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Wettbewerb: Das Leben nach dem Sieg

Der StartUp-Wettbewerb geht in die siebte Runde. Was aus den Gewinnern der vergangenen Jahre wurde.

Stephan Aldingers Tage als Chef eines Start-ups liegen schon etwas zurück: Sieben Jahre ist es her, dass er zusammen mit seinem Partner Walter Gerike in Rostock eine kleine Firma namens Teraklin gegründet hat. "Seitdem ist viel passiert", erinnert sich Aldinger. "Inzwischen haben wir 89 Mitarbeiter, Büros in England, Spanien, Frankreich, den USA und China, und unsere Produkte werden in 32 Ländern eingesetzt."

Die "Produkte" sind Maschinen, die die Funktion der Leber außerhalb des menschlichen Körpers übernehmen. Damit gewinnen Ärzte wertvolle Zeit, bis eine geschädigte Leber sich selbst regeneriert hat und das But wieder filtern kann. Oder bis für den Patienten ein Spenderorgan gefunden ist. In mehr als 300 Kliniken ist die Maschinenleber aus Rostock bei über 3.000 Patienten eingesetzt worden. "Mit großem Erfolg", wie Aldinger stolz erzählt.

Eine eigene, weltweit operierende Hightech-Firma - davon wagten Aldinger und Gerike vor sechs Jahren nicht zu träumen. Damals - 1997 - reichten sie ihren frisch geschriebenen Geschäftsplan beim ersten StartUp-Wettbewerb, einer Initiative des stern, der Sparkassen, der Unternehmensberatung McKinsey und des ZDF, ein. Die Expertenjury setzte schon damals auf das Team und seine Idee. Teraklin kam bei der bundesweiten Endausscheidung unter die besten drei.

Eine Wettbewerbsteilnahme bringt wichtige Kontakte

Ganz ähnliche Erfahrungen hat auch Andera Gadeib gemacht. Sie kam mit ihrer Firma Dialego im StartUp-Wettbewerb 2000 unter die Top Ten der Neugründungen. Inzwischen hat ihr Marktforschungsunternehmen rund 20 Mitarbeiter in Aachen und New York. "Wir sind aus den Kinderschuhen raus", sagt Gadeib, die gerade einen Sohn bekommen hat. "Wir sind heute als Kleiner gegen die Branchengrößen unterwegs, haben aber auch schon eine Menge Konkurrenten hinter uns gelassen." Auf der Kundenliste finden sich inzwischen auch Weltkonzerne, für die Dialego mit Hilfe des Internets Meinungsbilder zu neuen Produkten, vom Joghurt bis zum Auto, liefert.

Andera Gadeib spürt zwar momentan die wirtschaftliche Schwäche des Landes, doch ihre Firma soll weiter wachsen: "Letztes Jahr haben wir trotz Krise 40 Prozent geschafft, in diesem Jahr soll das Wachstum zumindest zweistellig werden." Auch die ersten Gewinne hat Dialego bereits gemacht.

Damit liegt das Unternehmen voll auf dem Kurs, den Andera Gadeib vor vier Jahren in ihrem zum Wettbewerb eingereichten Businessplan vorgezeichnet hat. Anhand dieses Planes war damals ihre Idee geprüft und bewertet worden. Doch nicht nur für den Preis hat sich die Planerei gelohnt: "Ich kann nur jedem Gründer empfehlen, den Businessplan so lange zu überarbeiten, bis ihn auch außenstehende Prüfer verstehen und man einen Preis dafür gewinnt", rät Gadeib. Der Gedanke hinter dem Tipp: Nur wer seine Geschäftsidee schlüssig anderen erklären kann, hat sie selbst auch ausreichend durchdacht. "Außerdem", ergänzt sie, "bringt so eine Wettbewerbsteilnahme wichtige Kontakte zu Mitgründern und etablierten Unternehmern."

Es muss nicht immer eine hippe Hochtechnologie sein

Mehr als 7.500 Gründer haben seit 1997 am StartUp-Wettbewerb teilgenommen und ihn damit zu einem der erfolgreichsten des Landes gemacht. Viele dieser Unternehmen haben sich ähnlich gut entwickelt wie Teraklin oder Dialego. Einige Beispiele: - Der Hamburger Callcenter-Betreiber "All by phone + net", Teilnehmer im Jahr 1997, hat inzwischen mehr als 200 Mitarbeiter und will weitere Jobs schaffen. - Die Firma Laserline, ebenfalls 1997 dabei, baut gerade ein 2.500 Quadratmeter großes Firmengebäude inklusive Reinraum für die Produktion hoch sensibler Diodenlaser in Mülheim-Kärlich. Platz für 40 Mitarbeiter. - T-Blade aus Berlin, StartUp-Teilnehmer 2001, ist mit seinen neuartigen Schlittschuhkufen nicht nur in Europa erfolgreich. Auch viele amerikanische und kanadische Eishockeyspieler sind mit den T-Blade-Kufen auf Hightech-Materialien schneller unterwegs.

Dass es nicht immer hippe Hochtechnologie sein muss, haben Bodo von Laffert und Oliver Greiter bewiesen: Sie punkteten vor fünf Jahren beim StartUp-Wettbewerb mit einem Konzept für ein Sushi-Restaurant nach japanischem Vorbild. Beide kannten die so genannten Kaiten-Restaurants von Studienaufenthalten in Asien. In diesen Restaurants sitzen die Gäste an einer Bar, auf der Sushi-Portionen auf einem Fließband vorbeifahren. Jeder bedient sich dann selbst. Sie übertrugen die Idee auf Europa und eröffneten 1998 ihre erste "Sushi Factory" in Hamburg. Heute betreiben sie schon vier der kleinen Sushi-Fabriken in Norddeutschland, dazu einen Lieferservice. Es gibt aber auch abgepacktes Sushi für den Verkauf in Supermärkten, einen Catering-Service und bald sogar eine Sushi-Bar in einem Hotel.

"Ein positives Gründerklima ist wichtig für Deutschland"

Etwa 80 Mitarbeiter sorgen inzwischen für regelmäßigen Nachschub der kleinen Häppchen aus Fisch, Reis und Seetang. "Die Geschäfte laufen trotz Wirtschaftskrise gut", freut sich Oliver Greiter. "Zu Zeiten des Internetbooms wurden wir wegen unseres vergleichsweise langsamen Wachstums belächelt. Dafür machen wir Gewinne, expandieren weiter und haben immer genug Zeit gehabt, aus unseren Fehlern auch zu lernen."

"Die vielen Erfolgsgeschichten der Teilnehmer aus den vergangenen Jahren zeigen, wie wichtig ein positives Gründerklima für Deutschland ist", sagt McKinsey-Chef Jürgen Kluge. "Die StartUp-Initiative ist der Beweis dafür, dass auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten noch viele Gründer den Mut aufbringen, sich selbstständig zu machen und dabei auch neue Arbeitsplätze schaffen."

Der StartUp-Wettbewerb startet jetzt in die siebte Runde. Gesucht sind wieder junge Unternehmen, die gerade gestartet sind, und Gründer mit pfiffigen Geschäftsideen. Zu gewinnen gibt es viele Geld- und Sachpreise sowie ausführliche Beratung von den StartUp-Experten.

Jan Boris Wintzenburg / print