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DaimlerChrysler: Baldige Einigung im Mercedes-Streit möglich

Im Konflikt um Personalkosten bei DaimlerChrysler ist nach Protesten zehntausender Mitarbeiter erstmals von einer raschen Lösung die Rede.

Nach Zeitungsinformationen könnte ein Kompromiss bereits in den nächsten Tagen gefunden werden. Der Vorstand um Konzernchef Jürgen Schrempp ist Medienberichten zufolge bereit, auf bis zu zehn Prozent des Gehalts zu verzichten.

"Ich bin zuversichtlich, dass wir in Kürze eine Lösung herbeiführen", sagte Schrempp der "Welt am Sonntag". "Wir sind in konstruktiven Verhandlungen." Der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" zufolge sind Schrempp und Konzernbetriebsratschef Erich Klemm zuversichtlich, dass es eine Einigung bereits am Mittwoch geben könnte. Am Samstag legten die Proteste erneut die Mercedes-Produktion im größten Werk Sindelfingen lahm. Da 12.000 Mitarbeiter die Frühschicht ausfallen ließen, wurden 1.000 Autos nicht gebaut.

Top-Management will 2005 auf Gehaltserhöhung verzichten

Schrempp und seine Vorstandskollegen hätten einen Gehaltsverzicht von bis zu zehn Prozent angeboten, berichteten die "Bild am Sonntag" und die "Berliner Morgenpost". Die Schätzungen über Schrempps Jahresgehalt reichten dabei von 7,5 bis 10,8 Millionen Euro. Das Top-Management unterhalb der Vorstandsebene wolle im kommenden Jahr auf eine Gehaltserhöhung verzichten, hieß es unter Berufung auf Unternehmenskreise.

DaimlerChrysler will bei der Produktion der neuen C-Klasse von 2007 an die Kosten um 500 Millionen Euro im Jahr senken und droht ansonsten mit der Verlagerung der Fertigung von Baden-Württemberg nach Bremen und Südafrika. Das konnte 6.000 Jobs in Sindelfingen kosten.

Entgegenkommen der Gewerkschaft sind Grenzen gesetzt

Der Betriebsrat ist laut Medienberichten zu Zugeständnissen bereit. So könne es für die Beschäftigten in Kantine, Druckerei, Werksschutz und Putzkolonnen einen Ergänzungstarifvertag geben, mit dem sie nicht mehr nach den hohen Tarifen der Metallindustrie entlohnt würden. Über die Höhe der Einsparungen und die betroffenen Arbeitnehmergruppen solle am Montag gesprochen werden, die Gespräche zwischen Vorstand und Betriebsrat werden am Dienstag fortgesetzt. Dann will nach Zeitungsinformationen die komplette Spätschicht in Sindelfingen die Arbeit ausfallen lassen.

IG-Metall-Vizechef Berthold Huber machte deutlich, dass dem Entgegenkommen der Gewerkschaft Grenzen gesetzt seien. Die Wiederholung der Forderung "Wir wollen 500 Millionen Euro von euch" sei nicht kompromissfähig, sagte Huber in der Montagsausgabe der "Stuttgarter Zeitung". Als Voraussetzung für eine Lösung verlangte er längerfristige Sicherheit und Perspektiven für die Standorte und die Beschäftigung.

Steinbrück für flexiblere Arbeitszeiten

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Peer Steinbrück hat sich für flexible Arbeitszeiten ausgesprochen. Wenn es für die Wettbewerbsfähigkeit eines Betriebes "überlebensnotwendig" sei, sei er nicht generell gegen längere Arbeitszeiten, sagte der SPD-Politiker in der Montagsausgabe der "Bild"-Zeitung.

Als Beispiel nannte Steinbrück Jahres- und Lebensarbeitszeitkonten, auf denen Überstunden gespeichert und bei Bedarf abgerufen werden können. Die konkrete Situation eines Betriebes müsse berücksichtigt werden. Starre Regeln oder gar "einen Überbietungswettbewerb bis zur 50-Stunden-Woche" lehne er aber ab, sagte Steinbrück.

Steingrück: Wir brauchen in Deutschland wieder mehr Vorbildfunktion

Vor dem Hintergrund des Angebots von Seiten des DaimlerChrysler-Vorstands, im Streit um Kürzungen der Sozialleistungen auch selbst auf Einkommen zu verzichten, sagte Steinbrück, es sei ungerecht, dass Top-Manager inzwischen das 240-Fache dessen verdienten, was die Beschäftigten im Schnitt nach Hause brächten. Es gehe nicht an, dass diejenigen, die selbst Millionen-Gehälter bezögen, Geringverdienern im Wochentakt abverlangten, sie sollten den Gürtel immer enger schnallen. "Wir brauchen in Deutschland wieder mehr Vorbildfunktion", forderte der Ministerpräsident.