Kosmetik Meister Proper will Wella beherrschen


Der kahlköpfige Meister Proper will endlich zum weltweiten Haarspezialisten aufsteigen. Das US-Unternehmen Procter & Gamble will diesen Dienstag eine Behersschungsvertrag über den Kosmetik-Konzern Wella unterschreiben.

Der kahlköpfige Meister Proper will endlich zum weltweiten Haarspezialisten aufsteigen. Das US-Unternehmen Procter & Gamble (P&G) plant, an diesem Dienstag den Beherrschungsvertrag über den Darmstädter Kosmetik-Konzern Wella zu unterschreiben. Eine reine Formsache, besitzt P&G doch bereits 99 Prozent der stimmberechtigten Wella-Aktien für die Hauptversammlung in Frankfurt. Freie Hand hat der US-Riese damit noch lange nicht. Die Minderheitsaktionäre, die über mehr als 50 Prozent der Vorzugsaktien verfügen, sperren sich, wo immer sie können. Sie wollen ihre Anteile so teuer wie möglich verkaufen.

Ärger mit Aktionären

Über die Strategie von P&G (Meister Proper, Pampers, Ariel) lässt sich nur spekulieren, da sich die Amerikaner nicht in die Karten schauen lassen. Im Frühjahr hatten sie einen Beherrschungsvertrag noch weit von sich gewiesen, obwohl offensichtlich bereits daran gearbeitet wurde. Für den Kauf der restlichen Aktien wollte das Unternehmen nach Einschätzung der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz den 4. Juni abwarten. Zu diesem Zeitpunkt lief die Selbstverpflichtung ab, bereits ausbezahlte Aktionäre an einem höheren Angebot zu beteiligen. Denn jetzt stockte P&G den Preis für die Vorzugsaktie von 65 Euro auf 72,86 Euro auf.

Betroffen ist davon vor allem die Firma Henkel, die mit dem Verkauf ihrer knapp 7 Prozent Wella-Anteile den Deal erst ermöglicht hat. Sie verliert 19 Millionen Euro - wenn es bei diesem Angebot bleibt. Die Chancen stehen nach Ansicht von Aktionärsschützern jedoch gut, dass der Preis noch deutlich nach oben korrigiert wird. Damit könnte schnell eine Summe von 50 Millionen Euro zusammenkommen. Dennoch hat der Henkel-Vorstand verlauten lassen, dass er den Vorgang nicht gerichtlich prüfen will.

Squeeze-Out immer noch fraglich

Ob es P&G gelingt, mit dem jetzigen Angebot die notwendigen 95 Prozent der Anteile für ein so genanntes Squeeze-Out und damit die vollkommene Kontrolle über Wella zu erlangen, ist fraglich. Die Investmentfonds, die mehr als 16 Prozent der Anteile halten, haben bereits angekündigt, dass sie mit mindestens 90 Euro pro Aktie rechnen. So hoch sei nach Analysen der innere Wert von Wella anzusetzen.

Sobald der Beherrschungsvertrag unterschrieben ist, werden sie deshalb ein Spruchstellenverfahren einleiten. Diese gerichtliche Überprüfung der Abfindungen wird von Aktionärsschützern heute fast automatisch gefordert. "In vermutlich über 80 Prozent der oft mehrjährigen Verfahren kam es zu einer deutlichen Erhöhung der Abfindungen", erklärt Rechtsanwalt Josef Broich, der die Fonds vertritt.

Wella "interessanter Titel"

Die Minderheitsaktionäre haben dann zwei Möglichkeiten. Sie könnten ihre Aktien an P&G verkaufen mit dem Vorbehalt, bei einer Höherbewertung eine Nachzahlung zu bekommen, oder sie halten die Aktien bis zur Entscheidung und nehmen die jährliche Garantie-Dividende von fünf Prozent mit.

Vor diesem Hintergrund hält Broich die Wella-Aktie für einen "interessanten Titel". Allerdings ist der Handel mit dem Papier äußerst eingeschränkt. Weder P&G noch die Fonds werden sich von ihren Anteilen trennen. "Der Freeflow liegt vielleicht gerade mal bei drei Prozent", sagt Broich. Das Papier bleibt allerdings trotzdem im MDAX. "Wenn sich an der Struktur des Unternehmens nichts ändert, besteht kein Anlass, es herauszunehmen", sagte eine Sprecherin der Börse.

Ingo Senft-Werner, dpa DPA

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