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EADS/Airbus: Zittern in Toulouse und Hamburg

Airbus will die Kosten pro Jahr um bis zu zwei Milliarden Euro pro Jahr senken, angeblich stehen bis zu 17 Werke auf der Kippe. In Hamburg und Toulouse formiert sich bereits politischer Widerstand.

Mit einem rigorosen Sparkurs und einer möglichen neuen Aufgabenverteilung auf die Werke will der weltgrößte Hersteller von Passagierflugzeugen Airbus aus der Krise kommen. Der nach Brancheninformationen diskutierte Sanierungsplan verschärft den Interessenkonflikt zwischen Deutschen und Franzosen, denn Hamburg könnte dabei französischen Experten zufolge den Innenausbau des Super-Airbus A380 im Tausch gegen den A320 an Toulouse verlieren. An diesem Dienstag soll der Verwaltungsrat der Airbus-Mutter EADS darüber abschließend beraten. Am Mittwoch sollen die Belegschaften und die Öffentlichkeit informiert werden. Das wurde am Montag aus Konzernkreisen bekannt.

Der zunächst "Power.08" genannte Planentwurf soll die Kosten nach Medienberichten um 1,5 bis zwei Milliarden Euro pro Jahr senken. Die Hauptlast sollen die Zulieferer tragen, deren Zahl von 10.000 auf 7000 sinken könnte. Bei künftigen Flugzeugen wie dem Langstreckenjet A350 sollen Fremdlieferanten von Russland bis China bis zu 30 Prozent Anteil an der Fertigung, aber auch am Risiko übernehmen. Das wäre doppelt so viel wie beim A380. Die Investmentbank Goldman Sachs sieht sieben der 17 Airbus-Werke in Europa ganz auf der Kippe. Sie könnten an Partner verkauft werden, womit auch ein Teil der Projektrisiken abgetreten würde.

Uldall: "Betriebswirtschaftlich wäre das Unsinn"

An den Hauptstandorten Toulouse und Hamburg regt sich Widerstand gegen die diskutierte Umstrukturierung. Vor allem Überlegungen zur Konzentration der A380-Fertigung in Südfrankreich und der A320- Produktion an der Elbe stoßen auf Kritik. Der Hamburger Wirtschaftssenator Gunnar Uldall (CDU) sagte in der Tageszeitung "Die Welt" zu einer möglichen Verlagerung der A380-Fertigung, "betriebswirtschaftlich wäre das Unsinn". Wenn man in Frankreich neu aufbauen müsste, was in Hamburg schon investiert sei, "wären die Verzögerungen bei der Auslieferung noch viel größer". Experten in Paris meinen, Hamburg könne weiter A380-Rumpfsegmente bauen, aber den Innenausbau an Toulouse abgeben.

In Toulouse fürchtet man dagegen den Verlust des in Frankreich entwickelten A320 an Hamburg. Die A320-Familie habe 2005 zwischen 80 und 90 Prozent der Bestellungen ausgemacht und sei der Goldesel von Airbus. Ein Tausch A380 gegen A320 "würde das Pulver entzünden und das deutsch-französische Gleichgewicht zerschlagen", warnt die Gewerkschaft CGT. Die Gewerkschaft FO meint, Deutschland müsse die Hauptlast der Sanierung tragen, weil Airbus in Frankreich schon 50 bis 70 Prozent der Arbeit an Fremde ausgelagert habe.

Videokonferenz geplant

Der EADS-Verwaltungsrat hatte am Freitag in Amsterdam über die Vorschläge des neuen Airbus-Chefs Christian Streiff beraten. Am Dienstag soll es dem Vernehmen nach eine Videokonferenz geben. Für Mittwoch ist in Toulouse eine Sitzung des Betriebsrates angesetzt, auf der das Ergebnis bekannt gegeben werden soll. Dann sollen auch die Reaktionen der Fluggesellschaften auf den neuen Auslieferungsplan für den A380 vorliegen.

Der Pariser Finanzpresse zufolge rechnet Streiff für 2007 nur mit der Auslieferung von vier A380. 2008 sollen es 15 werden. Die Fluggesellschaften benötigen die Großflugzeuge für 481 bis 853 Passagiere dringend, weil manche Strecken und Flughäfen keine zusätzlichen Flüge mehr zulassen. Die bisher schon bekannte Verzögerung um ein Jahr kostet EADS zwei Milliarden Euro binnen vier Jahren. Jetzt ist von sechs weiteren Monaten die Rede.

Die Airbus-Lieferanten rechnen wegen der Produktionsverzögerungen nur vereinzelt mit ernstlichen Problemen. Die meisten Zulieferer wickelten nur einen Teil ihres Umsatzes mit Airbus ab, sagte Klaus Ardey, der Vorsitzende des Zulieferverbandes Hanse Aerospace, in einem dpa-Gespräch in Hamburg. Von den 12.000 Hamburger Airbus- Mitarbeitern wurden 2500 eigens für das A380-Programm eingestellt. Die Zulieferer haben 8000 Beschäftigte.

DPA / DPA