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Studiengebühren: Wenn der Campus Eintritt kostet

Das Studium ist nicht mehr überall kostenlos, in sechs Bundesländern werden Studenten zur Kasse gebeten: Bis zu 500 Euro kostet die Campus-Maut pro Semester. Wo Studiengebühren verlangt werden - und was mit dem Geld passiert.

Studieren ist teuer. In sechs Bundesländern müssen Studenten bis zu 500 Euro Gebühren pro Semester zahlen. Möglich machte das ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts. 2005 kippten die Karlsruher Richter das Gebührenverbot des Bundes und sprachen den Ländern das Recht zu, Eintritt für das Studium zu verlangen. Seitdem haben immer wieder Studenten versucht, die Studienbeiträge durch Klagen zu kippen, mit dem Argument, Gebühren würden gegen das Grundgesetz verstoßen. Bisher allerdings vergeblich.

Zur Kasse werden Studenten in Bayern, Baden-Württemberg, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Saarland gebeten. In Hessen wurden die Gebühren nach der Landtagswahl 2008 wieder abgeschafft. In Hamburg werden die Beiträge erst nach Studienabschluss fällig, in den übrigen fünf Ländern müssen Studenten das Geld zu Beginn des Semesters überweisen. Hinzu kommen Verwaltungs-, Einschreibungs- und Rückmeldegebühren sowie Beiträge fürs Studentenwerk, die alle Studenten zahlen, egal in welchem Bundesland sie studieren.

Die Gebühren im Überblick


• Bayern: 500 Euro pro Semester

• Baden-Württemberg: 500 pro Semester

• Hamburg: 375 Euro pro Semester (Rückzahlung nach Studien-Abschluss, wenn das Jahreseinkommen höher als 30.000 Euro brutto ist)

• Niedersachsen: 500 Euro pro Semester

• Nordrhein-Westfalen: bis zu 500 Euro pro Semester, entscheidet jede Uni oder FH

• Saarland: 300 Euro im ersten und zweiten Semester, ab dem dritten 500 Euro.

Ausnahmen sind die Regel

Doch auch in den Gebührenländern bezahlen nicht alle Studenten: In Nordrhein-Westfalen sind zum Beispiel Studenten mit kleinen Kindern befreit, und Bafög-Empfänger zahlen nur einen Teil der Gebühren.

In Bremen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Thüringen müssen Langzeitstudenten 500 Euro pro Semester zahlen, in Sachsen kostet das Zweitstudium. Eine Milliarde Euro kassierten die Gebührenländer 2007 durch die Campus-Maut. Das entspricht etwa dem Haushalt zweier großer Universitäten.

Doch die Gebühren gehen nicht in voller Höhe an die Fakultäten, wo sie dringend gebraucht werden. Ein Teil landet in einem so genannten Ausfallfonds, in Nordrhein-Westfalen sind es 23 Prozent. Damit sichert sich das Land gegen das Risiko ab, dass einige der Studenten später ihr Darlehen nicht zurückzahlen können. Denn wer sein Studium nicht von den Eltern finanziert bekommt, kann bei den Landesbanken einen günstigen Studienkredit beantragen.

Studenten spüren keinen Nutzen

Laut einer Umfrage der Uni Hohenheim sind fast 72 Prozent der Studenten, die Gebühren zahlen, für die Abschaffung. Der Grund: Sie spüren bislang noch keine Verbesserung der Lehrbedingung an ihrer Uni.

Das Geld soll zwar in die Verbesserung der Lehre gesteckt werden, aber die Hochschulen dürfen davon nicht zusätzliche Professoren bezahlen. Denn der Gesetzgeber schreibt vor, wie viele Beamte eingestellt werden. Die Fakultäten dürfen lediglich Tutoren und wissenschaftliche Hilfskräfte einstellen. Sie können das Geld auch für Bücher, Fachzeitschriften, Computer oder längere Öffnungszeiten der Bibliotheken ausgeben. Manche Unis haben mit dem Geld der Studenten die Heizkosten-Rechnung bezahlt, andere bauen neue Hörsäle.

An vielen Hochschulen gibt es Prüfungsgremien, die darüber wachen sollen, was mit dem Geld der Studenten passiert. Diese Chance zur Mitbestimmung sollten die Studenten nutzen und kritisch nachfragen: "Was macht die Uni mit unserem Geld?" Infos über Studiengebühren in den einzelnen Bundesländern und Proteste von Studenten findet man unter studis-online.de