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F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Höchste Zeit für ein Comeback der Höflichkeit!

Früher war gutes Benehmen eine Grundtugend. Die Eltern gaben es an ihre Sprösslinge weiter, den guten alten Knigge hatte fast jeder im Kopf abgespeichert. Viele Dinge, die heute oft außergewöhnlich erscheinen, gehörten sich einst einfach. Frank Behrendt berichtet von zwei Menschen, die an die Rückkehr der Höflichkeit appellieren.

Sitzplatz anbieten

Älteren Menschen seinen Sitzplatz in Bus oder Bahn anzubieten, ist nicht zuviel verlangt

Die S1 vom Flughafen Fuhlsbüttel zum Hamburger Hauptbahnhof war pickepacke voll. Ich stand, aber für mich braucht (noch) keiner aufstehen. Als die Bahn an der Haltestelle Wandsbeker Chaussee hielt, stieg am anderen Ende des Waggons ein alter Mann ein. Er konnte kaum laufen, hatte eine Krücke und es tat auch aus der Ferne weh, ihm bei der Fortbewegung zuzusehen.

Er sah sich nach einem freien Platz um, aber es gab keinen mehr. Kurz bevor die Bahn anfuhr, schrie plötzlich ein junges Mädchen, das zuvor lässig an der Wand lehnte, mit durchdringender Stimme: "Verdammte Scheiße, steht vielleicht mal einer auf für den Mann?" Erschreckt sprangen ein paar Jungs auf, einem fiel das Smartphone aus der Hand, auf das er zuvor wie wild eingetippt hatte.

Der alte Mann setze sich dankbar. Betretenes Schweigen rundherum. An der Haltestelle Hasselbrook stieg die junge Dame mit den feuerrot gefärbten Haaren aus. Aber auch bei ihrem Abgang erhob sie nochmal die Stimme in Richtung der Youngster: "Höflichkeit kostet übrigens nichts, ihr werdet auch mal alt". Starker Auftritt, der sicher nicht nur mir im Kopf bleibt. 

Höflichkeit zahlt sich aus

Dass Höflichkeit sich im wahrsten Sinne des Wortes auszahlt, beweist der Karlsruher Eisverkäufer Pino Cimino. Er malte ein Schild mit einer sehr außergewöhnlichen Preisstaffel: Wer seine Order mit dem Wort "Bitte" beginnt, zahlt mindestens 50 Cent weniger für die Kugel Eis. Und die Kunden lernten schnell: Stürmten zuvor viele an die Theke und bestellten grußlos mit einem "Ich will...", sprechen sie jetzt ganz brav das Zauberwort aus.

Als mein kleiner Sohn einer alten Dame kürzlich die Tür aufhielt, freute sie sich und lobte begeistert: "Du bist aber gut erzogen." Mein Junior grinste und meinte trocken: "Macht mein Papa auch immer." 

Knigge bei Tisch
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.