Balda + Infineon BenQ-Pleite bedroht andere Firmen


Die Insolvenz des Handyherstellers BenQ Mobile zwingt nun auch Zulieferfirmen zur Streichung von Arbeitsplätzen: Bei Balda und Infineon wird es zum Personalabbau kommen - insgesamt sind 1400 Stellen betroffen.

Der Handy-Schalenhersteller Balda kündigte im nordrhein-westfälischen Bad Oeynhausen an, drei Werke zu verkaufen und die Zahl seiner Mitarbeiter von 1600 auf 600 zu verringern. Der Münchener Chip-Hersteller Infineon teilte mit, er streiche wegen der Insolvenz seines Kunden BenQ weltweit rund 400 Arbeitsplätze, davon knapp 200 in Deutschland. Laut IG Metall sind es 230 Stellen.

Balda gab Gewinnwarnung ab

Balda erlitt wegen der BenQ-Insolvenz sowie stark rückläufiger Nachfrage durch den Handyhersteller Nokia einen Umsatzeinbruch im dritten Quartal und gab deshalb eine Gewinnwarnung aus. Vor Steuern werde jetzt mit einem Fehlbetrag von bis zu 50 Millionen Euro für das Gesamtjahr gerechnet, teilte das Unternehmen in der Nacht zum Mittwoch mit. Balda will nun noch in diesem Jahr drei seiner Werke in Deutschland verkaufen. Dabei würden gegebenenfalls auch Buchverluste in Kauf genommen.

Betroffen seien die Standorte Herford (Nordrhein-Westfalen), Oberlungwitz (Sachsen) und Seelbach (Baden-Württemberg). Zudem seien Kapazitätsanpassungen im Bad Oeynhauser Stammwerk geplant. Die Zahl der Mitarbeiter solle in Deutschland dadurch von 1600 auf 600 reduziert und die Produktionskapazitäten etwa halbiert werden.

Bei Infineon wackeln über 200 Inlands-Jobs

Rund 750 der 1000 bei Balda wegfallenden Stellen sollen den Angaben zufolge durch den Verkauf der Werke gesichert werden. Im Stammwerk würden 250 Arbeitsplätze gestrichen. Ebenfalls betroffen seien rund 450 Mitarbeiter von Zeitarbeitsfirmen, die Balda künftig nicht mehr beschäftigen werde.

Mit Stellenstreichungen reagiert auch Infineon auf die BenQ-Insolvenz. Während der Konzern selbst von knapp 200 Stellen in Deutschland sprach, bezifferte die IG Metall die Zahl unter Berufung auf Angaben von Betriebsräten auf 230. So sollten in der Münchner Infineon-Zentrale rund 80 Arbeitsplätze abgebaut werden. Bei der Infineon-Tochter Comneon in Nürnberg seien 60 Jobs sowie beim Standort Salzgitter 90 Stellen betroffen.

Sog dürfte noch weitere Firmen erfassen

Infineon-Vorstandschef Wolfgang Ziebart betonte in einer Telefonkonferenz am Mittwoch, die Restrukturierung sei "nicht erfreulich, aber erforderlich". In der Kommunikationschipsparte erzielte Infineon nach eigenen Angaben knapp 15 Prozent der Einnahmen mit BenQ. Durch den Wegfall dieses Kunden erwarte man im abgelaufenen Geschäftsjahr 2006 Belastungen von rund 80 Millionen Euro und für das laufende Geschäftsjahr 2007 einen Umsatzausfall von 150 Millionen Euro gegenüber den bisherigen Planungen.

Bayerns IG-Metall-Metall-Chef Werner Neugebauer befürchtete, dass dies noch nicht das Ende der schlechten Nachrichten infolge der BenQ-Mobile-Pleite sei. Auch weitere Zulieferer seien "in den Sog" der Insolvenz gekommen. Mit zum Teil gravierenden Folgen rechneten auch Chipentwickler Dialog Semiconductor und der Automatisierungsspezialist Rohwedder, sagte Neugebauer.

Michael Beumer/DDP DDP

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