Metalltarifverhandlungen Showdown in NRW


Vor der entscheidenden Metaller-Tarifrunde in Nordrhein-Westfalen gibt es noch von keiner Seite Signale für eine Annäherung. Während die IG Metall "Drei Prozent plus x" fordert, sehen Arbeitgeber nur eine zwei vor dem Komma.

Es wird ein hartes Blinzelspiel werden, denn vor der möglicherweise entscheidenden Verhandlungsrunde am Freitagnachmittag in Düsseldorf ist im Tarifstreit in der Metall- und Elektroindustrie von keiner Seite Zeichen für ein Einlenken. Indes betonten sowohl IG Metall als auch die Arbeitgeber ihr Interesse an einer Verhandlungslösung. Die Gewerkschaft hat den Arbeitgebern ein Ultimatum gestellt, wonach sie ein verbessertes Angebot bis Montagabend 24.00 Uhr vorgelegen sollen. Ansonsten würden die Verhandlungen am Dienstag für gescheitert erklärt und Urabstimmungen über einen regulären Streik eingeleitet.

Friedliche Lösung als Ziel

Beide Seiten müssten versuchen, eine friedliche Lösung zu finden, sagte IG-Metall-Vize Berthold Huber am Morgen im Deutschlandfunk. "Denn nächste Woche müssen wir uns entscheiden", fügte Huber hinzu. Das Angebot der Arbeitgeber in Höhe von 1,2 Prozent habe mit der Inflationsentwicklung nichts mehr zu tun, sagte Huber. Die Gewerkschaft gehe von einer Inflationsrate von zwei Prozent und von einer Produktivitätsentwicklung in der Gesamtwirtschaft von mindestens 1,7 Prozent aus. Das sei "in etwa die Größenordnung, die verteilungsneutral von den Arbeitgebern zu erbringen" sei. Konjunkturbezogene Einmalzahlungen lehnte Huber ab, da diese nicht Basis für zukünftige Tariferhöhungen seien. Die Gewerkschaft ist mit einer Forderung nach fünf Prozent mehr Geld in die Tarifverhandlungen gegangen.

IG-Metall-Bezirksleiter Armin Schild hat einen Abschluss von "drei plus x" Prozent gefordert."Wir müssen mindestens in die Nähe des Ausschöpfens des verteilungsneutralen Spielraums kommen", so Schild. Dieser Spielraum, der sich aus Produktivitätszuwachs und Inflation berechnet, liege zwischen drei und vier Prozent. Die 3,4 Millionen Beschäftigten der Branche bräuchten Reallohnsteigerungen.

Arbeitgeber gehen von Einigung aus

Die Arbeitgeber rechnen damit, dass es bei den Verhandlungen in Düsseldorf eine Einigung geben wird. "Ich bin optimistisch, dass das klappt", sagte der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Niedersachsenmetall, Dietrich Kröncke, der "Neuen Presse" (Freitagausgabe) in Hannover. Die Arbeitgeber seien "höchst interessiert an einer Einigung", sagte Kröncke. Einer der großen Vorteile des Standortes Deutschland sei, dass hier relativ wenig gestreikt werde. "Das sollten wir nicht aufs Spiel setzen", betonte der Hauptgeschäftsführer.

Die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" (Freitagausgabe) berichtete unterdessen vorab unter Berufung auf Arbeitgeberkreise, die tabellenwirksame Erhöhung könnte in der Nähe von zwei Prozent liegen und die Einmalzahlungen, die auch konjunktur- und ertragsabhängig variiert werden können, bei etwa einem Prozent. Für eine solche Variante gebe es in Teilen des Arbeitgeberlagers Rückhalt.

Pilotabschluss möglich

Da die Tarifgespräche in Nordrhein-Westfalen am weitesten fortgeschritten sind, wird die Region als möglicher Bezirk für einen Pilotabschluss gehandelt. Zu der siebten Runde der Gespräche wollen auch der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Kannegiesser, sowie der Vorsitzende der IG Metall, Peters, und sein Vize Huber anreisen.

Der IG-Metall-Bezirksleiter von Nordrhein-Westfalen, Detlef Wetzel, sagte am Morgen im Westdeutschen Rundfunk, die Gewerkschaft werde bis zur letzten Minute eine Verhandlungslösung anstreben. Er erwarte aber kein neues Angebot der Arbeitgeber mehr, sondern eine Lösung. Allerdings werde sich die Gewerkschaft nicht mit Einmalzahlungen abspeisen lassen. "Und deswegen wollen wir eine drei vor dem Komma bei der dauerhaften Lohn- und Gehaltserhöhung", so Wetzel.

Michael Wojtek/DDP DDP

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