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Neujahrsvorsätze 11 Tipps, wie Sie sich in diesem Jahr wirklich ändern

Ob Job, Beziehung oder Freizeit - sein Leben zum Besseren zu verändern, lohnt sich.
Ob Job, Beziehung oder Freizeit - sein Leben zum Besseren zu verändern, lohnt sich.
Statt der üblichen Neujahrsvorsätze überwiegt 2021 bei vielen Menschen der Wunsch, dass bitte alles wieder normal werde – so wie vor Covid-19. Jobcoach und Autorin Ulrike Winzer erklärt, warum das neue Normal den Namen "Veränderung" trägt und welche elf Hacks den Umgang mit dem Wandel erleichtern.

"Im neuen Jahr wechsle ich den Job und mache mehr Sport!" So oder ähnlich klang es normalerweise, wenn das neue Jahr da war. Nun sollte alles besser werden: Beruf, Karriere, Gesundheit, Fitness, Beziehung und mehr. Doch die Neujahrsvorsätze waren meist genauso schnell flammend formuliert wie sie nach kurzer Zeit elendig eingingen.

Corona hat den alljährlichen Vorsätzen ein Update verpasst. Der Wunsch nach Normalität dominiert den Wunsch nach Veränderung. Was aber ist eigentlich dieses "normal"? War unser Leben vor Corona wirklich "normal"? Und glauben wir ernsthaft, dass alles das, was in den letzten Monaten parallel zum alten Normal entstanden ist, wieder weg geht? Wäre das in unserer schnellen und komplexen Welt überhaupt schlau?

Auch wenn wir - gerade aufgrund von Corona – genug haben von Veränderungen, die von außen auf uns zukommen, so ist es künftig für jeden Einzelnen entscheidend, dem Wandel schlau zu begegnen. Denn Veränderung ist das neue Normal. Alles andere ist in unserer schnellen Welt eine Illusion. Das war bereits vor Corona der Fall. Digitalisierung, Globalisierung und Disruption haben dies eindrücklich gezeigt. Doch erst das Virus hat uns diese Tatsache direkt und unmittelbar vor Augen geführt.

Covid-19 hat aber noch mehr bewirkt. Gerade das vergangene Jahr 2020 hat gezeigt, dass wir flexibel und anders handeln können - wenn wir müssen und wollen. Veränderung ist machbar. Die Schnelligkeit und der Pragmatismus, mit denen beispielsweise das Homeoffice mal eben ermöglicht wurde, sind nur ein kleines Beispiel dafür. 

Ulrike Winzer
Ulrike Winzer ist Beraterin, Moderatorin, Rednerin und gefragte Expertin. Sie berät Menschen, Unternehmen und Organisationen zu den Themen Veränderung, Personal und Karriere. In ihrem aktuellen Buch "Stark durch Veränderung" zeigt sie, warum und wie manche Menschen zögern und andere einfach handeln.
© Studio Wiegel

Wo liegt dann eigentlich das Dilemma?

Warum fällt Veränderung so schwer – ob nun am Jahresanfang oder generell? Weshalb warten wir, bis Wandel notwendig wird und die Not zur Wende nicht mehr zu übersehen ist? Die Antwort darauf ist vielschichtig.

Die obligatorischen Neujahrsvorsätze sind selten dazu geeignet, eine Veränderung herbeizuführen, besonders da, wo das Leben möglicherweise knirscht. Unsere Beharrungskräfte sind deutlich ausgeprägter als unsere Lust auf Wandel. Was mehr oder weniger läuft, wird nicht hinterfragt oder verändert – selbst wenn wir spüren, dass nicht alles so rosig ist wie wir gerne glauben mögen. Noch gravierender wird es, wenn Dinge gut laufen. Die Bereitschaft zu prüfen, ob gut im Heute auch noch gut für Morgen bedeutet, bewegt sich in Richtung Null.

Ein bedeutsamer Faktor sind unsere Gewohnheiten. Wir lieben sie, und sie sind wichtig. Denn wer will sich schon z.B. beim Abbiegen jedes Mal die Frage stellen, ob er nun den Blinker setzt. Neben solchen guten Gewohnheiten gibt es aber auch die schlechten. Statt Lust auf Weiterbildung siegt die Lust nach Fernsehen und Couch. Und schnell wird aus dem Einzelfall der Regelfall. Wenn das Gehirn dann nach Sport befragt wird, handelt es wie Google: das häufigste Suchergebnis (die Couch) wird nach oben gespült.

Veränderung geht meistens auch mit einer gehörigen Portion Angst einher. Statt "cool, ich kann was Neues probieren" überwiegt "das schaffe ich bestimmt nicht". Statt "Digitalisierung? Wie spannend!" gewinnt "Digitalisierung? Geht bei uns nicht." Die Angst vor dem Neuen und Unbekannten, die Furcht zu versagen, zu verlieren und als Loser dazustehen gewinnt gegenüber den Verheißungen in der Zukunft.

Schließlich ist da noch der Aufwand. Veränderung hat einen Preis! Das Erlangen eines Waschbrettbauchs kann genauso wenig delegiert werden wie die Einführung eines neues Software-Tools im Vertrieb oder die Suche nach einer Wohnung nach der Trennung vom Partner. Veränderung in jeglicher Form ist anstrengend. Der Preis hat Namen wie Geld, Zeit, Kraft, Verzicht, und vieles mehr. Zusätzlich legen wir die Messlatte meist sehr hoch. Wenn wir uns schon verändern, dann bitte günstig, schnell, mit wenig Aufwand, maximalem Ergebnis, hoher Sicherheit, ohne Fehler und bei möglichst großer Auswahl. Wir fragen nach dem Invest, den wir für die Veränderung tätigen müssen und wollen, dass dieser möglichst gering ist. 

Stillstand ist kein Standpunkt!

Im Zweifel verharren wir dann dort, wo wir sind. Wir reden uns den Status Quo schön, treffen keine Entscheidung (was auch eine Entscheidung ist) oder nutzen die unendliche Vielfalt an Ausreden: von "Ich bin noch nicht so weit", "Ich bin zu alt, zu jung, zu …", "Es läuft hervorragend" bis hin zu "Das ist Aufgabe meines Chefs!" - das Ganze versüßt mit einer Portion Jammern und Beschweren. Fatal dabei: wir geben unsere Eigenverantwortung genauso ab wie unsere Eigenmacht.

Ist das wirklich schlau? Macht uns Stillstand wirklich glücklich?

Die Frage des Preises stellen wir gerne, wenn es um jegliche Form der Veränderung geht. Was wir selten fragen: welchen Preis zahlen wir eigentlich, wenn wir uns nicht verändern? Wenn wir alles so lassen, wie es ist?

Fragen Sie sich selbst doch einmal: Was ist der Preis, wenn Sie sich beruflich nicht weiterentwickeln und digitale Fähigkeiten erlernen? Ist Ihr Wissen von heute morgen noch gefragt? Wie hoch ist der Preis, wenn Sie in einer unglücklichen Beziehung bleiben? Und welchen Preis zahlen Sie für viel Essen und Trinken und wenig Sport?

Der Blick auf den Preis des Stillstands öffnet so manches Auge. Und wenn Sie nun sagen: "Ja, stimmt, ich sitze doch lieber selbst am Lenkrad, als dass ich auf dem Beifahrersitz des Lebens dahin vegetiere" - was kann Ihnen dann helfen? 

Collage: Zwei Männer und eine Frau im Portrait

Veränderung geht immer

Sie sind nie zu jung, zu alt, zu irgendwas, um sich zu verändern. Wenn Sie sich bewusst entscheiden und ein klares "Ja!" sagen, dann haben Sie bereits den ersten Schritt unternommen!

  1. Erzeugen Sie Klarheit! Wo wollen Sie hin mit Ihrem Leben? Wie wollen Sie leben? Sind Sie schon dort angekommen, wo und wie Sie sein wollen und sind Sie glücklich? Was fehlt Ihnen? Gibt es Punkte, an denen Sie etwas ändern wollen? Gibt es möglicherweise gerade Veränderungen in Ihrem Leben, die von außen auf den Weg gebracht wurden? Verschaffen Sie sich Klarheit, wo Sie derzeit stehen und wohin Sie wollen. Offen, ehrlich und ohne Schönreden!
  2. Treffen Sie konkrete Entscheidungen! Mehr Sport, weniger Alkohol, weniger Überstunden, mehr Weiterbildung … das ist alles nicht konkret. Und Ziele, die nicht konkret sind, sind auch nicht verbindlich. Denn die Worte "mehr" oder "weniger" sind relativ. Konkrete Zahlen, Daten und Zeiten helfen Ihnen. Bis Ende Juni haben Sie gekündigt und einen neuen Job gefunden. Bis Ende April haben Sie 7 Kilo abgenommen. Bis Ende des neuen Jahres haben Sie ein Buch geschrieben.
  3. Vollziehen Sie kleine Schritte! Fangen Sie mit dem ersten Schritt an und dann machen Sie den nächsten Schritt. Unterteilen Sie Ihr Ziel in alltagstaugliche Häppchen. Für einen Marathon brauchen Sie mehr als einen Tag Training – jedenfalls, wenn Laufen nicht zu Ihren Standardbeschäftigungen zählt. Wenn Sie erst einmal anfangen, entsteht ein Dominoeffekt!
  4. Setzen Sie Ihren Fokus! Ob es Ihnen gefällt oder nicht – kaum ein Mensch ist wirklich multitaskingfähig. Hier schnell die Mails gecheckt, dort rasch in Social Media geschaut, über unsinnige Posts vom Verkehrsstau aufgeregt ... und schon ist die Zeit weg. Ihre Energie fließt auf das, was Sie tun und auf das, was Sie denken. Fokussieren Sie sich deshalb auf das, was Sie erreichen wollen und nicht auf das, was Ihnen nichts bringt oder was Sie aufgeben! Gedanken über das Loslassen, Verpassen, Verlieren, Versagen und Verzichten gehören zu den größten Ausbremsern einer Veränderung. Und mal ehrlich: Versäumen Sie wirklich so viel, wenn Sie die Essens-Posts nicht sehen?
  5. Misten Sie aus! Entsorgen Sie alten Ballast. Unsinnige Regeln und überflüssige Abläufe sind meistens nur deshalb permanente Begleiter in unserem Leben, weil wir uns so schön daran gewöhnt haben. Fragen Sie sich mehrmals am Tag, ob das, was Sie gerade tun, wirklich sinnvoll und erforderlich ist. Vielleicht können Sie ganz darauf verzichten. Wenn Ihnen Abläufe noch zu anspruchsvoll sind, fangen Sie mit etwas Einfachem an: Schränke und Regale mit Kleidung, Ordnern, CDs und vielem mehr rufen nach Erleichterung.
  6. Achten Sie auf Ihren inneren Schwätzer! Die innere Stimme sät ihre Zweifel sehr subtil. "Ob du das wohl durchhältst?", "Das ist viel zu aufwendig" oder "Das hast du doch beim letzten Mal auch schon nicht geschafft!". Wirkungsvoll flüstert diese Stimme Ihnen die erlernten Muster ins Ohr. Ertränken Sie den Schwätzer im gedanklichen Meer und sagen Sie ihm: "Und ob ich das schaffe!"
  7. Schicken Sie die äußeren Influencer in die Wüste! Auch unser Umfeld hat seinen Anteil daran, dass wir alles dabei lassen wie es ist. Ob Familie, Freunde, Kollegen, Chefs – sie alle teilen uns ihre Meinung mit. "Ich an deiner Stelle würde das nicht tun!" klingt es so manches Mal in unseren Ohren. Das Ganze funktioniert auch mit der Verpackung Fürsorge: "Damit überforderst du dich doch nur!". Belassen Sie die Meinungen der Meinungsmacher bei denen, die sie aussprechen. Und leben Sie Ihre eigene Agenda.
  8. Erweitern Sie Ihre Grenzen! Die eigenen Grenzen zu erweitern ist unglaublich wirkungsvoll. Denn faktisch sind die meisten Grenzen nur im Kopf. Wer sich überwindet und trotz möglicher Ängste über seinen Schatten springt, erlebt echte Glücksgefühle. Das geht, indem Sie z.B. einmal im Monat oder auch in jeder Woche etwas tun, das Sie noch nie getan haben. Höhenangst? Wie wäre es mit einem Tandemfallschirmsprung? Alles ist möglich, wenn Sie wollen.
  9. Machen Sie Fehler! Fehler zu machen ist ganz normal. Nur wer handelt, kann Fehler machen. Daraus lernen Sie, wie Dinge nicht bzw. noch nicht funktionieren. Viel zu häufig geben wir nämlich auf, wenn die ersten Hindernisse auftauchen. Wussten Sie z.B. dass James Dyson 5127 Prototypen baute, bis sein beutelloses Staubsaugermodell funktionierte? Aufgeben kam für ihn nicht in Frage. Denken Sie bei der nächsten Versuchung zur Aufgabe einfach an Dyson.
  10. Finden Sie Lösungen zu Problemen! Hindernisse und Probleme sollten Sie generell nicht schrecken. Verändern Sie bewusst Ihre Denkgewohnheiten. Ersetzen Sie "Ach herrje, und jetzt?" durch den Gedanken "Spannend! Da schaue ich mal, dass ich einen Weg finde, wie ich dieses Hindernis überwinden kann!"
  11. Lernen Sie! Wissen macht Veränderung gangbar. Es gibt mittlerweile eine Unmenge an Wissen kostenfrei verfügbar im Netz. Webinare, Blogs, Podcasts oder Artikel in diversen Plattformen laden zur Weiterbildung ein. Kurse und Seminare aber auch Bücher und Zeitschriften lohnen sich. Besonders Persönlichkeitskompetenzen als auch Digitalkompetenzen werden in den nächsten Jahren ausschlaggebend für beruflichen und privaten Erfolg sein. Investieren Sie deshalb in sich selbst.

Unsere Welt verändert sich auch ohne Ihr persönliches Zutun rapide. Die technologische Entwicklung wird immer schneller und der nächste Technologiesprung steht schon in den Startlöchern. Damit verändern sich auch Ihre Lebensbedingungen, Ihre Wünsche und Hoffnungen. Veränderungen sind unser Alltagsbegleiter. Es liegt an Ihnen, ob und wie Sie Ihr Leben gestalten, ob Sie selbst der Fahrer Ihres Lebens sind oder als Beifahrer nur zuschauen und anderen das Steuer überlassen. Veränderung macht sie stark. Entscheiden Sie sich!


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