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Teure Beerdigungen: Macht ein Sarg zum Selbstbauen die Bestattung günstiger?

Ein cleverer Handwerker bietet den Sarg mit Ikea-Prinzip an: Käufer müssen die einzelnen Komponenten selbst zusammenschrauben. Aber spart man so wirklich Geld bei der kostspieligen Bestattung?

Den Sarg, den man selbst zusammensetzen muss: Spart die Heimwerker-Variante Geld bei der Bestattung?

Den Sarg, den man selbst zusammensetzen muss: Spart die Heimwerker-Variante Geld bei der Bestattung?

Reines Fichtenholz und ein Säckchen mit Schrauben: Nein, das ist nicht der Bausatz für einen Schrank oder ein Wandregal - sondern für einen Sarg. Schöpfer dieser ungewöhnlichen Idee ist Heribert Schwab, der südöstlich von Frankfurt am Main die Bausätze für die letzte Ruhe in seiner Werkstatt fertig. "Jeder kann einen Ikea-Schrank zusammenbauen, das ist im Prinzip nichts anderes", sagte Schwab der "Offenbach-Post".

Der kantige und wuchtige Sarg hat wenig mit den liebevoll verzierten Holzarbeiten mancher Särge gemeinsam. Es ist nur eine eckige Holzkiste, fast wie ein Schrank. Doch dafür überzeugt der Preis: Für 199 Euro ist der Bausatz zu haben.

Die günstige Bestattungsvariante trifft einen Nerv: Sterben ist teuer geworden. Beisetzungsgebühren, Grabnutzungsgebühren - selbst im Tod, so scheint es, werden noch Abgaben fällig. Dazu kommen die Rechnungen vom Bestatter und die Ausgaben für die Trauerfeier. Selbst wer günstige Bestattungen kosten mehrere tausend Euro. Da ist die Verlockung groß, mit dem Selbstbausarg ein paar Euro einzusparen.

Nur wenig Interesse

Um sein Produkt an den Mann zu bringen, präsentierte er seinen Selfmade-Sarg in einem Baumarkt im Nachbardorf. Das Interesse sei allerdings gering gewesen, schreibt die "Offenbach-Post". Der Tod sei eben kein Thema, mit dem man sich gerne beschäftigen würde, sagt Schwab. Für den Handwerker ist das aber kein Problem, er hofft auf gute Verkäufe an Gemeinden und Kommunen, die für die Bestattung mittelloser Menschen aufkommen müssen.

Dass der Heimwerker-Sarg aber die Bestattungskosten bedeutend senken wird, ist kaum anzunehmen. Auf dem Portal "Bestatter.de" werden die Kosten für die letzte Ruhe aufgelistet: Die günstige Variante beläuft sich dort auf rund 3300 Euro - darin enthalten sind neben sämtlichen Gebühren auch 35 Euro für einen Musiker, 120 Euro für einen Trauerredner und 300 Euro für die Kaffeetafel im Anschluss. Der Sarg wird mit 350 Euro veranschlagt.

Schnäppchen im Netz

Wer die Luxus-Variante vorzieht, muss tief in die Tasche greifen. In der Modellrechnung kostet die Bestattung rund 9000 Euro - doch nach oben sind den Summen eigentlich keine Grenzen gesetzt. Die "Todesfall-Checkliste" beziffert die durchschnittlichen Sargkosten mit rund 800 Euro.

Da ist der Do-it-yourself-Sarg natürlich günstiger. Doch wer auf Schnäppchensuche im Netz geht, findet viele Angebote ab 500 Euro, inklusive Sarg. Und ohne an dem Selbstaufbau verzweifeln zu müssen.

Katharina Grimm
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