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F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Der Trödelmarkt ist die beste Verkaufsschule

In der Wirtschaft geht es ums Verkaufen. Nicht jeder ist allerdings ein Top-Seller und so werden täglich Heerscharen von Vertriebskräften geschult, um den Absatz zu optimieren. Frank Behrendt findet, dass der gute alte Trödelmarkt immer noch das beste Verkaufs-Training ist.

Verkaufsstand der Familie Behrendt

Verkaufsstand der Familie Behrendt

"Auffahrt ab 06.00 Uhr. Aufbau ab 08.00 Uhr. Nach 09.00 Uhr keine Auffahrt mehr möglich". Das Briefing vom Trödelmarkt-Veranstalter war eindeutig. Das gemütliche späte Sonntagsfrühstück entfiel. Stattdessen standen wir auf dem Parkplatz des Metro-Marktes in Köln-Godorf und packten Kisten und Säcke aus. 

In regelmäßigen Abständen räumen wir den Keller auf, flöhen die Kleiderschränke. Unsere Kinder haben früh gelernt, dass es nur dann neues Spielzeug gibt, wenn man sich auch mal von altem trennt. Das Geld, das sie mit dem Verkauf ihrer Sachen erlösen, dürfen sie behalten und es tröstet sie locker über die Abgabe und das frühe Aufstehen hinweg. 

Für mich sind Tage auf dem Flohmarkt sowieso Feiertage. Ich liebe es, Waren mit Witz und Charme anzupreisen, zu handeln und Deals zu machen. Schon als Junge saß ich auf einer Decke in unserem Wohngebiet und verhökerte doppelte Schlümpfe und seltene Fußball-Sammelkarten. Heute buche ich online fünf Meter Standfläche und zahle gerne noch einen Sonderzuschlag pro Meter, um in der besonders stark frequentierten Zone zu stehen. 

Eine gute Investition: Die 85 Euro Standgebühr hatte ich bereits nach 20 Minuten während des Aufbauens wieder eingespielt. Der frühe Renner waren die vielen zu klein gewordenen Fußballschuhe meines Juniors, meine alten Hemden, Kinderklamotten. Und auch wenn die Welt heute digitaler tickt, konnten wir jede Menge CDs, DVDs und sogar uralte Hörspielkassetten unters Volk bringen. 

Im Vorfeld halten wir als Familie Flohmarkt-Kriegsrat: Wir nehmen uns ein Sales-Ziel vor, machen ein grobes Pricing für alle Teile. Auch die Kinder werden geschult, schlagen vorher immer 25 Prozent auf den Wunschpreis drauf, um Spielraum fürs Handeln zu haben. Mathematik fürs Leben. 

Eine meiner absoluten Lieblingssendungen im Fernsehen läuft bei RTL2: "Der Trödeltrupp - das Geld liegt im Keller." Da zeigen die Verkaufs-Profis Mauro, Otto und Sükrü regelmäßig verdutzten Zeitgenossen, wie man den angesammelten Krempel aus Kellern, Garagen und Dachböden versilbern kann. Von den cleveren Jungs habe ich mir inzwischen manchen Trick abgeschaut. 

Mein Monopoly-affiner Junior verwaltet traditionell die Kasse und gibt uns präzise wie ein Computer ständig ein Update des erzielten Umsatzes. Meine Jüngste hatte die Idee, diesmal auch mein Buch "Liebe dein Leben und nicht deinen Job" auf den Tisch zu stellen. Nicht zum Verkaufen, sondern als Eyecatcher und Gesprächseinstieg. 

Wahrscheinlich haben wir deshalb einen neuen Verkaufsrekord aufgestellt. Für Holly war das überhaupt keine Überraschung. "Papa, man muss erst eine gute Geschichte erzählen, bevor man über den Preis redet, dann bekommt man mehr." Stimmt :) 

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