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F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Warum jeder Straßenmusiker ein leuchtender Stern ist

In den Geschäften kann man den Weihnachtsklängen nirgendwo entgehen, Last Christmas läuft im Radio überall. Die Fußgängerzonen werden von Straßenmusikanten beschallt, die sich über alle, die einen Moment verweilen, freuen. Frank Behrendt ist so einer.

Straßenmusiker mit Gitarre (Symbolbild)

Straßenmusiker mit Gitarre (Symbolbild)

Getty Images

Meine Eltern haben uns Kinder früh gelehrt, dass man Respekt vor jedem hat, der etwas leistet. Deshalb blieben wir schon früher immer vor allen Straßenmusikanten stehen, denen wir beim Bummeln durch die Innenstädte begegneten. Und jeder bekam etwas in seinen Hut: "Musikanten wollen erfreuen, machen wir ihnen auch eine Freude, indem wir zuhören", pflegte mein Vater zu sagen. Natürlich warfen wir auch stets ein paar Münzen in die bereitstehenden Hüte oder Körbchen. Vom Applaus allein ist schließlich noch keiner satt geworden.

Nicht schlecht staunten kürzlich Passanten in der Dortmunder Innenstadt, als sich spontan eine Duett-Partnerin neben den Straßenmusiker Jan Grimm stellte. Gemeinsam sangen sie den Hit "Stand by me" von Ben E. King. Die Mitsängerin war nicht irgendwer, sondern Weltstar Anastacia. Sie hatte nicht vergessen, dass sie sich einst selbst mit Nebenjobs über Wasser gehalten hatte.

Legendär ist immer noch das sogenannte "Washington-Post-Experiment". Vor knapp zehn Jahren stellte die US-Zeitung den Star-Violinisten Joshua Bell mit seiner millionenschweren Stradivari inkognito in eine U-Bahn-Station in Washington D.C. Eine Dreiviertelstunde lang spielte er Stücke von Bach, Schubert und Co. Der Gig wurde mit versteckter Kamera aufgezeichnet. Ergebnis: Von 1097 Personen, die in der Zeit an ihm vorbeigingen, sind nur sieben stehengeblieben.

Jede Menge Kinder wollten den zauberhaften Klängen lauschen, aber sie wurden von vorbeihastenden Eltern weggezogen. In seinem Körbchen lagen ein paar lausige Dollar. Am Vorabend hatten Heerscharen von Menschen bei seinem umjubelten Auftritt über 100 Dollar bezahlt - je Eintrittskarte. Dabei sind es genau die Momente des Anhaltens im Alltagsgetriebe, die gut tun. Kinder machen das intuitiv, denn sie spüren nicht die Zeit im Nacken, sondern haben stets Neugierde im Blick. Kein Kleinkünstler, kein Musikant, der nicht ihr Interesse weckt.

Am vergangenen Samstag schlenderte ich mit meinem Nachwuchs durch Köln. In der Nähe des Doms sang ein junger Typ mit Löwenmähne "Driving Home for Christmas"  - wunderschön. Wir legten fünf Euro in den Gitarrenkoffer und er nickte dankbar, während er weiter sang. Meine Jüngste wollte ihm noch einen ihrer kleinen Leuchtsterne schenken, die wir zuvor für ihren eigenen Tannenbaum erstanden hatten. Ich ließ sie gewähren. Der Straßenmusiker strahlte und warf Holly eine Kusshand zu. "Jetzt hat er auch ein bisschen Weihnachten", meinte mein kleiner Engel und ich drückte ihre kleine Hand noch etwas fester. Schöne Weihnachten. Für euch alle.

PS: Frank Behrendt ist gerne online aber er schaltet auch gerne mal komplett ab. Deshalb macht er mit seiner stern-Stimme eine Sendepause. Ab dem 11. Januar 2019 meldet er sich hier zurück. Bis dahin allen Lesern eine gute Zeit.