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AUFTRAGSLAGE: Katastrophe für die Werften

Die Hängepartie geht weiter: die deutschen Werften müssen auf Beihilfen warten und sind solange der Billigkonkurrenz aus Korea ausgeliefert.

Die Enttäuschung über die europäische Politik ist bei den Schiffbauern an Nord- und Ostsee riesig. Von einer »Katastrophe«, einem »Debakel« und »nationalen Egoismen« ist die Rede. Die Werften müssen weiter auf Schützenhilfe von der EU gegen die Billigkonkurrenz aus Korea warten. Denn die Minister der 15 EU- Staaten konnten sich in Brüssel nicht auf neue Schiffbau-Beihilfen einigen. Die von Bundeswirtschaftsminister Werner Müller im Bundeshaushalt 2002 eingeplanten 45 Millionen DM (23 Mio Euro) dürfen vorerst nicht fließen. Auch die Klage gegen Korea vor der Welthandelsorganisation WTO wegen ruinöser Preispolitik ist bis ins nächste Jahr aufgeschoben.

Aufträge gehen zurück

»Das ist gerade in diesem Moment für Deutschland ein Debakel, denn traditionell werden viele Aufträge am Jahresende vergeben«, sagt der Generalsekretär des Europäischen Schiffbauverbandes, Reinhard Lüken. »Der Dezember entscheidet darüber, ob das Jahr gut oder schlecht wird.« Verglichen mit den Vorjahren verzeichneten die deutschen Werften in diesem Jahr nur ein Fünftel der Auftragseingänge. Im Jahr 2000 nahmen die Betriebe noch Aufträge über 10,9 Milliarden DM in ihre Bücher. »Wer längere Zeit nichts verkauft, wird auch nicht mehr angefragt«, sagt der Hauptgeschäftsführer des Verbandes für Schiffbau und Meerestechnik (VSM), Werner Schöttelndreyer.

Kommt 2003 Entlassungswelle?

Nun befürchtet die Branche Auswirkungen auf die Jobsituation bei den 38 deutschen Werften. Die Aufträge der meisten Schiffbauer reichen noch bis zum Sommer 2003, und bis dahin rechnet der VSM in Hamburg mit einer stabilen Beschäftigung. »Aber danach wird es bei den kleinen Schiffbauern anfangen«, sagt Lüken. Heute arbeiten 21 000 Werftarbeiter in Deutschland, die im Jahr 2000 einen Umsatz von über 8 Milliarden DM erwirtschafteten.

Auch Ladungsaufkommen rückläufig

Zudem hat sich die Lage des Weltschiffbaus in den vergangenen Monaten verschlechtert. Das Ladungsaufkommen ist rückläufig, die Frachtraten sinken und damit auch die Erlöse der Reeder, die ihre Aufträge strecken. In dieser Situation hatten alle auf ein Signal aus Brüssel gehofft. Die Aussichten waren besser als je zuvor, weil Frankreich seine Zustimmung signalisiert hatte. Damit wäre eine Mehrheit in der EU möglich geworden, obwohl Großbritannien, die Niederlande und die skandinavischen Länder an ihrem Widerstand festhielten. Frankreich bestand aber darauf, auch den boomenden Sektor der Gastanker fördern zu dürfen. In diesem Segment stiegen die weltweiten Bestellungen 2001 gegenüber dem Vorjahr um 40 Prozent, davon gingen 70 Prozent in koreanische Auftragsbücher.

Korea hat Dumpingpreise

Die EU-Kommission will aber erst eine Studie über Gastanker abwarten und bisher nur für Containerschiffe, sowie Produkt- und Chemikalienfrachter Subventionen erlauben. Diese Schiffstypen leiden nachweislich unter der ostasiatischen Konkurrenz. Korea bietet seit Jahren Schiffe an, deren Preise bis zu 40 Prozent unter den Baukosten liegen, und hat sich einen Weltmarktanteil von 50 Prozent erobert.

Südkorea will nicht einlenken

Deshalb hatte die EU-Kommission bereits Anfang Mai Beihilfen zwischen sechs und 14 Prozent des Auftragswertes vorgeschlagen. Sie sollen zeitlich befristet sein für die Dauer des WTO-Verfahrens, um den Druck auf Südkorea zu erhöhen. »Wir gehen nicht mit Wasserpistolen zur WTO«, sagt der Sprecher von EU-Handelskommissar Pascal Lamy. »Wir brauchen richtige Kugeln zum Schießen.«

EU-Verhandlungen gescheitert

Im Sommer waren dann wochenlange Verhandlungen der EU mit Korea am fehlenden Einlenken der Asiaten gescheitert. Jetzt ist es Sache Spaniens, im kommenden Jahr unter seiner Präsidentschaft das verfahrene Thema wieder auf die Tagesordnung zu setzen. »Die Hängepartie geht weiter«, sagt Verbandschef Lüken. »Und das Thema zeigt, dass die EU mit der Globalisierung einfach nicht fertig wird.«