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Neue Ermittlungsergebnisse: Bericht: Nicht nur VW trickst bei Abgasen von Dieselautos

Die Abgasaffäre zieht Kreise: Das Kraftfahrt-Bundesamt soll ermittelt haben, dass die Autos mehrerer Konzerne den Schadstoff Stickoxid bei niedrigen Temperaturen ungefiltert in die Luft blasen - nicht nur die von VW. Dies berichtet die "Süddeutsche Zeitung".

VW-Abgasaffäre: Erleuchteter Motorraum eines VW-Dieselfahrzeuges

Motorraum eines VW-Dieselfahrzeuges: Die Abgasaffäre weitet sich offenbar auch auf andere Konzerne aus

Neben VW sollen auch andere Autobauer wegen stark überhöhter Schadstoffwerte bei Diesel-Fahrzeugen in Bedrängnis geraten. Wie die "Süddeutsche Zeitung" exklusiv berichtet, sollen mehrere Konzerne ihre Motoren so konstruiert haben, dass der Schadstoff Stickoxid bei niedrigen Temperaturen ungefiltert in die Luft geblasen wird. Dies würden Messergebnisse belegen, die das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) infolge der Abgasaffäre bei Volkswagen ermittelt hat.

Die Ermittlungen beziehen sich auf Autos von Daimler (Mercedes), BMW, VW, Ford, Opel, Renault, Peugeot, Fiat und anderen Konzernen, heißt es im Bericht weiter. Bei vielen der mehr als 50 getesteten Fahrzeugmodelle würden die gesetzlichen Grenzwerte überschritten, teilweise um ein Vielfaches.

Das KBA und das Bundesverkehrsministerium hätten einige Konzerne bereits mündlich zu Nachbesserungen aufgefordert. Diese berufen sich auf eine Verordnung der Europäischen Union, die eine zeitweise Abschaltung der Abgasreinigung erlaube - wodurch bei niedrigen Temperaturen angeblich Motorschäden verhindert werden sollen. Viele Hersteller würden die EU-Regel aber nutzen, um die Abgasreinigung beispielsweise erst ab zehn oder 20 Grad Außentemperatur laufen zu lassen.

Abgasaffäre: So ein Ausmaß "nicht vorstellbar"

Wie aus Regierungskreisen verlaute, habe man sich ein solches Ausmaß nicht vorstellen können. Durch die Untersuchungen des Kraftfahrt-Bundesamtes seien das sogenannte Thermofenster und seine Folgen nun erstmals aufgefallen. Teilweise werde die Temperatur-Regelung korrekt befolgt, teilweise aber zweifelhaft genutzt. Bei Untersuchungen, wie hoch der Stickoxid-Ausstoß von Fahrzeugen im Straßenverkehr tatsächlich ausfällt, hätten sich die Behörden innerhalb der EU bisher oft mit Messreihen unter geschönten Bedingungen auf dem Prüfstand begnügt.

Die Tests würden nach Angaben aus Regierungskreisen bei 23 Grad Celsius ablaufen. Nun werde auch bei anderen Temperaturen gemessen. Dies führe zu teils dramatischen Ergebnissen, die aber bislang unter Verschluss gehalten werden. Das Ministerium wolle erst genaue Erkenntnisse haben, bevor es an die Öffentlichkeit geht. Wie die "SZ" berichtet, bestehe bei einem Konzern inzwischen sogar der Verdacht, dass sich hinter dem "Thermofenster" noch eine möglicherweise illegale Maßnahme verbirgt. Auch diesem speziellen Verdacht würden KBA und Ministerium nun nachgehen.

tim