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F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Mutter der Kompanie - ein Job mit Zukunft

Es wird überall Personal gesucht. Jung soll es sein, belastbar, schnell im Kopf, flexibel und natürlich möglichst online-affin. Nach Jahrzehntelanger Lebenserfahrung wird eher selten gesucht. Frank Behrendt traf jetzt eine Frau, die einen Job bekam, bei dem sie nichts tut - außer da zu sein. Für andere. 

Eine ältere Kollegin, deren Job es ist, dass sich alle wohl fühlen - darüber würden sich sicher viele freuen (Symbolbild)

Eine ältere Kollegin, deren Job es ist, dass sich alle wohl fühlen - darüber würden sich sicher viele freuen (Symbolbild)

Meine abendliche Lesung in der schönen Traditionsbuchhandlung in Münster war vorbei, als eine ältere Dame auf mich zukam. Sie wollte mir eine Geschichte erzählen. Ich hatte zuvor auch von meinem Lieblingsfilm gesprochen: "Man lernt nie aus", mit Robert de Niro als liebenswertem Senior-Praktikanten "Ben", der die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines Fashion-Start-Ups verzauberte.

Er rettete die Ehe der Chefin und leistete in der Company einen wertvollen Beitrag, obwohl er anfangs nicht mal eine E-Mail schreiben konnte. Aber er hatte Empathie, nichts mehr zu verlieren und unglaublich viel Erfahrung. Die setzte er ein und gewann - nicht nur die Herzen seiner Kollegen. Die nette ältere Dame hatte den Film auch gesehen und ein paar Tage später voller Begeisterung eine Anzeige aufgegeben.

"Kümmer-Kathi" ist die Beste

Auf Mini-Job Basis wollte sie in einem Unternehmen als "Mutter der Kompanie" anheuern - genau so hatte sie es reingeschrieben. Ein junger Unternehmer hatte sie eingeladen und schließlich eingestellt. Seitdem ist sie in dem Logistik-Unternehmen tätig, kümmert sich um alles mögliche, vor allem aber um die Mitarbeiter. Sie hat immer ein Ohr, tröstet, hilft aus der Klemme. Die ganze Firma liebt sie, betrachtet sie als eine Art "Maskottchen". Die Azubis nennen sie liebevoll "Kümmer-Kathi". Sie strahlt, als sie mir das erzählt und ich bin sicher, dieses Modell hat Zukunftspotenzial.

Technik allein ist keine Lösung, um die Arbeitswelt von morgen zu gestalten. Sie macht sie schneller und fehlerfreier, aber nicht menschlicher. Und solange Menschen arbeiten, braucht man welche mit Herz, die dafür sorgen, dass eine Sozialgemeinschaft in der Firma möglichst gut funktioniert. Denn glückliche Mitarbeiter arbeiten lieber und besser. Davon ist Kathi überzeugt und ihr Chef auch. Der Drehbuchautor von "Man lernt nie" aus hätte aus meiner Sicht einen Oscar in einer ganz neuen Kategorie verdient: Für die beste Inspiration.

MarmeladenOma in ihrem "Studio"
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