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F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Das Tor zum Glück steht immer offen

Die morgendlichen Hundegänge mit seiner französischen Bulldogge gehören zu den absoluten Lieblingsritualen von Frank Behrendt. Monatelang ging er auf seinem frühen Weg an einem verwitterten Gartentor vorbei. Eines Tages ging er durch die Tür und erlebte eine Überraschung.

Gartentor zum "Hexenhäuschen"

Gartentor zum "Hexenhäuschen"

Als mir in einer Seitenstraße das alte Holztor zu einem zugewachsenen Garten zum allerersten Mal auffiel, kamen mir direkt Justus, Peter und Bob von meiner Lieblings-Hörspielserie in den Sinn. Der erste Detektiv aus wäre garantiert hineingegangen und der Titel der Folge hätte wahrscheinlich "Die drei ??? und der verzauberte Garten" gelautet. 

An einem sonnigen klaren Tag packte es mich und weil mein Hund zudem wie verrückt an der Leine zog, drückte ich auf die Klinke. Die Tür war nicht abgeschlossen. Ein kleiner Weg führte durch eine ansonsten dichte Hecke. Dahinter lag eine wilde Wiese vor einem kleinen Fachwerkhaus, "Hexenhäuschen" hätten wir früher dazu gesagt. 

Unter einem blühenden Baum stand eine großgewachsene Frau im viel zu großen Arbeitsanzug. In der Hand eine Harke, neben sich eine zerbeulte Schubkarre. "Kann ich Ihnen helfen?", fragte sie freundlich. Ich erklärte ihr, dass ich in bester Fragezeichen-Tradition einfach nur neugierig war. Sie lachte und streichelte meinen Hund, den sie sofort ins Herz schloss. 

Es stellte sich heraus, dass das Haus einst ihren Großeltern gehört hatte. Seit dem Tod der beiden steht es leer. Saskia, so heißt die Frau, die mich an Kommissarin Vera Lanz aus der ZDF-Serie "Die Chefin" erinnerte, kommt ab und zu vorbei, um den Garten nicht ganz verwildern zu lassen. Sie selbst lebt mit ihrem Mann auf dem Land, dort wo sie ihr Geschäft haben. 

In ihrer Kindheit war Saskia mit ihren beiden Geschwistern immer in den Sommerferien hier. Es waren glückliche Sommer, mit Abenteuern, einem Baumhaus, selbstgemachter Erdbeermarmelade und Zitronentee. An den Abenden grillten sie mit dem Opa Stockbrot an einer gemauerten Feuerstelle. Die ist immer noch da. Das Haus verkaufen? Brachte sie nicht übers Herz. 

Vermieten an Fremde ist ihr auch nicht sympathisch, die gelegentliche Arbeit im Garten ihrer Erinnerungen macht sie einfach zu glücklich. Ihre Tochter ist nach dem Abi für ein Jahr in Australien, der Sohn studiert in Siegen. "Vielleicht will ja mal einer der beiden später hier wohnen und meine Enkel spielen dann hier", sagte sie zu mir und schaute dabei ein wenig verträumt. 

Der Garten ist ein Stück Heimat, Vertrautheit, Erinnerung an Momente einer unbeschwerten Zeit. Eine kleine Oase in einer laut, groß und schnell gewordenen Welt. Gesangs-Poet Herbert Grönemeyer sang in einem seiner leisen Lieder die Zeile: "Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl." Manchmal erlebt man dieses Gefühl allerdings an einem ganz bestimmten Ort besonders intensiv. 

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