HOME

Umfrage: Stress und Diskriminierung im Job? So unterschiedlich antworten Frauen und Männer

Eine Umfrage zum Thema Stress am Arbeitsplatz fördert alarmierende Zahlen zu Tage: Vor allem Frauen berichten von Stress, Diskriminierung und Mobbing. Die Folgen können gravierend sein.

Frauen leiden stärker unter Stress im Job als Männer

Frauen leiden stärker unter Stress im Job als Männer

Getty Images

Stress im Job ist in Deutschland nicht nur ein häufiges Phänomen, sondern der Normalfall: Vier von fünf Arbeitnehmern (82 Prozent) spüren Stress am Arbeitsplatz, wie eine aktuelle Umfrage des Marktforschungsinstituts YouGov im Auftrag des Karrierenetzwerks Linkedin ergeben hat. Die Auswirkungen für die Betroffenen können gravierend sein: Am häufigsten klagten die Befragten über Anspannung (57 Prozent) und Unruhe (44 Prozent). Bei vier von zehn Befragten sind sogar Schlafstörungen die Folge.

Die Umfrage offenbart auch einen großen Unterschied zwischen den Geschlechtern: Frauen leiden demnach wesentlich mehr unter Stress am Arbeitsplatz. So fühlen sich 37 Prozent der weiblichen Kollegen häufig oder immer gestresst, bei den Männern sind es nur 30 Prozent. Bei jeder fünften Frau (20 Prozent) löst allein der Gedanke an den Arbeitsplatz bereits Unwohlsein aus, bei den Männern haben nur 14 Prozent dieses Problem. Am gestresstesten von allen sind übrigens arbeitende Mütter, wie kürzlich eine britische Untersuchung zeigte.

Im Video: Lärm, Enge, Abgase, Hektik – das Stadtleben kann mit viel Stress verbunden sein. Macht uns die Stadt wirklich krank?

Interview mit Stressforscher Mazda Adli: Macht uns die Stadt wirklich krank?

Frauen klagen über Mobbing und Diskriminierung

Die Diskrepanz zwischen den Geschlechtern dürfte auch damit zusammenhängen, dass Frauen wesentlich häufiger von Mobbing und Diskriminierung betroffen sind. Fast jede dritte Frau beklagt in der YouGov-Umfrage negative Auswirkungen in Folge von Mobbing und Diskriminierung, bei den Männern ist es nur jeder Fünfte.

Was die Situation verschärft: Viele Beschäftigte fühlen sich mit ihren Problemen allein gelassen. Nur jeder Dritte gibt an, mit den Kollegen offen über sein mentales Wohlbefinden reden zu können, mit dem Arbeitgeber kann das sogar nur jeder Vierte. 42 Prozent haben das Gefühl, dass die Führungsebene kein Interesse an dem Thema hat. Angebote zur Stressbewältigung (21 Prozent) oder einen festen Ansprechpartner für Diskriminierung und Mobbing (18 Prozent) sucht man vielerorts vergebens.

Die gute Nachricht zum Schluss: Nicht jede Form von Stress ist schlecht. "Stress alleine macht nicht krank sondern kann sogar beflügelnd wirken", sagt Martin Keck, Chefarzt und Direktor des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München. "Entscheidend sei, dass sich Phasen der Anspannung und Entspannung abwechseln und mittelfristig ausgleichen. "Wenn man die Fähigkeit zur Regeneration verliert, man sich beispielsweise nicht einmal mehr im Urlaub erholen kann, ohne an die Arbeit zu denken, dann ist das ein großes Warnsignal." 

bak