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Supermarkt: Rewes Kampfansage an Edeka - und die Discounter

Rewe glänzt mit wachsenden Umsätzen und sammelt Geld ein, um weitere Investitionen anzustoßen. Das Ziel ist klar: Rewe will dem Konkurrenten Edeka auf den Fersen bleiben. Und die Discounter in ihre Schranken verweisen.

Rewe glänzt mit guten Zahlen

Rewe glänzt mit guten Zahlen 

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Im Duell der Supermärkte kann Rewe punkten. Das Unternehmen erwartet für das Jahr 2017 einen Gesamtumsatz von 48 Milliarden Euro - das wären sechs Prozent mehr als im Vorjahr, berichtet die "Lebensmittelzeitung" und beruft sich auf Aussagen von Rewe vor Investoren. Die Umsätze selbstständiger Händler seien nicht eingerechnet, so das Branchenblatt.

Das Umsatzplus ist satt, im Jahr zuvor wuchs Rewe um fünf Prozent auf 45,6 Milliarden Euro. Der ewige Rivale Edeka konnte in dem Zeitraum lediglich um 2,5 Prozent zulegen. Für Rewe haben sich die Übernahmen  ausgezahlt. 64 Filialen von Kaiser's Tengelmann und die Beteiligung an einem Gemeinschaftsunternehmen mit Coop scheinen sich ausgezahlt zu haben. Doch das allein ist nicht der Grund für den Zuwachs. 

Denn der Wettbewerb hat sich deutlich verschärft. So haben die Discounter zuletzt stark aufgerüstet und auch Marktanteile zurückerobert. Das gelang ihnen auch durch schickere Filialen, besser präsentierte Waren und mehr Service. Die Billigheimer nehmen dabei auch das angestammte Geschäft mit Markenwaren stärker in den Fokus. So starteten Aldi Nord und Süd in den vergangenen Wochen gemeinsam eine Rabattschlacht um Niveaprodukte. Das erhöht den Druck auf Drogeriemärkte wie dm oder Rossmann - aber eben auch auf die Supermärkte. 

Rewe modernisiert Filialen - und kooperiert mit Aral

Um den Discountern nicht kampflos das Feld zu überlassen, haben auch die Supermärkte nachgebessert. Rund 900 Millionen Euro hat Rewe im vergangenen Jahr in den Aus- und Neubau von Geschäften gesteckt. "Die Rewe Group ist einer der expansivsten Player der Handelsbranche in Deutschland", sagte Stephan Koof, Rewe-Bereichsleiter Expansion Handel Deutschland, kürzlich der DPA. Darüber hinaus ist Rewe eine offenbar lohnenswerte Kooperation mit der Tankstellenkette Aral eingegangen. An über 200 Tanken können Kunden nun in den integrierten Mini-Supermärkten einkaufen. Die Expansion soll fortgesetzt werden. Edeka verfolgt ähnliche Wachstumspläne. Neben neuen Filialen soll vor allem das kleinflächige Angebot, Edeka xpress, ausgebaut werden. 

Doch Rewe beackert noch ein weiteres Feld, in das sich die Discounter bislang gar nicht und Edeka nur zögerlich bewegen: Den Online-Handel mit Lebensmitteln. Schon seit Jahren bietet Rewe mit einem Shop im Netz die Möglichkeit, den Einkauf dort zu tätigen und sich die Ware nach Hause liefern zu lassen. Verantwortlich für diesen Vorstoß war der langjährige Rewe-Chef Alain Caparros, der 2017 den Konzern Richtung C&A verließ. Der digitale Ausbau soll fortgesetzt werden. 

Rewe und Amazon Fresh: Lebensmittel aus dem Netz

Für den Lebensmitteleinzelhandel ist das Onlinegeschäft schwierig. Bislang ist es meist noch ein Verlustgeschäft. "Vordergründig haben die Verantwortlichen sogar recht mit ihrer Zurückhaltung. Marktexperten gehen davon aus, dass der Online-Handel mit Lebensmitteln in Deutschland bis 2025 einen Marktanteil von 3 bis 5 Prozent erreichen wird - viel weniger, als Digitalisierungsexperten ursprünglich erwartet hatten", schrieb dazu der Handelsexperte Kay Hafner im "Manager Magazin". Doch mit dem Start von Amazon Fresh will man dem mächtigen US-Konzern das Feld auch nicht überlassen. "Amazon Fresh (...) marschiert unverdrossen weiter und investiert hohe Summen", so Hafner. "Amazon hat schon mehrfach bewiesen, dass es die letzte Meile bis zum Kunden besser als alle anderen organisiert. Das wird auch im digitalen Lebensmittelgeschäft so sein." Immerhin: Rewe ist mit seinen Online-Angebot bislang der wichtigste Konkurrent zum US-Konzern.

Rewe wird zum Immobilienbesitzer

Um noch schneller zu wachsen, will Rewe frisches Kapital einsammeln. Per Schuldscheindarlehnen sollen 500 Millionen Euro fließen. Insgesamt beläuft sich das Modernisierungs- und Investitionspaket auf 2,4 Milliarden Euro. Damit will Vorstandschef Lionel Souque vor allem das stationäre Geschäft stärken. Konkret will Rewe in Immobilien investieren, berichtet die "Lebensmittelzeitung". Statt hohe Mieten in den Ballungszentren auszugeben, will das Unternehmen die Immobilien kaufen. 

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