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Wirtschaftskriminalität McMafia-Law - wie eine TV-Serie in Großbritannien zur Jagd auf Kriminelle führte

Die schöne Welt der kriminellen Oligarchen geht zu Ende. Szene aus der Serie "McMafia".
Die schöne Welt der kriminellen Oligarchen geht zu Ende. Szene aus der Serie "McMafia".
© McMafia / PR
Die Serie "McMafia" zeigte, wie kriminelle Oligarchen ungestört in London leben. Nach einem öffentlichen Aufschrei wurde ein Instrument geschaffen, das sie an ihrer empfindlichsten Seite trifft: ihrem Vermögen.

Die Serie McMafia hat 2018 Großbritannien aufgewühlt. Sie zeigte ein London, in dem sich kriminelle Oligarchen aus den Nachfolgestaaten der UdSSR wie zu Hause fühlen und dort ungehindert ihren kriminellen Geschäften nachgehen können. Es handelte sich zwar um eine TV-Serie, doch sie beruhte auf Episoden des gleichnamigen Buchs des Journalisten Misha Glenny über das organisierte Verbrechen und das war eine Dokumentation und kein Roman (Lesen Sie hierzu: "Börsen-Werte, Sex-Sklaven und nackte Gewalt - so herrscht die Russen-Mafia über London").

Schnelle Reaktion der Politik

Auf einmal musste sich die Politik peinlichen Fragen stellen. Etwa wie es sein konnte, dass in London offenbar jeder Multimillionär willkommen geheißen wurde, ohne dass auch nur einmal gefragt wurde, woher das Geld eigentlich stammt. Der damalige Innenminister versprach, dem schönen Leben der superreichen Großkriminellen ein Ende zu setzen. Und es wurde ein neues juristisches Instrument geschaffen, um illegalen Geldern auf die Spur zu kommen. Die Unexplained-Wealth-Orders (oder UWOs) haben den Spitznamen "McMafia"-Law. Im Prinzip ist es die gleiche Methode, die schon Al Capone zu Fall brachte. Wenn die Polizei die kriminellen Umtriebe nicht aufdecken kann, muss man sich die Ausgaben ansehen. Und nur die wenigsten Kriminellen sind so diszipliniert, sich einen bescheidenen Lebensstil aufzuerlegen.

Der britische "Telegraph" berichtet nun über die ersten Erfolge des Gesetzes. Offenbar reichen die kriminellen Verbindungen bis in die oberste Gesellschaft. Der Geschäftsmann Mansoor Hussain zeigt sich gern mit Stars und Prominenten auf Instagram – ob mit Meghan Markle oder Beyoncé. Eine seiner Firmen ist im Showbusiness tätig, doch im Oktober erhielt er als erster Brite eine Unexplained-Wealth-Order, ein Großteil seines Vermögens wurde beschlagnahmt. Mit seinen legalen Geschäften konnte sich Hussain keineswegs seine 49 Häuser und dazu auch noch eine Flotte von Rolls-Royces leisten.

Der Fall ins Nichts

Hussain ist Brite, im Februar 2018 erwischte es Zamira Hajiyev. Der Frau eines aserbaidschanischen Bankers wurde die Einkaufsleidenschaft zum Verhängnis. Ihr gerichtliches "Ausgabendossier" umfasst 95 Seiten. Allein 16,3 Millionen Pfund hat sie über 10 Jahre hinweg bei Harrods ausgegeben. Der Ehemann von Zamira soll die Bank um mehr als zwei Milliarden Pfund betrogen haben. Zum Zeitpunkt seiner Verhaftung wurde sein Vermögen auf 55 Millionen Pfund geschätzt – das Geld gab seine Frau mit vollen Händen aus. Das Problem war, dass mit seinem Gehalt das Vermögen nie hätte zusammenkommen können.

Die UWO ist eine Art von Durchsuchungsbefehl für Ausgaben und Konten. Mit einer Besonderheit: Der Empfänger muss Informationen bereitstellen und mitarbeiten. In gewisser Weise ist die Beweislast umgekehrt. Andy Lewis leitet die Abteilung für Vermögensentzug bei der National Crime Agency (NCA), einer Art britischem FBI. Er sagte der Zeitung: "Mein Job ist es, Leuten ihre unrechtmäßig erworbenen Gewinne zu verweigern. Eine UWO zwingt denjenigen, dem sie zugestellt wird, Rechenschaft darüber abzulegen, wie er seine Flugzeuge, Hubschrauber und Rennpferde erworben hat. Im Grunde alles, von dem wir vermuten, dass es mit schmutzigem Geld gekauft wurde."

Nun muss die Person erklären, wie sie sich ihr "Eigentum" leisten kann. Ein Verdacht entsteht immer dann, wenn es eine große Differenz zwischen rechtmäßig erzielten Einkommen und Lebensstil gibt. Lewis gibt sich nicht der Illusion hin, dass damit die Organisierte Kriminalität zu Fall gebracht wird. Aber das Instrument jagt den Leuten ganz an der Spitze Angst ein. Wirkliche kriminelle Taten können ihnen selten nachgewiesen werden. Aber nun reicht ein Brief und all der kriminelle Reichtum, der ihre ganze Familie umgibt, löst sich in Luft auf. Anstatt in Palästen und teuren Internaten droht ihnen ein Leben in einer Drei-Zimmer-Wohnung.

Der Rechtsstaat schützt die Kriminellen

Großbritannien ist bislang ein attraktiver Ort für dubiose Millionäre gewesen. Sie profitieren vom international ausgerichteten Finanzsystem und einer relativ stabilen, gesetzeskonformen Gesellschaft. Die Absurdität: Die Rechtssicherheit des Landes schützte die größten Kriminellen. In ihren Heimatländern sind sie korrupten Politikern ausgeliefert. In autokratischen Systemen können sie alles verlieren, ganz ohne offizielles Gerichtsverfahren. In Großbritannien sind die Verfahren nicht einfach, die Betroffenen schöpfen den Instanzenweg aus. Wirklich abgeschlossen ist noch kein Verfahren. Auch Zamira Hajiyev wehrt sich gegen die drohende Abschiebung in ihr Heimatland. Doch das süße Leben mit Einkaufstouren in der City ist schon jetzt vorbei.

Graeme Biggar leitet das National Economic Crime Centre, eine behördenübergreifende Organisation zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität. Er sagte: "Unexplained Wealth Order haben eine abschreckende Wirkung. Unser Hauptziel ist es, den Schaden zu verringern, der unserem Land zugefügt wird." Die Zeit sicheren Hafens sei vorbei. "Vielleicht entscheiden sich die Kriminellen, dass London doch nicht so attraktiv ist, gehen in ihr ursprüngliches Land zurück. Wir haben bereits Hinweise, dass dies geschieht." Denen, die in London bleiben, sagt Biggar den Kampf an. "Wir sind entschlossen, ihrem Geld nachzugehen und es ihnen wegzunehmen. Diese Gangster sollten besorgt sein. Wir werden hinter ihnen her sein."

Quelle: Telegraph

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