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Ausbildung: Millionär durch Nachhilfe - der Weg zum Super-Tutor

Weltweit boomt das Geschäft mit der Nachhilfe. Neben schlecht bezahlten Helfern haben sich auch Top-Verdiener etabliert. Sie schleusen die Kinder der Reichen durch Schule und Universität. 

Schon seit einigen Jahren weiß man, welch Summen die sogenannten Super-Nannys verdienen. Damit sind keine TV-Kindermädchen gemeint, sondern die Nannies der Superreichen. Inzwischen gibt es weitere Spitzenverdiener, bei denen man so ein Gehalt nicht vermuten würde. Nämlich: Nachhilfelehrer.

Die BBC hat hinter die Kulissen der Branche der sogenannten "Super-Tutoren" geblickt. Auch hier ist die Einkommensspanne groß. Wer für 12 Euro die Stunde Mathe-Nachhilfe gibt, wird damit sicher nicht reich. Anders sieht es hingegen aus, wenn man den Nachwuchs der Reichen und Superreichen geschickt durch Schule und Studium lotst. Diese Eltern wissen genau, dass Kinder Hilfe und Zuspruch benötigen – nur sind sie selbst zu beschäftigt, um als Helikopter-Paar zu dienen oder mit den Kindern abends Mathematik zu büffeln.

Luxusausgabe des Hauslehrers 

Dann heuern sie Privatlehrer wie Melissa Lehan an. Sie unterstützt die Kinder nicht nur, sie unterrichtet sie daheim. Eine Dienstleistung, die von Kunden mit wechselnden internationalen Wohnorten nachgefragt wird. So müssen sie die Kinder nicht in ein Internat geben, um eine schulische Kontinuität zu gewährleisten. Ihr genaues Gehalt mochte Lehan der BBC nicht nennen, nur dass es schon sechsstellig sei. Davon muss die Oxford-Absolventin keine täglichen Ausgaben bestreiten. Wohnung, Essen und Reisen trägt die Familie ihrer Zöglinge.

Von einer herkömmlichen Lehrtätigkeit unterscheidet sich der Job von Lehan enorm, denn sie muss sich nicht mit einer Vielzahl von Klassen beschäftigen. Der Reiz sei, "sich auf dieses eine Kind zu konzentrieren und ihm zu helfen. Es so gut zu kennen, dass ich weiß, was es lernen wird und was ihm dabei helfen wird. Das ist es, was mich antreibt", sagte sie der "BBC".

Umgekehrt wird eine ungeheure Vielseitigkeit von Lehan verlangt, weil sie das gesamte Spektrum der Fächer abdecken muss und ihre Kunden überall eine hervorragende Expertise erwarten.

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Boomende Nachhilfeindustrie 

Weltweit boomt die Nachhilfeindustrie. Eine Prognose besagt, dass sie bis 2022 weltweit 227 Milliarden Dollar umsetzen wird. Der Report "The Value of Education: Higher and Higher" von 2017 untersucht die Ausgaben, die Eltern weltweit für die Ausbildung ihrer Kinder aufbringen. Der Durchschnittswert liegt bei fast 100.000 Dollar für die Zeit vom Kindergarten bis zu den ersten vier Uni-Jahren. In weiten Regionen der Erde müssen die Eltern große Opfer für diese Ausgaben bringen. Beunruhigend für die öffentlichen Bildungssysteme ist, dass die Mehrheit der Eltern mit der gebotenen Qualität der Bildung nicht zufrieden ist. Also greifen sie auf private Lehrer zurück. Angetrieben wird das Wachstum der privaten Hilfsdienste durch Asien. Dort gehören hohe Investitionen in die berufliche Zukunft vielversprechender Kinder zur Tradition.

Neben Hauslehrern wie Lehan stehen Profis an der Einkommensspitze, die junge Leute auf die Aufnahmeprüfung von Universitäten vorbereiten. Aufsehen erregte der Hongkonger Lam Yat-yan. Er bereitet Studenten auf Sprachprüfungen vor. Ein Angebot einer Konkurrenzgruppe über elf Millionen Dollar sollte ihn von seiner Tutoren-Gruppe abwerben, doch Lam Yat-yan wies das Angebot zurück.

Asien Motor der Entwicklung

In Singapur sprach die BBC mit Anthony Fok. Der unterrichtet keine einzelnen Schüler, sondern hilft kleinen Gruppen sich auf das Abitur oder die Universität vorzubereiten. Er erzielt einen Jahresumsatz von fast einer Million Euro im Jahr. Jedem Schüler stellt er etwa 300 Euro für jede Einheit von 90 Minuten in Rechnung.

Fok ist so begehrt, dass Eltern versuchen, einen Platz drei Jahre im Voraus zu buchen. Andere Eltern sind bereit, zwei Unterrichtsjahre im Voraus zu bezahlen, damit ihre Kinder sicher sind, einen Platz zu erhalten. Aber man kann nicht alles kaufen. Ein Elternteil bot ihm 13.000 Euro Bonus an, wenn er das Kind einen Monat vor der Prüfung auf eine A-Note bringen würde. Aber: "Es ist nicht möglich, in letzter Minute Wunder zu vollbringen", bedauert Fok gegenüber der "BBC". "Die erste Schwierigkeit ist, dass Eltern denken, dass ihr Geld alle Probleme löst. Aber das ist nicht wahr!"

Fok hat sich vom einfachen Nachhilfelehrer hochgearbeitet. Er sagt, dass nicht jeder für diese Arbeit geeignet sei. "Die Lehrer müssen leidenschaftlich beim Unterrichten sein und sich zu 100 Prozent dafür einsetzen, dass sich die Schüler verbessern." Sein Motto: "Versprich ihnen nicht zu viel und liefere nicht zu wenig!" Sein Job sei harte Arbeit.

BBC: "What drives an elite 'super tutor'?

Kra
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