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Kaiser's-Kassiererin: Das sagen die stern.de-Leser

Das Urteil gegen die gekündigte Kassiererin Barabara E. hat zu kontroversen Diskussionen der stern.de-Leser geführt. Wann ist das Vertrauen in den Arbeitnehmer geschädigt? Stehen Justiz und Moral einander im Weg und hätte der Arbeitgeber nicht auch anders handeln können?

Ein Teil der User sieht das Urteil als gerechtfertigt an. mister-mister empfindet den Wert einer Sache, die gestohlen wird, als egal: "Wer klaut, fliegt. Ohne Wenn und Aber und völlig gleichgültig, ob es sich um einen Cent, nen Teuro oder einen großen Schein handelt." Fernab des Diebstahls sieht Arancia das Problem in dem entstandenen Vertrauensverlust des Arbeitgebers:"'Wer einmal lügt dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht.'", zitiert sie den Volksmund und ergänzt: "Man hat seinen Arbeitgeber nicht zu beklauen, auch nicht um 1 Cent." Livia008 stimmt dem zu: "So hart dieser Einzelfall erscheint und so gering auch die unterschlagene Summe ist: Als Arbeitgeber hätte ich auch kein Vertrauen mehr zu einer Kassiererin, die Pfandbons unterschlägt."

Konsequenzen für den Kündigungsschutz?

Johnniedeamonic sieht das grundsätzlich genauso, befürchtet aber Konsequenzen für den Kündigungsschutz. Er meint, "dass die fristlose Kündigung wegen einer so kleinen Summe den Weg ebnet für Kündigungen wegen Materialverschwendungen etc. Denken Sie mal nach: 1,30, den Schaden haben sie bei einer Firma angerichtet sobald sie fünf Kopien falsch eingezogen haben, schon klar, dass es um den Tatbestand Diebstahl geht, aber das erste Schritt in diese Richtung wurde heute getan." Ebenso empfindet dagorokko, der "ungeahnte Möglichkeiten für Arbeitgeber" prognostiziert: "Jeder Arbeitgeber weiß nun, wie er unbeliebte Mitarbeiter loswerden kann. Man muss ihm im besten Falle nur was Geringfügiges unterstellen, auch wenn es sich nicht beweisen lässt."

Unfaires Arbeitgeberverhalten

Das Gericht habe zwar nach der aktuellen Gesetzeslage richtig entschieden, so Schmitty, doch kann er das Verhalten des Arbeitgebers nicht verstehen: "Welches Unternehmen würde wegen einem Betrag von 1,30 Euro eine Mitarbeiterin kündigen, welche Jahrzehnte einwandfrei gearbeitet hat. Das passt nicht zusammen." Als Arbeitgeber hätte auch undjetztnochder anders gehandelt: "Ich bin zwar kein Jurist, aber selber Arbeitgeber. Und Fairness sowie Verhältnismäßigkeit sind wichtig im Umgang zwischen Mitarbeitern und Chef. Ich hätte im vorliegenden Fall schon die letztlich unklare Sachlage, die lange Beschäftigungsdauer und die Geringfügigkeit des Schadens mit in die Waagschale geworfen und es bei einer - mündlichen - Verwarnung belassen. Bei Wiederholung schriftliche Abmahnung, bei fortgesetzter Wiederholung Kündigung. Alles andere mag zwar juristisch korrekt sein, aus menschlicher Sicht ist es das aber nicht und wirft ein entsprechendes Licht auf den Arbeitgeber Kaiser und (mal wieder) auch auf unser unmenschliches Justizsystem: formal korrekt, menschlich katastrophal." "Wäre nicht beim Erstvergehen (bei eine Unterschlagung oder Diebstahl bis ca. 20 Euro Warenwert) eine Strafe von etwa einem Monatslohn eher angebracht? Ich glaube damit könnten beide Parteien leben und die Gerichte wären dadurch entlastet", fragt sich in diesem Zusammenhang auch Simeon. Und MKK-Wohner ergänzt: "Auch wenn sie diese Bons eingelöst hat, die Strafe steht in keinem Verhältnis zum Schaden. Wenn man bedenkt, dass die Frau 30 Jahre dort gearbeitet hat."

Fairness spielt allerdings aus der Sicht von struppi1 keine Rolle: "Rechtsprechung ist nicht immer fair. Und ob der ein oder andere zu hart oder zu milde bestraft wurde, ist ein rein subjektives Empfinden. Fakt ist: Unterschlagung ist Unterschlagung und ob 1,30 oder 1 Million ist dabei eigentlich recht egal."

Boykott-Aufrufe gegen Kaisers

Einigen Lesern ist die Entscheidung des Unternehmens nicht nur ein Dorn im Auge, sie wollen ihre eigenen Konsequenzen ziehen und künftig woanders einkaufen. "Wir brauchen uns über solche Seltsamkeiten nicht aufregen. Wir müssen nur Kaisers Kaffee nicht aufsuchen, besonders die Filiale, in der diese Frau bisher gearbeitet hat. Dann ist endlich Ruhe in dieser Sache. Und diese Methode ist viel wirksamer als irgendwelche Gerichte. Also, Leute, überlegt Euch, ob ihr in diesem 'Schuppen' noch einkaufen wollt", argumentiert steinhaus. Auch Simeon kennt "keine Gnade: Ich werde auf keinen Fall mehr einen Fuß bei Kaisers oder Tengelmann setzen. Wer so mit seiner Belegschaft umgeht, der hat keine Gnade verdient." Schurke erinnert sich an den Lidl-Skandal, den der stern und stern.de vor einem Jahr aufdeckten: "Hatte mir gerade das Einholen bei Lidl abgewöhnt und meine hart verdienten € immer öfters zu Kaisers gebracht. Nun aber heißt es auch für mich: im Zweifelsfalle pro Lidl. 30 Jahre Betriebszugehörigkeit, unterstellte '1,30 € Pfandunterschlagung' und gesicherte Gewerkschaftsmitgliedschaft: Adieu Tengelmann!" Nur mister-mister hält dagegen: "Wer deswegen den Laden boykottiert, weil die Regel angewandt wurde - nur zu. Dann wird die Kassenschlange kürzer."

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