HOME

Dax auf Talfahrt: Wie gefährlich ist die Krise in China für die Börse?

Es geht steil bergab an den deutschen Börsen - der Dax lag heute zwischenzeitlich bei grade mal 9760 Punkten. Was bremst den Rekordlauf des deutschen Leitindex?

Der Dax im Sinkflug, zwischenzeitlich zeigte die Anzeigetafel nur 9759,73 Punkte

Die Anleger-Angst geht um - und der Dax rauscht in den Keller. 

Die Angst vor einer ausgeprägten Wachstumsschwäche in China hat am Montag in Europa mehrere Hundert Milliarden Euro an Börsenwert vernichtet. Die europäischen Finanzmärkte fielen um knapp drei Prozent auf den tiefsten Stand seit sieben Monaten. Das entspricht einem Wert von 230 Milliarden Euro. Erstmals seit Januar rutschte der Dax wieder unter die Marke von 10.000 Punkten. Der tiefste Wert des Tages lag bei 9760 Punkten, Tageshöchstwert war immerhin 9935. Doch im April hatte das Börsenbarometer noch bei 12.390 Punkten eine Bestmarke gesetzt. Erste Analysten sprechen von einer Überreaktion des deutschen Marktes. Doch was lässt die deutschen Anleger so zittern? 

China: Kommt die "harte Landung"?

Seit Wochen scheint es in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt zu kriseln. Die aufgestaute Angst "vor einer harten Landung der chinesischen Wirtschaft" scheine sich entladen zu haben, schrieb Analystin Dorothea Huttanus von der DZ Bank in einer aktuellen Studie. Diese hätte "fraglos ganz erhebliche Konsequenzen für den Rest der Welt". So hatten schwache chinesische Konjunkturdaten Investoren zuletzt immer wieder beunruhigt. Vor allem für deutsche Autobauer eine schlechte Nachricht: China ist ein wichtiger Absatzmarkt für Mercedes, BMW und co. 


Marco Bargel, Postbank-Chefvolkswirt, sieht die Situation in China jedoch deutlich entspannter, als die Märkte heute morgen. "Die chinesische Wirtschaft stürzt nicht ins Bodenlose. Die vielen Maßnahmen, die Regierung und Zentralbank gegen die Konjunkturabkühlung eingeleitet haben, werden mit zeitlicher Verzögerung wirken", erklärte er gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. "China hat zudem noch viel Pulver übrig. Das kann etwa dazu genutzt werden, um die Kreditvergabe anzukurbeln. Auch ist China nur gering verschuldet, weshalb von staatlicher Seite viel Geld in die Hand genommen werden kann, um das Wachstum zu stützen." Das schwächere China-Geschäft werde kompensiert durch die gute Nachfrage aus den USA, Großbritannien und europäischen Nachbarstaaten. 

Griechenland, das ewige Sorgenkind

Für Unruhe unter den Anlegern sorgt auch das Dauerbrenner-Thema Griechenland. Ministerpräsident Alexis Tsipras ist zurückgetreten. Er will gestärkt aus Neuwahlen hervorgehen, um mit den internationalen Geldgebern besser über eine Umstrukturierung des Schuldenbergs verhandeln zu können. Der Expertin Jennifer McKeown vom Analysehaus Capital Economics zufolge verdeutlichen die Neuwahlen die Risiken für eine Umsetzung der Reform- und Sparmaßnahmen, zu denen sich Athen im Gegenzug zu weiteren Milliardenhilfen verpflichtet hat. Die Gefahr eines "Grexit" - also eines Ausscheidens Griechenlands aus der Eurozone - sei noch lange nicht gebannt.

Höhenangst nach der Rekordjagd des Dax der vergangenen Jahre

In den vergangenen Jahren erklomm der Dax immer neue Höhen. Dabei gab es zwar immer wieder Phasen mit Kursverlusten, wirklich drastische Rückgänge über einen längeren Zeitraum gab es aber nicht. Seine Bestmarke erreichte der Dax im April bei 12 390 Punkten. Das bedeutete ein Plus von mehr als einem Viertel alleine seit dem Jahreswechsel. Auf einem solch hohen Niveau wird es nach Einschätzung von Experten der HSH Nordbank für Unternehmen immer schwieriger, den Gewinnerwartungen der Anleger gerecht zu werden. Vor dem jüngsten Kursrutsch war der Dax nach einem zwischenzeitlichen Auf und Ab wieder auf mehr als 11 600 Punkte geklettert.

Ende der Billiggeld-Politik in den USA zeichnet sich ab

Ein wichtiger Grund für die Rekordjagd an den Aktienmärkten war die Geldpolitik großer Notenbanken, die die Märkte mit Geld regelrecht überschwemmten. Angesichts rekordniedriger Zinsen setzten Investoren auf der Suche nach Rendite stark auf Aktien. Zwar hält die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihrem billionenschweren Anleihenkaufprogramm die Geldschleusen weiter geöffnet, in den USA sieht es aber anders aus. Dort zeichnet sich noch 2015 die erste Leitzinserhöhung nach der Finanzkrise ab. Anlagen wie Staatsanleihen würden dann wieder attraktiver, schrieben die HSH Nordbank-Experten. Aktien verlören an Glanz.

Geschwindigkeit der Kursverluste macht Angst

Wenn Kurse stark fallen, finden sich üblicherweise Schnäppchenjäger unter den Anlegern, die ihre Chance wittern. Nicht so derzeit. Einige Anleger seien in den letzten Tagen mit Blick auf die Intensität der Abwärtsbewegung im Dax auf dem falschen Fuß erwischt worden, sagte Analyst Markus Huber vom Handelshaus Peregrine & Black. Folglich hätten viele gezögert, auf Schnäppchenjagd zu gehen. Doch das kann noch kommen, erklärt Tobias Basse von der NordLB. "Wenn die negative Stimmung - zum Beispiel aufgrund der Handlungen der Geldpolitiker - dreht, dürften also Schnäppchenjäger die Oberhand gewinnen", sagte Basse gegenüber Reuters, "Insofern sind wir mit Blick auf die kommenden drei bis sechs Monate schon optimistisch."

Grexit, Dschihad, China: Welche Risiken bedrohen die Weltwirtschaft?
Weltweit bedrohen Gefahren die Weltwirtschaft

Weltweit bedrohen Gefahren die Weltwirtschaft

law / DPA / Reuters