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F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Warum auch Ibo aus Jordanien Deutschland besser macht

Frank Behrendt wuchs im Ausland auf und ist, seit er denken kann, Fan einer bunten Welt. Auf dem Weg zum Kino erlebte er jetzt mit seinen Kindern einen fröhlichen Jordanier, der die allerbeste Werbung für ein Multi-Kulti-Deutschland ist.

Frank Behrendt zu Gast bei Insel Feinkost

Frank Behrendt zu Gast bei Insel Feinkost

Ich liebe es, wenn die Kinder Weihnachtsferien haben. Traditionell arbeite ich in dieser Zeit nicht, erst wenn mein Nachwuchs wieder in die Schule geht, kehre ich auch selbst zurück an den Schreibtisch. In der Zwischenzeit machen wir vorwiegend das, was Kindern besonders viel Spaß bereitet. Zum Beispiel ins Kino gehen. "Burg Schreckenstein 2 – Küssen (nicht) Verboten", stand kürzlich auf dem Programm. Harald Schmidt als abgedrehter Graf und Uwe Ochsenknecht als sein kanariengelber Neffe Kuno – herrlich. 

Vor dem Filmspaß wollten wir noch einen Mittagssnack einnehmen. Holly und Josh steuerten im Gastronomie-Bereich des Hürth-Parks zielstrebig auf "INSEL Feinkost" zu. Ich vermutete Meeresfrüchte. Weit gefehlt: Spezialitäten aus dem Nahen Osten gab es dort. Der Inhaber war unfassbar nett, vor allem zu meinen Kindern. Jeder Wunsch wurde erfüllt, der Chef trug meiner Jüngsten sogar das Tablett an den Tisch.

"Ibo", eigentlich Ibrahim, stammt aus Jordanien. Vor vielen Jahren war er nach Deutschland gekommen. Gerade wurde er Großvater - mit 49. "Da bist du ja jünger als mein Papa und der ist noch kein Opa", entfuhr es meinem Junior.

Noch mehr beeindruckte meinen Sohn, dass Ibo elf Geschwister und stolze 50 Nichten und Neffen hat, die meisten davon leben in Jordanien. Wenn sie sich treffen, brauchen sie ein ganzes Restaurant nur für ihre Großfamilie. Als wir unsere Tabletts zurückbrachten, landete meine Tochter mit dem Ärmel in der großzügigen Extraportion Ketchup, die Ibo ihr zuvor auf den Teller mitgegeben hatte. Der Wirt sah es, kam flugs mit einem feuchten Lappen und beseitigte fachmännisch die tropfende Bescherung. "Jetzt ist deine Jacke sauberer als vorher", scherzte er. Holly lachte.

Als wir später mit Popcorn in unseren Kinosesseln saßen, lief im Werbeblock der Clip "Du bist unersetzlich", mit dem das Bundesfamilienministerium über 30 Millionen Freiwilligen in unserem Land "Danke" sagt. "Du machst Deutschland besser", heißt es darin unter anderem. Neben den lobenswerten ehrenamtlichen Helfern machen das aber auch Menschen wie Ibo in seinem Imbiss in Hürth. "Wir kommen bald wieder", hatte Holly ihm zum Abschied versprochen, "weil du so nett bist". Ibo hatte über das ganze Gesicht gestrahlt und ich freute mich, dass meine Kinder wieder einmal erlebt haben, wie schön unsere bunte Republik Deutschland ist.

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