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Wal-Mart: Gegängelte Mitarbeiter wehren sich

78,5 Millionen Dollar Entschädigung muss der Einzelhandelskonzern Wal-Mart zahlen - und 70 weitere Verfahren stehen noch aus. Grund ist der Umgang mit den Angestellten: Überstunden wurden nicht bezahlt, Pausen ignoriert, selbst fürs Pinkeln blieb mitunter keine Zeit.

Wegen unbezahlter Mehrarbeit muss Wal-Mart 78,5 Millionen Dollar an seine Mitarbeiter im US-Bundesstaat Pennsylvania zahlen. Das verkündete das zuständige Gericht am Samstag in Philadelphia. Nach Medienberichten sind weitere 70 Verfahren anhängig. Im vergangenen Dezember war der Handelskonzern, dessen Besitzer jährlich in den oberen Rängen der 100 reichsten Amerikaner auftauchen, in Kalifornien aus gleichem Grund zu einer Strafe von 172,3 Millionen Dollar verurteilt worden.

Auch in Deutschland eckte Wal-Mart bis zu seinem Rückzug im Juli wiederholt bei der Belegschaft an. Jüngster Fall war eine interne Ethik-Richtlinie des Mutterkonzerns, die Liebesbeziehungen zwischen Mitarbeitern untersagten. Die Vorgaben landeten 2005 vor einem deutschen Gericht.

Keine Zeit zum Pinkeln

Im jetzt entschiedenen Fall sah die Jury es den Angaben zufolge als erwiesen an, dass der Handelsriese den Mitarbeitern kein Geld für Überstunden oder Arbeit während der Pausen zahlte und damit geltendes Arbeitsrecht verletzte. Eine Zeugin hatte zuvor berichtet, die Arbeit sei so hart gewesen, dass sie nicht einmal zur Toilette hätte gehen können. Aus Sicht der Jury hat sich Wal-Mart wissentlich einen unfairen Vorteil verschafft, indem die Mitarbeiter nicht für mehr geleistete Arbeitszeit bezahlt worden seien.

Der Konzern will Berufung gegen das Urteil einlegen. Das Unternehmen dürfe nicht dafür bestraft werden, wenn Mitarbeiter sich entschlössen, ihre Pause ausfallen zu lassen, hieß es. In der Sammelklage waren 187.000 derzeitige und frühere Mitarbeiter von Wal-Mart in Pennsylvania vertreten, die von 1998 bis 2006 für das Unternehmen gearbeitet haben.

DPA / DPA