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Sonderurlaub: Muss mein Chef mir für Bewerbungsgespräche freigeben?

Für bezahlten Sonderurlaub kann es verschiedene Gründe geben: Todesfall in der Familie, Umzug, ein krankes Kind oder ein Termin beim Amt. Sogar für die Suche nach einer neuen Stelle muss mir der Chef unter Umständen freigeben.

Frau beim Bewerbungsgespräch als Symbolfoto für Sonderurlaub

Für die Suche nach einem neuen Job muss der Arbeitgeber seinen Angestellten Zeit einräumen (Symbolfoto)

Getty Images

Sonderurlaube sind vielfältig und auch gesetzlich geregelt. Was jedoch kaum einer weiß: Auch im Falle einer Kündigung muss der Chef seinen Arbeitnehmern eine bezahlte Auszeit gewähren – und zwar für die neue Jobsuche. Zwar sind die Fälle in der Praxis eher selten, weiß Volker Görzel  Fachanwalt für Arbeitsrecht, doch rechtlich gesehen ist die Lage klar. "Allerdings gibt es keinen festgelegten Zeitraum", so Görzel. Denn laut §629 BGB muss der Arbeitgeber nur "im angemessenen Umfang" dem Arbeitnehmer freigeben.  

In der Praxis gibt es viele Fälle von Sonderurlaub. So gibt es einen rechtlichen Anspruch auf bezahlten Sonderurlaub bei Tod eines Familienangehörigen, bei Umzug, für die eigene Hochzeit, die Goldene Hochzeit der Eltern, bei der Geburt des eigenen Kindes, bei einem Firmenjubiläum oder für die Pflege naher Angehöriger, sprich Kinder. Es gibt aber auch Sonderurlaub, wenn ich eine Vorladung bei Gericht habe.

Gesetzliche Grundlage für den Sonderurlaub bildet der Paragraph §616 BGB "Vorübergehende Verhinderung". Darin heißt es: "Der zur Dienstleistung Verpflichtete wird des Anspruchs auf die Vergütung nicht dadurch verlustig, dass er für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit durch einen in seiner Person liegenden Grund ohne sein Verschulden an der Dienstleistung verhindert wird. Er muss sich jedoch den Betrag anrechnen lassen, welcher ihm für die Zeit der Verhinderung aus einer auf Grund gesetzlicher Verpflichtung bestehenden Kranken- oder Unfallversicherung zukommt. Letzteres ist zum Beispiel dann der Fall, wenn ein Arbeitnehmer wegen eines erkrankten Kindes nicht zur Arbeit kommen kann. Dann hat der Arbeitnehmer einen direkten Anspruch gegen die Krankenkasse.

Sonderurlaub bei Arztterminen

"Der Klassiker, der oft in der Praxis Ärger bereitet, sind Sonderurlaube wegen Arztbesuchen", erklärt Görzel. "Da stellt sich die Frage, muss ich mit einem Schnupfen während der Arbeitszeit dringend zum Arzt oder kann das auch warten?" Bei akuten Zahnschmerzen sei allerdings eine medizinische Notwendigkeit gegeben. "Aber das ist immer eine Einzelfallentscheidung, die oft schwierig zu treffen ist", so der Fachanwalt. Es gibt jedoch auch Arbeitsverträge, bei denen ist dieser Paragraph §616, der den Sonderurlaub im Sinne einer vorübergehender Verhinderung regelt, jedoch ausgeschlossen. In dem Fall hat der Arbeitnehmer keinen Anspruch auf Sonderurlaub und muss in einem der oben genannten Fälle ordentlich Urlaub einreichen.

Übrigens: Auch Minijobber haben ein Recht auf Sonderurlaub. "Grundsätzlich sind Minijobber ganz normale Arbeitnehmer wie jeder andere Arbeitnehmer auch. Und daher haben die auch alle dieselben Rechte", so Görzel. "Es gibt nur Ausnahmen, was den regulären Urlaub angeht, da die Minijobber in der Regel ja nur teilzeit arbeiten und entsprechend weniger Urlaub haben. Aber einen Anspruch haben sie in jedem Fall." 

Sabbatical gilt auch als Sonderurlaub. "Das ist eine Mischung aus bezahltem Urlaub, unbezahltem Sonderurlaub und oftmals Überstundenabgeltung", erklärt der Experte. "Allerdings muss der Arbeitgeber das nicht genehmigen. Es sei denn, es gibt darüber eine Betriebsvereinbarung oder einen Tarifvertrag, in dem das geregelt ist. Dann muss der Chef das auch gewähren."