zählt Grochowalski auf. Trotzdem gebe es immer zwei Prozent schwarze Schafe: "Manche versuchen wirklich alles."

Das gilt auch für die Kunden, die oft genug nach dem Motto "je unverschämter, desto besser" verfahren. So wie der Möchtegern-Auftraggeber bei Undertool, der seinen kompletten Balkon renovieren lassen wollte - inklusive reinigen, streichen und Rasenteppich verlegen - und das Ganze für höchstens 80 Euro. "Das macht keiner", ist sich Grochowalski sicher. Und Kleinunternehmer Bienefeld hat offenbar recht, wenn er sagt: "Das sind manchmal Summen, da kann man nur noch mit dem Kopf schütteln."

Lisa Arns/AP

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Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.