Deutschland Kreditkrise sorgt für Konjunkturdelle


Die Finanzkrise fordert auch in Deutschland ihren Tribut: Führende Wirtschaftsinstitute haben ihre Wachstumsprognose für 2008 gesenkt - teilweise um fast die Hälfte. Die Aussichten für Arbeitsmarkt und Außenhandel bewerteten die Ökonomen jedoch als positiv. Finanzminister Peer Steinbrück warnt vor übertriebener Panik.

Die Finanzkrise dämpft die deutsche Konjunktur nach Einschätzung von Ökonomen stärker als bislang angenommen. Dem gewerkschaftsnahen Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) zufolge wird sich das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr fast halbieren. "Die Turbulenzen auf den Finanzmärkten und die starke Aufwertung des Euro fordern allmählich ihren Tribut", sagte IMK-Direktor Gustav Horn. Das Bruttoinlandsprodukt werde deshalb nur noch um 1,3 Prozent wachsen nach 2,5 Prozent 2007. Das Institut für Wirtschaftsforschung (IWH) Halle senkte seine Prognose ebenfalls um 0,2 Punkte auf 1,5 Prozent. "Das ist eine deutliche Delle, die sich bis Herbst hinziehen wird", sagte IWH-Konjunkturchef Udo Ludwig.

Das Essener RWI bleibt dagegen bei 1,7 Prozent. Für 2009 sagen das IMK, das IWH Halle und das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) jeweils ein etwas stärkeres Wachstum voraus.

Auch Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) geht davon aus, dass die Turbulenzen an den Märkten nicht folgenlos bleiben. "Wir haben es mit einer der größten Finanzkrisen in den letzten Jahrzehnten zu tun", sagte Steinbrück. "Auswirkungen auf die Realwirtschaft können nicht verleugnet werden." Deutschland sei aber robust genug, um die Krise besser zu bewältigen als die USA. Die Industrie sorgt sich unterdessen um den Export. "Es ist die Gemengelage von Dollarschwäche, steigenden Ölpreisen, nachlassender US-Konjunktur und Finanzkrise, die den Firmen zunehmend zu schaffen macht", sagte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Jürgen Thumann, der "Berliner Zeitung".

Schnupfen für den Rest der Welt

Der Abschwung in den USA schlägt nach den Worten des Präsidenten des Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) Hans-Werner Sinn früher oder später auf die hiesige Wirtschaft durch. "Es gilt noch immer der Satz: Wenn die Amerikaner husten, kriegt die Welt einen Schnupfen - und dazu gehören auch wir in Deutschland", sagte Sinn im Deutschlandfunk. Eine Rezession in den USA, die einen Anteil am Weltsozialprodukt von 28 Prozent hielten, sei mittlerweile wahrscheinlich.

Ungeachtet der trüberen Konjunkturaussichten setzt sich der Aufschwung am Arbeitsmarkt aber nach einhelliger Einschätzung der Experten fort. Die Zahl der Arbeitslosen werde bis 2009 unter die Marke von drei Millionen fallen, erwartet das RWI. 2007 waren es noch fast 3,8 Millionen. Die steigende Beschäftigung und höhere Reallöhne dürften den privaten Konsum ankurbeln. Einen Kaufrausch erwarten die Institute aber nicht - vor allem wegen der anhaltend starken Teuerung. "Die Lebenshaltungskosten steigen noch schneller als im vergangenen Jahr und kosten viel Kaufkraft", sagte IWH-Experte Ludwig.

Exporte wachsen noch immer

Der Außenhandel werde die Wirtschaft erneut anschieben, auch wenn die Exporte langsamer wachsen dürften als zuletzt, erwartet das IMK. Die Unternehmen dürften ihre Investitionen nur noch verhalten ausweiten, weil viele Anschaffungen aus steuerlichen Gründen auf 2007 vorgezogen worden seien. Gebremst werde der Aufschwung von einer leichten Rezession in den USA und hohen Rohstoffpreisen.

Vor allzu großem Konjunkturpessimismus warnte Yves Mersch, Ratsmitglied bei der Europäischen Zentralbank (EZB). "Der Umfang, in dem das Wachstum in der Euro-Zone nachlässt, ist nicht mit dem in anderen Wirtschaftsräumen vergleichbar", sagte er.

Reuters Reuters

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