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F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Nicht groß vornehmen, sondern klein umsetzen

In diesen Tagen werden traditionell zahlreiche Vorsätze gefasst und verkündet. Frank Behrendt hört da nicht mehr hin. Ihn beeindrucken vielmehr Leute, die nicht groß rumquatschen, sondern einfach ohne großes Getöse etwas konsequent umsetzen.

An Silvester werden viele gute Vorsätze gefasst, aber bei der Umsetzung hapert es manchmal

An Silvester werden viele gute Vorsätze gefasst, aber bei der Umsetzung hapert es manchmal

"Wie du trinkst keinen Alkohol? Nicht mal ein Gläschen?" Der Clip mit dem fassungslosen Gesicht eines Kollegen auf unserer Weihnachtsfeier wäre direkt ein Viral-Hit im Netz gewesen, hätte ich ihn verbreitet. Ich prostete ihm mit einem Spezi fröhlich zu und nickte.

Vor ein paar Jahren habe ich einfach damit aufgehört, Alkohol zu konsumieren. Es gab keinen richtigen Grund, ich merkte nur mit zunehmendem Alter, dass ich nach einem längeren Abend mit alkoholischen Getränken am folgenden Morgen schwerer aus dem Bett kam als in jungen Jahren. Und da die und unser Hund auf einen schweren Kopf sowieso keine Rücksicht nehmen, habe ich damit angefangen, nur noch alkoholfreies Bier zu trinken. Ich stellte fest, es schmeckt mir wirklich nicht schlechter.

Dann entdeckte ich vorzügliche anti-alkoholische Cocktails und schließlich sogar wohlschmeckende entalkoholisierte Weine. Der Sohn der legendären spanischen Rebensaft-Dynastie Torres forschte viele Jahre und seit 2008 hat er eine Lösung gefunden, die seinen hohen Qualitätsansprüchen genügt: Nach dem Gärprozess wird nur der Alkohol extrahiert, wodurch der Wein sein Aroma und seinen Geschmack behält. Der "Torres Natureo" mit 0,0 Prozent Alkohol schmeckt mir gut gekühlt aus einem feinen Riedel-Glas nicht schlechter als normaler Wein. Mein Arzt jubiliert, bekam beim letzten Check-up gar strahlende Augen bei meinen Leberwerten und prognostiziert, ich würde wie der selige Joopie Heesters auf diese Weise in Kombi mit meiner positiven Grundeinstellung und etwas Sport locker über 100 Jahre alt.

Mit dem konsequent durchgezogenen Verzicht bin ich übrigens kein Einzelfall. Mein Freund Holger hat kürzlich das Zigarre-Rauchen aufgegeben, still und leise ohne große Ankündigung. Seine Frau konnte den Geruch nicht mehr ausstehen und er liebt sie deutlich mehr als alle Cohibas. Martin, ein Bekannter, macht jetzt immer am Sonntag das Handy aus um mit einhundert Prozent Aufmerksamkeit bei seiner Familie zu sein. Ich habe ihn mit der Geschichte vom "Handy-Hotel", das sich meine Tochter für die Umsetzung von Digital-Detox für die Adventssonntage bei uns ausgedacht hatte, angesteckt.

Und ein Spezi, den ich hier nicht verraten soll, reserviert sich künftig jeden zweiten Mittwochabend für Unternehmungen mit seiner Frau. Er wird es im neuen Jahr einfach machen und nicht mit großen Ansagen in der Silvesternacht verkünden. Ich bin überzeugt, die Umsetzung wird die unmittelbare Profiteurin des Wandels sehr glücklich machen. So wird 2018 für die beiden definitiv ein Happy New Year.

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