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Frank Behrendt: der Guru der Gelassenheit: Warum auch kleine Nebenrollen im Film des Lebens (er)leuchten

Im Film-Business stehen vor allem die ganz großen Stars im permanenten Blitzlichtgewitter. Aber es gibt auch diejenigen, die auf keinem roten Teppich der Welt irgendeine Rolle spielen: Die Komparsen und Kleindarsteller. Frank Behrendt liebt es, einer davon zu sein. 


Auch Nebenrollen können glänzen.

Auch Nebenrollen können glänzen.

Zugegeben, ich bin eine Rampensau und stehe gerne auch ganz vorne auf der großen Bühne. Wenn das Scheinwerferlicht angeht, fühle ich mich wohl und das Mikrophon ist mein Freund. Aber ich kann auch anders. Und es macht mir nichts aus, auch mal das kleinste Licht zu sein und nicht die erste Geige zu spielen.

Warum? Weil es erdet und zeigt, dass jeder wichtig ist in seiner Rolle, ganz gleich, wie klein sie auch ausfällt. Und wer ein wirklich Großer ist, der sieht und wertschätzt auch diejenigen, die eher still im Hintergrund ein verlässliches Rädchen im Getriebe sind. So wie zahlreiche Komparsen beim Film. Einen Oscar oder Bambi gewinnen sie nie, aber ohne sie fehlt einem Film etwas sehr wesentliches: Das Normale. 

Winnetou als Augenöffner

Nachdem ich seinerzeit bei der RTL-Neuverfilmung von Karl Mays Winnetou eine kleine Rolle gespielt habe, bin ich begeistert von der Arbeit am Set. Die Akribie, die Professionalität, das Feilen an Details bis zur perfekten Illusion haben mich begeistert. Und auch die großen Könner der Schauspielkunst beeindruckten mich nachhaltig. Gerade diejenigen, denen man gewisse Allüren durchaus zugestanden hätte, waren herrlich nahbar und normal.

Wotan Wilke-Möhring, Jürgen Vogel oder der großartige Mario Adorf sprachen mit uns in den Drehpausen, gaben Tipps und erzählten herrliche Anekdoten. Wie am Lagerfeuer unter Freunden. Als kürzlich die Agentur Eick, die damals auch die Wild-West Komparsen organisierte, geeignetes Personal für die anstehende Kino-Verfilmung von Daniel Glattauers Bestseller "Gut gegen Nordwind" suchte, stand ich wieder begeistert in der langen Schlange. Und zu meiner Freude wurde ich wieder genommen und darf bald mit der wunderbaren Nora Tschirner drehen.

Ein Hoch auf die Nebenrolle

Das Buch haben meine Frau und ich verschlungen und in den Film wären wir auch so gegangen. Nun wird der Kinobesuch besonders aufregend, denn sich selbst auf der Leinwand zu sehen, das hat schon was. Mein Auftritt wird nicht in die Filmgeschichte eingehen und wer nicht genau hinschaut, wird ihn wahrscheinlich gar nicht wahrnehmen.

Und doch wird es für mich ein besonderer Augenblick sein, wenn ich für das stimmige Gesamtbild ein passendes kleines Puzzleteil abgebe. So, wie es ganz viele Menschen jeden Tag im Berufsleben abseits des Scheinwerferlichtes ebenfalls zuverlässig tun. Ihnen gebührt ein donnernder, langanhaltender Applaus von uns allen.