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Deutsche Bahn: Warnen und warten

Bahnmitarbeiter haben Stellwerke blockiert, Reisezentren bestreikt, Züge an der Ausfahrt aus dem Bahnhof gehindert: Nach sechs Stunden wurden die Warnstreiks laut Gewerkschaften zwar beendet. Die Auswirkungen des Streiks werden Reisende aber noch lange spüren.

Die Bahngewerkschaften haben ihre Warnstreiks nach etwa sechs Stunden beendet. Allerdings sind auch nach Ende der Aktionen noch Verspätungen möglich. "Wie lange die Auswirkungen danach noch sein werden, ist schwer einzuschätzen", sagte Transnet-Vorstandsmitglied Alexander Kirchner im Deutschlandfunk.

Wie lange die Warnstreiks fortgesetzt werden, hänge vom Verhalten der Deutschen Bahn ab, sagte Kirchner. "Wir werden sofort wieder verhandeln, wenn der Arbeitgeber sagt, dass er bereit ist, das Angebot aufzubessern."

Zwei Stunden keine Fahrkarten in Karlsruhe

Von den Warnstreiks waren mehrere Regionen betroffen. Der morgendlichen Fern- und Regionalverkehr wurde unter anderem in Freiburg und Karlsruhe massiv gestört. Wie ein Bahnsprecher in Stuttgart berichtete, kam es zu Zugausfällen und Verspätungen.

In Karlsruhe sei die Arbeit im Fahrkartenverkauf und vom Zugbegleitpersonal zwischen 6.00 und 8.00 Uhr niedergelegt worden. Auch das Stellwerk sei betroffen gewesen.

Ein ICE von Basel in Richtung Frankfurt am Main sei ausgefallen, sagte der Bahnsprecher, ebenso ein Regionalexpress von Karlsruhe nach Mannheim. In Freiburg habe das Zugbegleitpersonal gestreikt.

Reisezentrum in Hamburg bestreikt

Das Reisezentrum des Hamburger Hauptbahnhofes ist für knapp zwei Stunden bestreikt worden. Fahrgäste konnten ihre Fahrkarten ausschließlich am Automaten lösen, es kam aber zu keinen längeren Wartezeiten.

Auf dem Rostocker Hauptbahnhof wurde der gesamte Schienenverkehr durch einen Ausstand der Fahrdienstleitung lahm gelegt.

In Erfurt blockierten Bahnmitarbeiter Züge

Die Warnstreiks haben auch den Nahverkehr im Raum Erfurt behindert. Nach Angaben eines Sprechers der Gewerkschaft Transnet wurde von 3.00 Uhr bis 6.00 Uhr das Regiowerk des Erfurter Hauptbahnhofs bestreikt.

Die Mitarbeiter blockierten vorübergehend die Ausfahrt von rund 15 Zügen, wodurch es im Nahverkehr zwischen 4.00 Uhr und 6.00 Uhr zu vier Zugausfällen und zu einigen Verspätungen kam.

Wenige Behinderungen in München

Mit Beginn des Arbeitskampfes ist es auch in Bayern zu Behinderungen gekommen. Nach Auskunft der Deutschen Bahn war der Regionalverkehr im Allgäu von Zugausfällen betroffen. Nur wenige Behinderungen verursachten den Angaben zufolge dagegen die Arbeitsniederlegungen in München, wo das ICE-Werk bestreikt wurde.

Druck auf den Arbeitgeber verbreiten

"Unser Ziel ist es heute, Druck auf den Arbeitgeber zu verbreiten", sagte der Sekretär der Eisenbahnergewerkschaft Transnet, Georg Herzog, der Nachrichtenagentur AP.

"Der Arbeitgeber hat die Verhandlung abgebrochen, ohne uns ein neues Tarifangebot für weitere Verhandlungen zu unterbreiten. Und jetzt wollen wir ihm ganz einfach signalisieren, dass wir bereit sind, unseren Forderungen für sieben Prozent Entgelterhöhung plus 150 Euro für die unteren Entgeltgruppen Nachdruck zu verleihen, damit er wieder an den Verhandlungstisch zurückkehrt."

Die Gewerkschaften Transnet und GDBA fordern von der Deutschen Bahn sieben Prozent mehr Lohn für die rund 134.000 Bahnbeschäftigten, mindestens 150 Euro mehr pro Monat. Die Arbeitgeber hatten zuletzt eine Lohnerhöhung von je zwei Prozent für 2008 und 2009 angeboten, sowie eine Einmalzahlung von 300 Euro vorgeschlagen.

Auskünfte für Bahnkunden

Die meisten Reisenden äußerten Verständnis für die Aktion. Die Bahn hatte eine mobile Service-Stelle zur Beratung der Fahrgäste eingerichtet. Bei der Service-Telefonnummer der Bahn erkundigten sich bis zum Morgen rund 25.000 Bahnkunden nach dem Stand der Dinge.

Auskünfte sind unter der

Nummer 08000 996633

zu erhalten. Wie die Bahn mitteilte, haben Fahrgäste, die wegen des Streiks die Reise nicht antreten können, die Möglichkeit, ihre Fahrkarte kostenlos umzutauschen oder ihr Geld zurückzuerhalten.

AP/DPA / AP / DPA