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Börse: Gerüchte ziehen Banken in den Keller

Kapitalerhöhung bei der Deutschen Bank, Royal Bank of Scotland vor der Verstaatlichung und Zahlungsschwierigkeiten bei HBOS, Lloyds und Barclays - alles nur Gerüchte. Doch sie reichen aus, um an den Börsen Panik auszulösen und die Banken-Aktien erneut in den Sturzflug zu schicken.

Ungeachtet aller Bemühungen, Ruhe in die Finanzwelt zu bekommen, gehen die Turbulenzen an den weltweiten Aktienmärkten weiter. Banken-Titel befanden sich am Dienstag teilweise im freien Fall. Starke Verluste an der Wall Street in New York vom Vortag schickten vor allem die Indizes in Asien erneut auf Talfahrt. Die europäischen Börsen wie auch der Dax blieben nach den heftigen Kursverlusten vom Vortag bis zum Mittag etwa stabil.

Der japanische Nikkei fiel zeitweise unter die psychologisch wichtige Marke von 10.000 Punkten. Die Börse in Hongkong sackte zeitweise um 5 Prozent ab. In Russland wurde der Aktienhandel nach dramatischen Kurseinbrüchen erneut ausgesetzt. Der Dax drehte nach einem freundlichen Start ins Minus und lag am Mittag bei 5.355 Punkten (minus 0,7 Prozent). Das der deutsche Leitindex nicht tiefer in den roten Zahlen steckt, ist VW zu verdanken. Die Aktien des Autobauers legten ohne erkennbaren Grund kräftig zu. In der Spitze sprangen die Titel um fast 42 Prozent auf ein Rekordhoch von 414 Euro. Ein Händler zeigte sich völlig ratlos. "Das versteht man nicht mehr."

Gerüchte heizen Panik an

"Es gibt diverse Gerüchte, die die Panik im Banken-Sektor anheizen. So soll die Deutsche Bank eine neue Kapitalerhöhung planen, in Großbritannien soll die Royal Bank of Scotland (RBS) verstaatlicht werden und angeblich stecken HBOS, Lloyds TSB Group und Barclays in Liquiditätsschwierigkeiten", sagten Händler. Sollte sich dies bewahrheiten, geriete das gesamte europäische Bankensystem ins Wanken. Kreisen zufolge wurden die Spekulationen um die Deutsche Bank als "völliger Unsinn" bezeichnet.

Die Aktie der größten deutschen Bank sackte in Frankfurt dennoch in den Keller: Sie lag gegen Mittag fast zwölf Prozent im Minus bei 42,25 Euro. Der Kurs der Commerzbank brach um fast 13 Prozent auf 10,37 Euro ein. Titel der Hypo Real Estate (HRE) fielen nach den massiven Einbrüchen in den Vortagen zeitweise um weitere 10,64 Prozent auf 4,20 Euro.

An der Londoner Börse stürzte die Aktie der RBS kurzzeitig um 39 Prozent ab. Zudem gehörten die Großbanken Lloyds TSB (minus 20 Prozent) und HBOS (minus 18) am Vormittag zu den größten Verlierern. Bereits am Vortag war RBS mit einem Minus von 20 Prozent am stärksten von dem Einbruch betroffen.

Bank of America meldet Gewinneinbruch

Hiobsbotschaften kamen auch aus den USA: Der Gewinn der Bank of America (BoA) ist im dritten Quartal um 68 Prozent auf 1,18 Milliarden Dollar eingebrochen. Die Unternehmensführung legte die Zahlen am Montagabend nach Börsenschluss und damit rund zwei Wochen früher als geplant vor. Um frisches Kapital aufzutreiben, will die Bank für zehn Milliarden Dollar Stammaktien verkaufen und die Dividende auf 32 Cent je Aktie halbieren. Die Kreditrisiko-Vorsorge wurde von 5,8 Milliarden Dollar im zweiten Quartal auf jetzt 6,45 Milliarden Dollar erhöht.

"Dies sind die schwierigsten Zeiten für Finanzinstitute, die ich in meinen 39 Jahren im Bankgeschäft je erlebt habe", sagte Vorstandschef Kenneth Lewis. Hinzu kamen Abschreibungen unter anderem auf gewerbliche Immobiliendarlehen und Firmenkundenkredite in Millionenhöhe. Der Quartalsgewinn fiel mit nur 15 Cent je Aktie deutlich geringer aus als von Analysten erwartet. Diese hatten mit 62 Cent je Anteilsschein gerechnet. Die BoA gilt derzeit dennoch als eine der stärksten Banken in den USA, dank ihrer Gesamtgröße und ihrer Basis im Privatkundengeschäft. Sie hat sich bereiterklärt, die Investmentbank Merrill Lynch zu übernehmen.

joe/DPA/Reuters/AP / AP / DPA / Reuters