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Manager-Lockangebot: Zwölf Prozent unter Spitzensteuersatz

Roland Koch will mehr Banker nach Frankfurt locken und schlägt deshalb vor, den Steuersatz für ausländische Manager auf 30 Prozent zu senken. Seine Idee aber stößt auf sehr wenig Gegenliebe.

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hält trotz aller Kritik an seinem Vorschlag zur steuerlichen Privilegierung ausländischer Spitzenmanager fest. Der "Welt" sagte Koch, es gehe um das "konkrete Problem, dass ein New Yorker Investmentbanker, der sich zwischen London und Frankfurt entscheiden muss, schon wegen der Einkommensteuer nach London gehen wird. Denn die Briten geben ihm als Ausländer für drei bis fünf Jahre ein Steuerprivileg". Darum empfehle er Bundesfinanzminister Hans Eichel "seit drei Jahren ganz sachlich und beharrlich, für solche Fälle ebenfalls einen Steuersatz von maximal 35 Prozent anzusetzen".

Eichel lehnt dagegen den Steuernachlass für ausländische Spitzenmanager in Deutschland strikt ab. Der Vorstoß Kochs lasse ein "großes Defizit an steuerlichem Gerechtigkeitssinn durchschimmern", kommentierte ein Sprecher des Finanzministeriums den Vorschlag. Zudem werfe er ein bezeichnendes Licht darauf, wie wenig ernst in Hessen der Abbau von Steuersubventionen genommen werde.

Pauschal 30 Prozent Steuern

Nach Kochs Vorstellungen sollen ausländische Manager und Spitzenarbeitskräfte künftig pauschal nur noch 30 Prozent Steuern auf ihr Einkommen zahlen müssen, zwölf Prozentpunkte weniger als der Spitzensteuersatz. "Der Mann hat Sorgen", sagte Eichel dazu während einer Veranstaltung des Industrie- und Handelskammertages. Die finanzpolitische Sprecherin der Grünen, Christine Scheel, nannte es "unverfroren, sich für eine ungleiche Behandlung von inländischen und ausländischen Führungskräften einzusetzen".

Auch der Steuerzahlerbund lehnt eine Sonderbehandlung ausländischer Manager ab. "Dies würde in hohem Maße der Steuergerechtigkeit widersprechen", sagte der Präsident des Bundes der Steuerzahler, Karl Heinz Däke. Viel wichtiger sei es, im deutschen Steuerrecht Verhältnisse zu schaffen, die mit den ausländischen konkurrieren könnten.

Sympathiebekundungen von pfälzischer SPD

Dagegen hatte sich der rheinland-pfälzische Finanzminister Gernot Mittler (SPD) in der "Berliner Zeitung" zustimmend geäußert. "Ich habe sehr viel Sympathie für diese Idee." Man müsse den Vorschlag ernsthaft prüfen. In Frankreich werde bereits erfolgreich ein entsprechendes Modell praktiziert, so Mittler. Deutschland müsse sich dem internationalen Steuerwettbewerb stellen.

DPA / DPA