HOME

UNTERNEHMENSBERATUNG: Karrierechancen für Querdenker

Viele Consultingunternehmen suchen Berufsanfänger, der Wettbewerb um qualifiziertes Personal wird deshalb immer härter. Daher bieten sich Quereinsteigern gute Karrierechancen.

Nach Zahlen des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater (BDU) in Bonn hat sich der Umsatz der Beratungsunternehmen in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. »Die Beraterbranche wächst«, hat auch Karl Lichtblau vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln festgestellt. Ein Grund ist, dass das Berufsleben sich immer schneller verändert. »Die Arbeitsteilung in den Unternehmen wird immer feiner, die Aufgaben immer spezieller«, so der Experte für Unternehmensentwicklung. Früher hätten Industrieunternehmen etwa einfach Autos verkauft. Heute verlange der zunehmende Wettbewerb von ihnen, neben Produkten auch damit im Zusammenhang stehende Dienstleistungen anzubieten.

Mehr Beratungsbedarf für Unternehmen

So müsse ein Unternehmen zum Auto heute ein Paket von Service, Werbung und Finanzierungskonzept mitliefern. »Das macht das Geschäft für die Unternehmen komplexer und erfordert immer mehr Spezialisten.« Auch die Globalisierung hat Bedarf für Beratungsleistungen geschaffen. »Je mehr Standorte im Ausland ein Unternehmen hat, desto mehr Fachleute für fremde Märkte braucht es«, erklärt Lichtblau.

Dazu ziehen Firmen Spezialisten von außen heran, die sich in Marketing und Rechtsdingen auskennen. Consultingfirmen stellen diese Informationen zur Verfügung. Mit Entlassungen, mit denen Unternehmensberater oft in Verbindung gebracht werden, habe das nichts zu tun, so Klaus Reiners vom BDU. »Berater arbeiten daran mit, die aus dem wirtschaftlichen Wandel entstehenden Probleme zu bewältigen«, fasst er zusammen.

Sie entwerfen Konzepte, die Produktions- und Verwaltungsprozesse in den Betrieben verbessern sollen. Zudem arbeiten Berater an der Umsetzung in den Betrieben mit und sind Ansprechpartner für die Mitarbeiter vor Ort. Diese Aufgaben seien Reiners zufolge vor allem in den vergangenen zehn Jahren immer stärker nachgefragt worden. Die Deregulierung der Märkte im Energie- und Telekommunikationssektor habe etwa für eine steigende Nachfrage nach Unternehmensberatung gesorgt.

In Zukunft wird dem BDU zufolge vor allem die Beratung über Einsatzmöglichkeiten der Informations- und Kommunikationstechnologien für Wachstum sorgen. Die Branche braucht qualifizierten Nachwuchs. Rund 16 000 Fachkräfte wurden im vergangenen Jahr gesucht. Bedarf besteht vor allem an Hochschulabsolventen. Die Studienrichtung spielt dabei keine entscheidende Rolle. Neben Informatikern und Wirtschaftsingenieuren sucht Accenture auch Mathematiker, Naturwissenschaftler und Wirtschaftswissenschaftler.

Auch Geisteswissenschaftler sind gefragt

»Wir stellen auch gern Geisteswissenschaftler ein. Die bringen eine andere Optik für Problemstellungen mit«, sagt Edgar Britschgi, der bei Accenture in Sulzbach bei Frankfurt für die Mitarbeitergewinnung zuständig ist. Voraussetzung sei aber in jedem Fall ein Interesse für wirtschaftliche Zusammenhänge. Eine kaufmännische Ausbildung oder Praktika in Wirtschaftsunternehmen können beim Einstieg hilfreich sein. Auch die Personalverantwortlichen der Boston Consulting Group legen Wert auf einen »heterogenen Peronalmix«, so Martin Koehler, Geschäftsführer im Büro München.

»Wir suchen Leute mit analytischem Denkvermögen, die mit Zahlen umgehen können.« Auch ein sehr guter Hochschulabschluss, gute Englischkenntnisse und Kundenorientierung sind wichtige Voraussetzungen. Koehler ist darüber hinaus der Ansicht, dass ein guter Bewerber »seinen Horizont erweitert haben« muss. Soziales Engagement, kulturelles Interesse oder ein Job als Taxifahrer in New York machen eine Bewerbung für Koehler interessant.

Auftraggeber des Unternehmensberaters kann der junge Chef eines Start-up-Unternehmens oder ein erfahrener Abteilungsleiter sein. Deshalb achtet Koehler bei Bewerbern auch auf »eine gute Kinderstube und ein wenig Fingerspitzengefühl«. Der Bewerbermarkt ist angespannt, und die Konkurrenz schläft nicht.

Mummert und Partner sucht 150 Mitarbeiter

Auch Mummert und Partner in Hamburg sucht für das Jahr 2002 erneut 150 Mitarbeiter. »Es ist sehr schwierig, Leute zu bekommen, obwohl wir alle zur Verfügung stehenden Wege nutzen«, so Personalreferentin Christina Böse. Edgar Britschgi von Accenture kennt das Problem: »Es gibt einen harten Kampf um gute Mitarbeiter.« Accenture sucht daher aktiv auf Absolventenmessen und stellt sein Unternehmen an den Hochschulen vor. Auch über das Internet habe Accenture schon viele Mitarbeiter gefunden.

Informationen:

Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU)

Zitelmannstraße 22

53113 Bonn

Tel.: 0228/91 61 0

Fax: 0228/91 61 26