KfW-Studie Ostdeutsche Wirtschaft besser als ihr Ruf


Die ostdeutsche Wirtschaft muss sich nicht verstecken. Von 1992 bis 2003 wuchs sie im Schnitt um 3,3 Prozent pro Jahr. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Kreditanstalt für Wiederaufbau.

Die ostdeutsche Wirtschaft ist besser als ihr Ruf. Das geht aus einer am Montag veröffentlichten Untersuchung der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau hervor. Danach stieg das ostdeutsche Bruttoinlandsprodukt von 1992 bis 2003 jährlich um 3,3 Prozent und damit deutlich schneller als das westdeutsche, das nur um 1,0 Prozent wuchs. Bereinigt um die seit 1996 kriselnde Baubranche wäre das Plus im Osten sogar noch stärker ausgefallen.

Strukturprobleme im Baubereich hemmen

Allerdings gibt es der Studie zufolge in den ostdeutschen Ländern einen deutlichen Bruch in der Entwicklung der vergangenen elf Jahre: Während bis zur ersten Hälfte der 90er Jahre das ostdeutsche BIP um durchschnittlich 7,9 Prozent stieg, sackte das Wachstumstempo von 1996 bis 2003 auf magere 1,0 Prozent ab. Ursache dieser Entwicklung seien die schweren Strukturprobleme im Baubereich. Nach der Wende hatte es zunächst einen Bau-Boom in den neuen Ländern gegeben. Seit 1996 wurden diese Investitionen kontinuierlich zurückgefahren und belasten laut KfW das ostdeutsche Wachstumsergebnis seitdem stark.

Ohne die Bauinvestitionen ergibt sich den Angaben zufolge seit 1996 ein weitaus stabileres und positiveres Bild der wirtschaftlichen Entwicklung in Ostdeutschland. Danach belief sich das Wachstum im Osten auf 3,9 Prozent gegenüber nur 1,6 Prozent in Westdeutschland.

Exporterlöse wachsen

"Insbesondere ist das verarbeitende Gewerbe, das von Jahr zu Jahr seinen Anteil an der Bruttowertschöpfung steigert, eine Erfolgsgeschichte", erklärt die KfW. Allein im laufenden Jahr werde mit einem Anstieg der Investitionstätigkeit in diesem Sektor um 9 Prozent gerechnet. Gleichzeitig dokumentierten die dynamisch wachsenden Exporterlöse die Wettbewerbsfähigkeit der neuen Länder.

Laut der Untersuchung ist zu erwarten, dass die neuen Länder spürbare Wachstumsvorsprünge erzielen dürften, sobald die notwendige Strukturbereinigung im Bau beendet ist. "Die 500.000 mittelständischen Unternehmen, die sich mittlerweile in den ostdeutschen Ländern etabliert haben, sind dafür eine gute Basis", erklärte die KfW in der Studie "Wirtschaftslage in den neuen Ländern - Erfolge seit 1990".

Von den Verbrauchern anders wahrgenommen

Die Stimmung der Verbraucher passt allerdings nicht zu diesen Ergebnissen, wie eine am Wochenende veröffentlichte Umfrage des Allensbach-Instituts zeigte. Nach der Umfrage für die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" glauben 42 Prozent der Ostdeutschen über 16 Jahren, sie hätten im Westen mehr Chancen als in ihrer Heimat. 23 Prozent seien der Ansicht, die Chancen seien gleich gut - egal wo. 9 Prozent gingen davon aus, in den alten Bundesländern weniger Möglichkeiten zu haben.

AP AP

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