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Freiwillige Rentenbeiträge So stocken Sie Ihre gesetzliche Rente auf – und können früher in den Ruhestand

Es kann sich lohnen, freiwillig in die gesetzliche Rentenkasse einzuzahlen
Es kann sich lohnen, freiwillig in die gesetzliche Rentenkasse einzuzahlen
© AleksandarNakic / Getty Images
In Zeiten von Schule, Ausbildung oder Studium zahlt man meist nicht in die gesetzliche Rente ein. Diese fehlenden Beiträge kann man nachzahlen, wenn man unter 45 Jahre ist. Das kann sich lohnen – vor allem, wenn man früher in Rente will.

Die gesetzliche Rente ist der Grundpfeiler der Altersversorgung in Deutschland. Die monatlichen Beiträge, die meist vom Bruttolohn direkt in die Rentenkasse wandern, sollen fürs Alter absichern. Doch das System bestraft die Zeiten im Leben, in denen nicht eingezahlt wurde, dadurch reduziert sich die Rente. Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen schmälern die Rente. Aber auch Ausbildungszeiten wie ein Studium reißen Lücken in den eigenen Rentenanspruch.

Wer noch unter 45 Jahren alt ist, kann dies ändern und freiwillig in die gesetzliche Rente einzahlen. Dies lohnt sich – vor allem, wenn man früher in den Ruhestand gehen möchte. Angerechnet werden die Zeiten zwischen dem 16. und 17. Lebensjahr, wenn in dieser Zeit eine Schule besucht wurde oder wenn eine Ausbildung ab dem 17. Geburtstag länger als acht Jahre gedauert hat.

Aber nicht alle Ausbildungswege machen es möglich, freiwillig in die Kasse zu zahlen. "Infrage kommen Nachzahlungen für Ausbildungen in weiterführenden Schulen, Fachhochschulen, Hochschulen und für berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen", so die Experten von "Finanztest". Dies hat Gründe: Es werden nur Anrechnungszeiträume erlaubt, die nicht schon anderweitig rentenrechtlich belegt sind. So werden Ausbildungen, die ab dem 17. Lebensjahr bis zu acht Jahren gedauert haben, ohne Beitragszahlungen gerechnet. Auch die Zeit als angestellter Azubi ist in der Rentenrechnung schon enthalten. 

Wann sich die Nachzahlung für die Rente lohnt

Nicht für jeden lohnt sich die Aufstockung der gesetzlichen Rente. Wichtigster Punkt: Die eigene Lebenserwartung sollte hoch sein. Die Rendite der Rente ist umso höher, je länger man lebt. Wer eine schwere Krankheit hat oder in der Familie vorbelastet ist für eine Erkrankung, die sich auf die Lebenserwartung auswirken kann, sollte sich diesen Schritt gut überlegen.

Darüber hinaus gibt es weitere Punkte, für die es sich lohnen könnte, die Beiträge nachzuzahlen: 

  • Sie wollen früher in Rente. Doch nur die wenigsten kommen auf die notwendigen 35 Beitragsjahre, die mindestens notwendig sind, um mit 63 Jahren und mit Abschlägen in Rente zu gehen. Wer ohne Abschläge in Rente gehen will, braucht 45 Mindestversicherungsjahre. Aber Achtung: Hier zählen die Nachzahlungen nur dann mit, wenn Sie mindestens 18 Jahre Beiträge in die Rentenkasse pflichtversichert eingezahlt haben, beispielsweise durch einen sozialversicherungspflichtigen Job, durch Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen. 
  • Sie setzen auf die Steuererleichterungen. Die nachträglichen Beiträge in die Rentenkasse sind bis zu einem gewissen Umfang steuerlich absetzbar. 

Die Nachzahlungen sind nicht frei wählbar: 2021 müssen für jeden Monat mindestens 83,70 Euro nachgezahlt werden. Das allerdings würde sich später kaum bemerkbar machen, so die Finanztester. Lediglich um 0,37 Euro würde so die Rente steigen. Allerdings: Fallen mehrere Jahre an, die nachgezahlt werden dürfen, und zahlt man höhere Beträge, steigt die mögliche Nachzahlsumme auf mehrere 10.000 Euro an. Hier muss auch das Motiv der Nachzahlung berücksichtigt werden: Geht es nur darum, die Mindestversicherungszeit zu erhöhen, sollten die für jeden Monat fälligen Beträge gering bleiben. Soll aber durch die Nachzahlung die Rente erhöht werden, müssen deutlich höhere Beträge nachgezahlt werden. Die Finanztester rechnen vor: Wer einmalig 12.000 Euro einzahlt, erhöht seine Rente um 1,5531 Entgeltpunkte oder um monatlich 53,10 Euro. 

"Finanztest" rechnet ein Beispiel vor: Ein 44-Jähriger hat lange studiert und erst mit 28 Jahren seinen Abschluss gemacht. Dann hat er bis zum 34. Lebensjahr selbstständig gearbeitet, ohne in die gesetzliche Rente einzuzahlen. Danach nahm er einen gut bezahlten, sozialversicherungspflichtigen Job an. Seine Rente wird voraussichtlich 1540 Euro betragen. Das ist dem Mann zu wenig. Für die Schulzeit zwischen dem 16. und 17. Lebensjahr und für die 36 Monate Studienzeit ab dem 25. Lebensjahr kommen insgesamt 48 Monate zusammen, für die der Mann maximal 63.389 Euro nachzahlen kann. Das würde seine Rente um 270 Euro monatlich erhöhen. 

Die Summe ist zwar hoch, doch der Mann hat einen weiteren Vorteil: Er kann sie steuerlich absetzen. So könnte er, wenn er die Zahlung auf fünf Jahre splittet, insgesamt 22.853 Euro vom Finanzamt zurückbekommen. Damit würde ihn die Rentenerhöhung nur noch rund 40.500 Euro kosten, rechnen die Finanztester vor.

Der gesamten Ratgeber dazu bekommen Sie gegen Gebühr auf www.test.de.

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