HOME

Hausmarke statt Heinz-Ketchup: Edekas Kampfansage: Wir lieben Eigenmarken

Heinz-Ketchup fliegt bei Edeka raus - und wird durch eine Eigenmarke ersetzt. Hinter dem Streit mit Lebensmittelproduzenten scheint eine neue Strategie zu stecken.

Edeka Center

Edeka setzt auf neue Eigenmarken

Picture Alliance

Edeka macht ernst: Deutschlands größter Lebensmittelhändler schmeißt nach und nach beliebte Produkte raus. Hintergrund für den Frühjahrsputz sind Handelsstreitigkeiten mit den Herstellern. Zuerst traf es Heinz Ketchup. Der Kraft-Heinz-Konzern hatte eine Preiserhöhung angekündigt, die wollte Edeka nicht mitgehen. Das Unternehmen stoppte daraufhin die Belieferung, berichtete die "Lebensmittelzeitung"

Als nächsten Hersteller traf es Pepsico und die Fruchtsaftmarke Punica. Edeka und der konzerneigene Discounter Netto verkaufen zwar noch die Reste aus den Regalen - ein Bestellstop aber macht deutlich: Punica wird es künftig nicht mehr bei Edeka geben. 

Edeka ersetzt Heinz Ketchup und Punica

Der rigorose Umgang mit Herstellern verdeutlicht Edekas Machtposition. Denn der Lebensmittelverkäufer hat längst einen Plan B in der Schubalde. Edeka ersetzt die unliebsamen Hersteller durch Eigenmarken. So sollen die Heinz-Ketchup-Produkte zeitnah durch Flaschen der Hausmarke Papa Joe's ersetzt werden. Auch die Fruchtsäfte von Punica werden von der Eigenmarke Multi 12 verdrängt. Dabei setzt Edeka optisch auf die Anmutung der Markenprodukte, so die "Lebensmittelzeitung". Preislich wird es günstiger für Kunden: Punica kostet derzeit 1,29 Euro für die 1,25-Liter-Flasche. Bei Multi 12 zahlen Kunden für 1,5 Liter 99 Cent. 

Bereits vor einem Jahr gab es Ärger zwischen Edeka und dem Hersteller Nestlé. Rund 200 Nestlé-Artikel wurden vorübergehend mit einem Einkaufsstopp belegt, darunter Marken wie Maggi, Kitkat, Wagner-Pizza und Nescafé. Nach zähen Verhandlungen wurden die Artikel letztendlich wieder in die Regale geräumt. Auch damals ging es um Einkaufspreise.

Edeka ist Teil der europäischen Händlerallianz Agecore, bei der auch Coop aus der Schweiz sowie Intermarché aus Frankreich dabei sind. Agecore hat Marktmacht und kann im Preisgefecht Herstellern die Stirn bieten. Doch offenbar reicht Edeka das allein nicht mehr aus. Mit den Eigenmarken, die nun neu in den Handel kommen, zeigt die Supermarktkette auch: Wenn sich Hersteller mit Edeka anlegen, können sie ganz schnell rausfliegen. Laut der "Lebensmittelzeitung" ist das mehr als nur Muskeln spielen zu lassen. Vielmehr zeige sich ein markenstrategischer Hintergrund. Denn etablieren sich die Hausmarken, wird es für die Markenprodukte immer schwieriger, wieder gelistet zu werden. 

 

Edekas neue Strategie

Bislang waren die Hausmarken bei Edeka als günstige Alternative zu Marken gedacht. Preissensible Kunden konnten wählen. Günstige Eigenmarke oder teureres Markenprodukt. Dieser Schritt zeigt nun: Edeka will neue Hausmarken so positionieren, dass sie Markenprodukte sogar ersetzen. 

Ob das funktionieren kann, muss sich zeigen. Laut der "Lebensmittelzeitung" sehen einige Edeka-Kaufleute die Entwicklung mit Skepsis. "Das kostet Umsatz – am besten wäre es, wir hätten Heinz und Papa Joe‘s in unseren Regalen", zitiert das Branchenblatt einen Händler. 

Die leeren Regale in einer Hamburger Filiale von Edeka
kg